18.01.2018 - 10:32 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mehrere Todesopfer - Bahn stellt Zugverkehr ein [Aktualisierung] Orkantief "Friederike" über Bayern 

Das Sturmtief "Friederike" zieht heute Nachmittag und Abend über Bayern hinweg. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt, dass es an diesem Donnerstag in vielen Teilen des Landes Sturmböen mit Geschwindigkeiten von 80 bis 100 Kilometern pro Stunde geben könnte. Am Nachmittag stellte die Deutsche Bahn den Zugverkehr komplett ein.

Eine Windböe erfasste heute morgen einen Linienbus bei Moosbach. Der Bus kippte zur Seite und rutschte die Böschung hinunter.
von Redaktion OnetzProfil

Der Deutsche Wetterdienst hat das Sturmtief "Friederike" zum Orkan, der höchsten Windstärke, heraufgestuft. Das Unwetter habe Orkanstärke erreicht,  teilte ein DWD-Sprecher mit. Für die Landkreise Neustadt/WN, Amberg, Schwandorf, Regensburg und Neumarkt rechnen die Meteorologen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde. Das reicht aus, um Dächer zu beschädigen oder Bäume zu entwurzeln. In Teilen der Landkreise Tirschenreuth und Cham wird es noch ungemütlicher. Hier sind orkanartige Böen bis zu 110 Kilometer pro Stunde möglich, in exponierten Lagen sogar Orkanböen von 120 Kilometern pro Stunde. Hier sollte man Abstand von Gebäuden, Gerüsten, Bäumen und Hochspannungsleitungen einhalten.

Am späten Nachmittag verlagert sich nun der Schwerpunkt des Orkans weiter in Richtung Osten. Für Bischofsgrün, Fichtelberg (Landkreis Bayreuth), Wunsiedel, Marktredwitz, sowie Pullenreuth, Waldershof, Neualbenreuth und Bärnau (Landkreis Tirschenreuth) gilt bereits die Warnung vor extrem starkem Unwetter.

Bei Ödbraunetsrieth drückte eine Sturmböe einen Linienbus aufs Bankett. Der Bus fuhr in den Graben und kippte zur Seite. 

Vor Glatteisgefahr wegen überfrierender Nässe wird auf der Bundesstraße B303 zwischen Marktredwitz und Bad Berneck auf Höhe Fichtelberg gewarnt. Eine weitere Warnung vor orkanartigen Stürmen gilt derzeit auf der A93 Weiden Richtung Hof, zwischen Windischeschenbach bis zum Tunnel bei Oberweißenbach bei Selb im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge. Sturmböen machen sich im Straßenverkehr als tückische Seitenwinde bemerkbar. Auch einen Lastwagen erwischte auf der A93 bei Selb (Weiden Richtung Hof) eine Windböe und stellte das Fahrzeug quer. Dort war der Verkehr zwischenzeitlich gesperrt.

Rutschige Straßen

Infolge des Wetters gab es in der Nacht zum Donnerstag im nördlichen Schwaben und im nördlichen Oberbayern mehr als 100 Autounfälle, bei denen fünf Menschen leicht verletzt wurden. Die Polizei wies daraufhin, dass Unfälle nicht durch schlechte Witterung, sondern durch nicht angepasste Fahrweise ausgelöst würden.

Auch tagsüber gab es in Oberfranken einige Unfälle aufgrund des stürmischen Wetters: Auf der Kreisstraße bei Trogen (Landkreis Hof) an der Grenze zu Sachsen stürzt ein Baum über die Fahrbahn. Grund dafür ist starker Wind. Mehrere Autos rutschen in den Graben, ein Auto fährt auf einen Lastwagen auf. Es entsteht ein erheblicher Sachschaden.

Zwischen Rhön und Fichtelgebirge kann es auch zu orkanartigen Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 115 Stundenkilometern kommen, auf den Alpengipfeln werden bis zu 150 Stundenkilometer erwartet. Je nach Höhenlage soll es zudem regnen oder schneien. Nach dem Orkantief bleibt das Wetter in Deutschland wechselhaft und es wird kälter. Vor allem im Schwarzwald und an den Alpen könne es laut dem Deutschen Wetterdienst auch länger regnen oder schneien. Zur neuen Woche hin werde der Regen überhandnehmen.

