Mit der Amtstierärztin auf Kontrolle im Zirkus "Voyage"
Ist das Hippo happy?

ws0505-Tierärztin beim zirkus Bild: Schönberger *** Local Caption *** ws0505-Tierärztin beim zirkus Bild: Schönberger

Amtstierärztin Dr. Barbara Bäumler wird überraschend deutlich: "Wenn ich Kühe anschaue, die acht Jahre angebunden im Stall stehen, tun mir diese Kühe mehr leid als jedes Zirkustier." Tiere im Zirkus hätten eine Aufgabe, "einen Beruf, wenn Sie so wollen". Das sei allemal besser, als dumpf in einer engen Box zu stehen. Am Freitag macht die Veterinärin ihren Kontrollgang im Zirkus "Voyage", der in der Leimbergerstraße seine Zelte aufgeschlagen hat.

Der Amtstierarzt ist an jedem Spielort der Erste, der kommt (und danach die Bauaufsicht, das Gewerbeamt und der Platzmeister der Stadt). "So engmaschig wird kein anderer Tierhalter überwacht", sagt Barbara Bäumler. Tourneeleiter Sascha Grodotzki holt seinen Ordner hervor. Für den Zirkus ist es die siebte Kontrolle in diesem Jahr. Er lässt sich in die Bücher gucken. In jeder Spalte steht neben dem Stempel "o. b. B.": ohne besondere Beanstandungen. Rund 60 Tiere hat der Zirkus dabei: von der Gans bis zum Elefanten.

Grodotzki legt Equidenpässe vor. Seit dem Weidener Gastspiel 2014 sind drei Tiere dazugekommen: Zebra "Shirkan", Araber "Orbit" und Kamel "Ivan". Für alle Tiere hat er zudem Herkunftsbescheinigungen. Das Flusspferd und die Elefanten stammen aus anderen Zirkus-Betrieben. Sie kamen vor Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens nach Europa. "Jedi", das Flusspferd, hat immerhin fast 50 Jahre auf dem ledrigen Buckel.

Die Weidener Veterinärin steigt die Rampe hinauf zum Badebecken. Der "Hippo" hievt seinen tonnenschweren Körper aus dem Wasser. Zirkusdirektor Alois Spindler und seine Frau Diana locken mit Semmeln. "Jedi" reißt sein mächtiges Maul auf. Ein Anblick, der für Barbara Bäumler nicht alltäglich ist. Sie kann sich bei Wildtierkontrollen der Amtshilfe einer Expertin aus Nürnberg bedienen, was sie im Fall "Voyage" vor vier Jahren gemacht hat. Auch diese bescheinigte artgerechte Haltung.

Die Amtstierärztin geht alle Boxen und Gehege ab. Sie inspiziert die Koppel, die auf der Wiese an der Leimbergerstraße aufgezogen wurde. "Wir haben Tiere in Weiden, die schlechter gehalten werden." Es ist nicht das erste Mal, dass Amtstierärzte eine Lanze für den Zirkus brechen, obwohl sie hinterher mit Kritik der Tierrechtler via Internet rechnen müssen. Barbara Bäumler: "Hier haben wir 60 Tiere, da reisen hundert Tierschützer hinterher. Für die zig Millionen Nutztiere ist der Aufschrei relativ gering."

Den Zirkusleuten tut der Dauerbeschuss durch die Peta weh, auch wenn der Vorverkauf gut läuft. Immer mehr Städte beschließen ein Verbot von Zirkus-Gastspielen mit Tieren. "Voyage" hat 2007 in Chemnitz erfolgreich dagegen geklagt. Das kostet Zeit und Geld. "Wir können uns nicht in jede Stadt klagen", sagt Diana Spindler.

Wenn ich Kühe anschaue, die acht Jahre angebunden im Stall stehen, tun mir diese Kühe mehr leid als jedes Zirkustier.Amtstierärztin Barbara Bäumler


Wir haben Tiere in Weiden, die schlechter gehalten werden.Amtstierärztin Barbara Bäumler
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