10.01.2018 - 18:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mitarbeiterin des Landratsamtes kauft für sich selbst, statt für Flüchtlingsheim ein Einkäufe auf Staatskosten

Das Amtsgericht Weiden hat eine ehemalige Mitarbeiterin des Landratsamtes Neustadt zu einer Haftstrafe von neun Monaten ohne Bewährung verurteilt. Die 40-Jährige, einst zuständig für Flüchtlingsunterkünfte, hatte auf Staatskosten für sich selbst eingekauft.

Auf der Richterbank im Schwurgerichtssaal im Schwurgerichtssaal liegt ein Richterhammer aus Holz.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Wären in ihrem Warenkorb nicht seltsame Dinge gelandet - wie ein Waffelautomat und Luftballons - wäre man der Angestellten nicht so schnell auf die Spur gekommen. Der Vorgesetzte stolperte über ein Lichtband: "Da war für mich offensichtlich, dass das nichts mit dienstlichen Belangen zu tun hat."

Das Landratsamt prüfte alle Rechnungen. In der Anklage von Staatsanwältin Carina Särve blieben sechs Einkäufe für 2850 Euro übrig: Von Mai bis Juli 2017 hatte die 40-Jährige in einem Möbelmarkt für sich selbst eingekauft. Sie legte ihren Dienstausweis und eine Vollmacht vor, die ihr der Vorgesetzte eine Woche zuvor ausgestellt hatte. Sie hatte ihn überzeugt, dass es sinnvoll sei, wenn außer den Hausmeistern auch sie als Verwalterin der dezentralen Unterkünfte einkaufen könnte. "Sie haben sich den Brief geholt - und haben sofort losgelegt", warf ihr die Staatsanwältin "planvolles Vorgehen" vor.

Unter Bewährung

Die 40-Jährige stand unter laufender Bewährung. 2015 war sie vom Amtsgericht zu sieben Monaten Haft verurteilt worden, weil sie bei ihrem vorherigen Arbeitgeber drei Mal Geld unterschlagen hatte: Sie hatte demnach die Tageseinnahmen eines Schnellrestaurants, insgesamt 10.000 Euro, nicht in die "Safebag" gesteckt. Die Taten bestreitet sie bis heute.

Die Untreue gegenüber dem Landratsamt gab die 40-Jährige zu. Unter Tränen sprach sie vom "größten Fehler meines Lebens". Sie könne sich nicht erklären, was sie dazu bewogen habe. Ein Todesfall im Freundeskreis habe sie "aus der Bahn geworfen". Die Angestellte kaufte im Prinzip alles, was ein Hausstand braucht: Bettwäsche, Regal, Teppich, Kissen, Besteck, Wok-Pfanne, Handtücher - und eben die auffallenden Artikel, die für eine private Party bestimmt waren. Ein Teil war für ihre Wohnung. Anderen Hausrat habe sie in der Garage deponiert oder verschenkt. "Ich habe diese Dinge gar nicht gebraucht." Die Rechnungen wurden aus dem Staatshaushalt bezahlt.

Sie kündigte an, den Schaden begleichen zu wollen. Aktuell arbeitet sie an zwei Arbeitsstellen mehr als Vollzeit. Sie wolle sich auch psychologische Hilfe holen, die ersten Termine seien vereinbart. Die Familie stünde hinter ihr. Anwalt Thomas Bäumler appellierte: "Ich bitte das Gericht, ihr das Leben nicht zu verbauen." Der Verteidiger plädierte auf neun Monate Haft, zur Bewährung ausgesetzt. Staatsanwältin Carina Särve forderte elf Monate - ohne.

Berufung möglich

Richter Hubert Windisch sah keine Möglichkeit zur Bewährung: "Sonst bräuchte keiner mehr die Konsequenzen seiner Tat fürchten." Und: "Nicht ich verbaue Ihren Lebensweg. Sie haben sich den selbst verbaut, indem Sie 2017 da weitergemacht haben, wo sie 2015 aufgehört haben." Beim neuen Arbeitgeber - dem Landratsamt - habe die 40-Jährige das gleiche Delikt mit der gleichen Systematik begangen und eine Vertrauensstellung ausgenutzt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Bäumler geht davon aus, "dass wir Rechtsmittel einlegen werden". Berufung zum Landgericht Weiden ist möglich.

Nicht ich verbaue Ihren Lebensweg. Sie haben sich den selbst verbaut.Richter Hubert Windisch

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