Hof schließt vorsorglich alle Turnhallen

Aus Angst vor möglichen Sturmschäden hat die Stadt Hof vorsorglich am Donnerstag alle Turnhallen im Stadtgebiet schließen lassen. Aufgrund der aktuellen Wetterlage seien alle städtischen Turnhallen gesperrt worden, teilte die Kommune in den sozialen Netzwerken mit. Vereinssportangebote müssten entfallen. Wegen einer Unwetterwarnung vor dem Sturm «Friederike» mit heftigem Wind und Schneefall war der Schulunterricht im Bereich Hof und Wunsiedel am Donnerstag abgesagt worden. 

Schulausfälle in Franken

Vor allem in Franken fallen auch zahlreiche Schulen wegen des Sturms aus. In Oberfranken ist Unterrichtsschluss um 12.00 Uhr, der Nachmittagsunterricht fällt aus, teilte die Regierung Oberfranken mit. Kinder, deren Eltern am Nachmittag arbeiten müssen, werden in der Schule betreut. In den Landkreisen Hof und Wunsiedel fällt der Unterricht komplett aus, im Landkreis Kulmbach gibt es teilweise keinen Unterricht, der Nachmittagsunterricht entfällt komplett. Falls benötigt ist aber eine Betreuung der Schüler an den Schulen durch die Lehrkräfte sichergestellt. Auch im Landkreis Kronach fällt an allen Schulen teilweise der Unterricht aus. Alle oberfränkischen Schulen haben heute keinen Nachmittagsunterricht. Ab 12 Uhr ist Unterrichtsschluss. Schüler, deren Betreuung am Nachmittag nicht sichergestellt ist, müssen in der Schule beaufsichtigt werden.

Winterwandertag findet statt

Im Frankenwald ist kein Wintersport möglich, ebenso sind im Fichtelgebirge die Seilschwebebahn an Ochsenkopf Nord und Süd wegen Sturm und Windbruchgefahr geschlossen, heißt es im aktuellen Wintersportbericht. Beispielsweise am Hempelsberg oder in Mehlmeisel (beide Lkr. Bayreuth) ist Skifahren derzeit noch möglich. Der Deutsche Winterwandertag im Fichtelgebirge findet heute aber trotzdem statt. Nur zwei der Wandertouren sind abgesagt worden. Die Wanderer würden aber Wälder meiden und eher auf freien Flächen laufen, so Munder.

Für die Alpen hat der bayerische Lawinenwarndienst die zweithöchste Gefahrenstufe (Stufe 4) herausgegeben. Durch die Kombination aus Neuschnee und Wind sei die Lawinengefahr groß und werde in den kommenden Tagen angespannt bleiben.
Wegen des Sturmtiefs «Friederike» ist der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen bis auf weiteres eingestellt worden. Das teilte die Deutsche Bahn am Donnerstagmorgen mit. Betroffen seien sämtliche Verbindungen für den Regional- und auch für den Fernverkehr.

Zugverkehr eingestellt

Die Deutsche Bahn stellt den Fernverkehr wegen des Orkans "Friederike" ab sofort bundesweit ein. Züge, die noch unterwegs sind, sollten aber soweit möglich bis zum Ziel fahren, sagte ein Bahnsprecher der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstagnachmittag. Wann die Züge wieder fahren, ist noch nicht abzusehen.

In Oberfranken sind besonders die Bahnstrecken nach Bad Steben und Helmbrechts (Landkreis Hof). Wie die Privatbahn Agilis bekannt gab, gilt für das gesamte Streckennetz in der Region eine Geschwindigkeitsreduzierungen auf Tempo 80, in Waldgebieten auf Tempo 60. Die Bahnstrecke zwischen Münchberg und Helmbrechts ist wegen eines umgestürzten Baumes gesperrt. Für die Strecke nach Bad Steben drosselt die Agilis-Betriebsführung das Tempo generell auf Tempo 40. Auf dieser Strecke fallen mehrere Zugfahrten komplett aus. Die Züge der Oberpfalzbahn auf der internationalen Halbkreis-Linie von Hof über Cheb nach Marktredwitz fahren wegen des Orkantiefs zwischen Hof und Asch ebenfalls nur noch mit deutlich verminderter Geschwindigkeit.

