Mit drei Promille am Nachmittag Unfall gebaut
Rückfall bringt Familienvater vor den Kadi

Alkoholsucht ist eine Krankheit, die Menschen das Leben schwer macht. Das wird einmal mehr am Mittwoch vor Amtsrichter Hubert Windisch deutlich. Der Angeklagte, ein 50-jähriger Familienvater, war anderthalb Jahre trocken, als er im Winter 2016 einen Rückfall erlitt. An einem Dezembernachmittag baut er einen Unfall - mit 2,98 Promille.

Der Techniker aus dem Landkreis versucht gar nicht, sich herauszureden. Nur ein Erklärungsversuch: Er habe sofort nach dem Rückfall Kontakt mit dem Bezirkskrankenhaus aufgenommen, sei aber aufgrund einer früheren Vorerkrankung zunächst ans Klinikum verwiesen worden (wo er nicht hinging). Und so trank er jeden Tag mehr. Als Bier nicht mehr reichte, wurde es Jägermeister. Am Tag des Unfalls gab es Streit mit der Frau und der Schwiegermutter. Schon in der Garage griff der Angeklagte zur Flasche und fuhr schließlich los, "Hauptsache weg." 22 Kilometer quer durch den Landkreis nach Weiden. Im Auto die Flasche Schnaps. Als bei der Kaserne vor ihm ein Nissan bremsen musste, fuhr er dem Vordermann gegen 16.30 Uhr drauf. "Ich war einfach zu langsam." So heftig, dass der Airbag auslöste.

Der Bäckermeister im Nissan hat sich nur einen blauen Fleck geholt. Er nimmt die Entschuldigung des Unfallfahrers während der Verhandlung freundlich auf. Seinen beträchtlichen Schaden hat die Versicherung bezahlt: rund 14 000 Euro. Erfreulich: Zwei Bundeswehrsoldaten eilten als Ersthelfer sofort los. Als die Polizei kam, war der Angeklagte schon mit dem Rettungsdienst ins Klinikum unterwegs. Die Streife fuhr hinterher. Der Beamtin fiel zwar Alkoholgeruch auf. "Aber mit diesem Promillewert haben wir nicht gerechnet."

Für den 50-Jährigen hat der Rückfall fatale Folgen. Er ist zurzeit noch stationär auf Therapie. Der Arzt hat ihm ein hervorragendes "Zeugnis" mitgegeben: Hochmotiviert beteilige sich der Alkoholkranke an der Therapie, die demnächst ambulant fortgesetzt werden könne. Auch wenn er wieder in seiner Firma anfangen kann, hat er dennoch ein Problem: Die Arbeitsstätte liegt im Nachbarlandkreis, 60 Kilometer einfach.

Selbst bei allen Pluspunkten, die der Angeklagte sogar bei Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf erntet (geständig, motiviert, sozial eingeordnet), führt kein Weg an der Führerscheinsperre vorbei. Erst in zehn Monaten darf sich der 50-Jährige bei der Führerscheinstelle des Landratsamtes um die Wiedererlangung seiner Fahrerlaubnis bemühen. Das wird "ohnehin ein "steiniger Weg", fürchtet Anwalt Franz Schlama.

Richter Windisch bleibt in der Höhe der Tagessätze im Mittel zwischen den Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidigung: 80 Tagessätze zu je 35 Euro, macht 2800 Euro. Der Techniker muss mit einem Nettoverdienst von 1700 Euro (Frau Teilzeit) eine Familie mit drei Kindern durchbringen.
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