09.11.2017 - 17:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Münchner (42) deckt sich am "Asia Dragon Bazar" in Cheb mit Rauschmitteln ein Sexpartys mit Crystal

Ein ungewöhnlicher Drogen-Fall wird vor der 1. großen Strafkammer am Landgericht Weiden verhandelt. Vor Gericht steht ein 42-Jähriger aus der Homosexuellen-Szene in München. Er entlohnte seine schwulen "Escorts" mit Crystal aus Cheb: "Ich wollte Crystal und ich wollte Sex." Den Tipp für den günstigen Einkauf auf dem Asiamarkt bekam er auf einer Sexparty in der Landeshauptstadt.

Es ist kein Geheimnis, dass es hier neben Gartenzwergen und "Gucchi"-Taschen auch Crystal zu kaufen gibt, Die Geschäfte auf dem Dragon Bazar laufen nach dem Brand wieder. Ohnehin wurde beim Feuer vom Montag nur ein kleiner Teil der Stände zerstört. Bild: Norbert Grüner
von Christine Ascherl Kontakt Profil

"Man hat mir gesagt: Laufe einfach in den Markt hinein, dann kommen die Verkäufer schon." Gesagt, getan. Der 42-Jährige nahm den Zug von München über Pilsen nach Eger, ab dort ein Taxi zum "Dragon Bazar". Und tatsächlich: "Das ist ganz einfach." In kürzester Zeit seien "fünf Jungs" an seiner Seite gelaufen und hätten für ihren Stoff geworben: "Crystal, Crystal, kaufen, kaufen." An einem Stand mit Spielzeugen und Kopfhörern wurden ihm die gewünschten 100 Gramm abgewogen und eingetütet. Er zahlte 2000 Euro.

Den Beamten der Bundespolizei aus Waldsassen ist es kein Trost, dass eben dieser "Dragon Bazar" in der Nacht zum Dienstag teilweise abgebrannt ist. "Das Problem verschwindet damit nicht." Die Streife hatte den Münchener im Mai 2017 nahe des ehemaligen Grenzübergangs aus dem Verkehr gezogen. Er saß in einem tschechischen Taxi, das ihn nach dem Einkauf zum Bahnhof Schwandorf bringen sollte. Der 42-Jährige hatte 100 Gramm Crystal in der Unterhose. Er gab unumwunden eine weitere Einfuhr im November 2016 mit 50 Gramm Menge zu.

Lohn für Sex-Dates

Die 150 Gramm seien fast komplett für den Eigenbedarf gewesen. Gedealt habe er nicht. "Ich habe Escorts", erklärt er dagegen: "Ein Sexdate für eine Stunde kostet zwischen 80 und 200 Euro. Ich habe mit Crystal bezahlt." Kontakt zu den Männern bekam er über Dating-Apps.

Der 42-Jährige hatte Crystal erst geraucht, dann geschnupft. Seit 2014 hing er an der Nadel und spritzte sich bis zu ein Gramm täglich. "Man kriegt Depressionen." Die Haarprobe bestätigt laut forensischem Toxikologen "intensiven Metamphetamin-Konsum". Die Wohnung in München war ein "Saustall", beschreibt ein junger Polizist unverblümt. Bei der Durchsuchung lagen blutige Spritzen herum. "Man konnte auf dem normalen Boden gar nicht gehen, ist nur über Müll und Matratzen gestiegen." Der psychische Zustand des Mannes zu Beginn der Haft wird als "wahnhaft-querulatorisch" beschrieben.

"Dieser Mensch ist schwer suchtkrank, absolut behandlungsbedürftig", attestiert Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder. Seit einem halben Jahr ist der 42-Jährige clean. Er sagt selbst: "Das ist die einzige gute Sache in der JVA: Ich nehme seit sechs Monaten keine Drogen mehr." Er kompensiere den Entzug mit Zigaretten, Schokolade und Yoga in der Zelle. "Ich singe und zeichne." Aktuell habe er "keine Lust mehr auf Spritzen": "Ich weiß aber nicht, was passiert, wenn ich jetzt rausgehe."

Die Voraussetzungen für die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sind allesamt gegeben. Das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold verurteilt den 42-Jährigen zu 4 Jahren und 9 Monaten Haft, ordnet aber den Maßregelvollzug an. In der Praxis bleibt der Münchner damit noch eine Woche im Gefängnis (die U-Haft wird angerechnet), dann tritt er eine zweijährige Therapie in der Forensik in Regensburg an. Wird er rückfällig, muss er hinter Gitter. Er hat bisher eine (fast) weiße Weste: Nur eine Geldstrafe wegen des Besitzes von Marihuana-Keksen und eines Wurfsterns belastet sein Bundeszentralregister.

99 Tütchen und Waagen

Staatsanwältin Carina Särve forderte 5,5 Jahre Haft. Sie ist überzeugt, dass der 42-Jährige auch gedealt hat. Hinweise darauf seien 99 Druckverschlusstütchen und drei Feinwaagen in seiner Wohnung. "Er hatte einen teuren Lebensstil mit seinem Sex und seinen Drogen." Verteidiger Franz Schlama regte 4 Jahre an, das Geständnis müsse berücksichtigt werden. Aus Sicht des Gerichts kann der Handel nicht nachgewiesen werden, übrig bleibt die Einfuhr.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp