Massengeschäft Jahrmarkt: Ein Unfall geht unter
Stadt hat keine Zeit für Sonderfälle

Wer baut seinen Stand auf, wer sagt kurzfristig ab? Die Vergabe der Plätze auf den Jahrmärkten in Weiden ist ein Massengeschäft. Spezialfälle gehen dabei unter, meint die Stadt. Symbolbild: Götz

Wolfgang Behrendt geht es ums Prinzip. Der Markthändler buchte in Weiden drei Stände für Jahrmärkte im vergangenen Jahr. Doch weil seine Frau einen schweren Unfall hatte, musste er zwei davon wieder absagen. Sein Standgeld, 42 Euro, bekam er nicht zurück. Anders als in Tirschenreuth und Grafenwöhr. Auch in Burglengenfeld und Marktredwitz habe er bisher einen angenehmeren Umgang erlebt, erzählt der Fierant.

Die Stadt beruft sich auf geltende Vorschriften. Nach Marktgebührensatzung der Stadt Weiden bestehe kein Anspruch auf Erstattung bezahlter Gebühren. Die Vergabe von Standplätzen sei ein "Massengeschäft" für die Verwaltung, erläutert Pressesprecher Norbert Schmieglitz. "Es ist nicht immer möglich, auf alle Absagen individuell einzugehen", schreibt er. So erklärt sich wohl, warum Behrendt auf seine Absage zunächst keine Antwort erhielt. Erst nach mehrmaligem Nachfragen bestätigte ihm Marktmeister Peter Rackl, dass er keine Erstattung bekommen würde.

In Tirschenreuth habe Marktmeister Norbert Neid Behrendt dagegen sogar von selbst nach den Kontodaten für die Rückerstattung gefragt, sagt der Händler dazu. Die Stadt begründet ihr Vorgehen damit, dass Absagen oft auch "wegen schlechter Wetterprognosen oder anderer, als profitabler eingeschätzten Marktzusagen an anderen Orten" erfolgten, erklärt Schmieglitz. Deshalb würden die Händler - wenn überhaupt - oft auch sehr kurzfristig eintreffen, "womit der Stadt eine Ersatzvergabe an andere Händler regelmäßig nicht mehr möglich ist". Anders ausgedrückt: Den Bewerbern soll eine Absage nicht zu einfach gemacht werden. Allerdings hat Behrend mehr als zwei Monate vorher seine Stände abgesagt. Kulant war die Stadt nicht.

Laut Schmieglitz hätte Behrendt sein Geld zurückerstattet bekommen, wenn er die Erkrankung seiner Frau belegt hätte. Behrendt meint, das stimme so nicht: "Ich habe von der Stadt überhaupt nichts gehört. Ich habe dann Mails geschrieben, daraufhin hat sich erst jemand gemeldet, telefonisch und nachher auch noch einmal schriftlich", erinnert er sich. "Und der hat nur gesagt, nein, das ist so in der Marktordnung, und aus. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Unterlagen hingeschickt, und das wäre gut gewesen."

Schmieglitz merkt an, die Stadt sei bereit, die Situation neu zu bewerten, wenn Behrendt die Erkrankung belegt. Das will der Kirchendemenreuther nun tun. Sein Vertrauen ist erschüttert. Er spricht von Willkür: "Ich werd' da keinen Markt mehr mitmachen, mit Sicherheit nicht."
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