Bis zur kompletten Sperrung sorgten Schneefall und das Sturmtief im Norden Deutschlands für massive Einschränkungen im Zugverkehr. Wegen «Friederike» wurde der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen bis auf weiteres eingestellt, teilte die Deutsche Bahn am Donnerstag mit. Auch die Strecke Hamburg-Berlin sei dicht, sagt ein Bahnsprecher am Nachmittag. Auch der Schienenverkehr in Richtung Westen sei unterbrochen. Betroffen seien sämtliche Verbindungen für den Regional- und auch für den Fernverkehr. Am Nachmittag stellte die Deutsche Bahn dann auch den Zugverkehr in Niedersachsen wegen des Sturmtiefs «Friederike» komplett ein. Die noch fahrenden Züge endeten am nächsten Bahnhof, erklärte das Unternehmen.

Flugausfälle in München

Zwanzig Flüge von und nach Amsterdam, Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Köln der Lufthansa wurden wegen des Sturmtiefs annulliert, wie der Flughafen München am Donnerstagmorgen mitteilte. Darüber hinaus fallen acht Flüge der niederländischen Airline KLM aus, die aufgrund des Wetters in Amsterdam nicht starten. Im Laufe des Tages könnten zudem noch weitere Flugausfälle hinzukommen, sagte ein Sprecher des Flughafens. Nachdem am Vormittag bereits Verbindungen zwischen Amsterdam und Berlin gestrichen wurden, sind nun auch mehrere innerdeutsche Strecken betroffen.

Orkan fordert mehrere Totesopfer

In der Oberpfalz und Bayern sind die Auswirkungen des Sturms "Friederike" nicht ganz so heftig zu spüren, wie in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen. Auf einem Campingplatz in Emmerich am Niederrhein (Nordrhein-Westfalen) wurde ein 59-Jähriger auf einem Campingplatz von einem Baum erschlagen. Er sei sofort tot gewesen, erklärte die Polizei.

Durch eine Sturmböe ist in Lippstadt im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen ein Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Im Orkan verlor der Fahrer die Kontrolle über seinen Transporter. Der 68-Jährige geriet in den Gegenverkehr und stieß mit einem Lastwagen zusammen. Der Fahrer war sofort tot.  In Menden (Nordrhein-Westfalen) deckte der Strum das Dach eines Supermarktes ab und fegte es auf die Straße. Ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr starb bei einem Sturmeinsatz im sauerländischen Sundern.  

Ebenso liegen viele Bäume über den Straßen und versperren den Weg. Besonders auf dem Broken im Harz (Niedersachsen) erreichte der Orkan seinen vorläufigen Höhepunkt. Dort wurden 203 Kilometer pro gemessen, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Von Westen komme nun langsam abnehmender Wind.

Auch in Thüringen gab es ein Todesopfer, das durch das Sturmtief "Friederike" umgekommen ist. In Bad Salzungen (Wartburgkreis) wurde ein Feuerwehrmann von einem Baum erschlagen und ein weiterer schwer verletzt, wie ein Polizeisprecher in Suhl mitteilt. Bei Erfurt (Thüringen) stürzte ein Verkehrsschild auf der Bundesstraße 7 auf ein Auto. Verletzt wurde niemand. Durch den Unfall kommt es zu einer Vollsperrung. Bei einem Unfall inmitten der Sturmböen kam im Süden Brandenburgs ein Lastwagenfahrer ums Leben. Das Fahrzeug war auf der Autobahn 13 (Berlin-Dresden) bei Ortrand nahe der Grenze von Brandenburg zu Sachsen in die Mittelleitplanke geprallt und umgestürzt. Nach ersten Ermittlungen der Polizei hat der Orkan den Unfall ausgelöst. 

In der Nähe von Neubrandenburg starb eine 61-jährige Autofahrerin. Sie verlor sie südlich von Penzlin vermutlich wegen widriger Straßenverhältnisse und zu hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über ihr Auto und schleuderte gegen einen entgegenkommenden Lastwagen.

140 000 Haushalte im Osten ohne Strom

In Ostdeutschland sind zahlreiche Haushalte von der Energieversorgung abgeschnitten. Die Folgeseien zahlreiche Stromausfälle, berichtete die Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) in Chemnitz. Nach Angaben des Unternehmens waren am Donnerstag bis zu 140 000 Kunden ohne Strom, nachdem Masten, Leitungen und andere Anlagen durch den Orkan beschädigt worden waren.

Nach stundenlangen schweren Böen nimmt der Wind in den Benelux-Staaten langsam ab. Im belgischen Gruitrode hob der Orkan ein Dach von einer Schule, wie die Tageszeitung Het Laatste Nieuws berichtet.

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