20.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mit Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge bei Staatsakt im Soldatenfriedhof St. Symphorien In Frieden nebeneinander ruhen

"Wenn einem da nicht das Herz aufgeht, dann hat man kein Gemüt", ist sich Manfred Hörmannsdorfer (76) sicher, als er sich daran erinnert, wie sehr ihn "The Last Post" (britischer Zapfenstreich für vermisste Soldaten) ergriffen hat, intoniert von einer schottischen Bläsergruppe. Berührt hat den Amberger aber nicht nur diese Szene auf dem internationalen Soldatenfriedhof St. Symphorien im belgischen Mons: Er durfte an einem Staatsakt teilnehmen, zu dem die britische Regierung gut 500 ausgesuchte Gäste eingeladen hatte.

Szene aus der zum Staatsakt der britischen Regierung erhobenen Gedenkfeier auf dem internationalen Soldatenfriedhof St. Symphorien bei Mons: Im Bild sind (vorne von links) zu sehen William, Herzog von Cambridge, und Herzogin Catherine, dahinter (von links) das belgische Königspaar Philippe und Mathilde mit Bundespräsident Joachim Gauck sowie dahinter (von links) Premierminister David Cameron und Prinz Harry von Wales. Bild: Bundesregierung/Steffen Kugler
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Hörmannsdorfer betrachtet es als eine ausgesprochen große Ehre, dem Kreis der Geladenen angehört zu haben, wozu der Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Kaspar Becher (Regensburg), den Grundstein gelegt hatte. Welchen Stellenwert die Gedenkstunde besaß, wurde allein durch die Anwesenheit von Angehörigen des britischen und des belgischen Königshauses sowie von Premierminister David Cameron und Bundespräsident Joachim Gauck deutlich. Deren Verlauf sei für ihn sehr beeindruckend gewesen: "Es fehlte jede Rührseligkeit, aber es war rührend."

Aus den Passagen von Briefen deutscher und britischer Soldaten sei erkennbar gewesen, mit welcher Euphorie sie zunächst in den Krieg gezogen seien. Auf beiden Seiten sei man davon ausgegangen, jeweils Weihnachten wieder siegreich zu Hause sein zu können. Nach den ersten Gefechten seien diese Vorstellungen dem blanken Entsetzen gewichen. Die Schilderungen hätten deutlich gezeigt, dass auf beiden Seiten das Gleiche passiert sei: "Das ist auch nach 100 Jahren noch zu spüren", legt der Amberger dar.

Ähnlich sieht dies Ludwig Nerb (47) aus Witzlhof, der während der Reise erstmals an die Gräber zweier Verwandter gekommen war. Angesprochen auf seine Gefühle in St. Symphorien, meint er: "Da saß ich da und dachte, was erlebst du jetzt hier? Was spielt da für ein Film?"

Frontbrief an Bruder

Für bemerkenswert hält der Reserveoffizier und Oberstudienrat am HCA-Gymnasium in Sulzbach-Rosenberg die Auswahl der vorgetragenen Soldatenbriefe - etwa jene Passage, die Prinz Harry von Wales aus einem Schreiben zitierte, das ein Brite von der Front an seinen Bruder gesandt hatte: "Ich kann nur hoffen, dass wir Glück haben und durch die Nacht kommen und falls ich getroffen werden sollte, nun, dann kann man nichts machen."

"Lasst uns reden"

An dieser Stelle seien ihm folgende Gedanken an die Kriegsopfer Johann und Leonhard Nerb durch den Kopf gegangen: "Weil ihr hier gefallen seid, bin ich jetzt da." Überlegungen, die sich später im Hotelzimmer noch weiter fortsetzten, als Ludwig Nerb sich ausmalte, wie es denn wäre, wenn seine zwei gefallenen Verwandten plötzlich zur Tür hereinkämen: "Wenn sie in ihren dreckigen Klamotten dagewesen wären, hätte ich gesagt, ,hockt's euch her. Lasst uns reden'."

Würdevoll und gerecht

Äußerst beeindruckt vom Geschehen auf dem Friedhof ist Veronika Haag (62) aus München, die mit ihren Seugaster Brüdern Herbert (66) und Reinhold Koppmann (52) in Belgien war. Sie erinnert sich gern an die "würdevolle Veranstaltung", bei der sowohl die deutsche als auch die englische Seite gerecht verteilt zum Zuge gekommen seien. "Herzzerreißend" sei es für sie gewesen, als das Lied "Muss i denn zum Städtele hinaus..." erklang. Sie spricht von einer perfekten Inszenierung und Choreographie. Berührt aber ist sie auch von der Tatsache, dass deutsche und britische Soldaten in Frieden nebeneinander ruhen dürfen.

Viel Lob für die Veranstaltung findet Erika Walter (72) aus Regensburg: "Sie war geschmackvoll gestaltet." Überzeugend aber seien nicht nur die Musik- und Wortbeiträge gewesen, sondern auch die gesamte Organisation: "Wir durften auf der Tribüne Platz nehmen. Von dort aus hatte man überall hin freien Blick." Den einzigen Wermutstropfen sieht sie darin, dass Bundespräsident Joachim Gauck nicht das Wort ergriffen hatte.

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