Mut-Tour 2017
Mit Tandem gegen Stigmatisierung

Depression ist behandelbar und sollte nicht stigmatisiert werden: Das ist die Botschaft der ehrenamtlichen Radfahrer, die am Unteren Markt Station machten. Bild: zpe

Sie spulen Kilometer um Kilometer ab. Das Ziel der Radfahrer-Gruppe, die in Weiden Zwischenstation macht, ist aber nicht in erster Linie ein Ort. Sondern ein besserer gesellschaftlicher Umgang mit Depression.

Reisen mit Botschaft: Bereits seit 10. Juli und noch bis diesen Freitag sind Menschen mit und ohne Depression in Sechser-Teams durch ganz Deutschland unterwegs. Die Teilnehmer setzen sich nicht zuletzt für den offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen ein. "Mut-Tour" heißt das Ganze. Zwei Tandemteams, eine Wander- und eine Kajak-Mannschaft legen dabei 3270 Kilometer zurück. Am Montag erreichte eine der Tandemgruppen, die von Regensburg nach Leipzig radelt, die Max-Reger-Stadt als Zwischenstation der auf Tagesetappe nach Wiesau, wo das Sextett campierte. Die Reise soll möglichst kostengünstig sein, weil alle Radler ehrenamtlich unterwegs sind.

Am Samstag treffen sich die Teams in Leipzig zum Deutschen Patientenkongress Depression. Den Mitwirkenden geht es vor allem darum, den Umgang mit der Krankheit öffentlich zu machen und alte Stigmatisierungen aufzubrechen. Aus diesem Grund hält sich beim Gruppenfoto vor dem Brunnen am Unteren Markt auch einer der Teilnehmer einen Smiley vors Gesicht. Damit will die Gruppe all diejenigen repräsentieren, die es sich nicht erlauben können, ihre Depressionen öffentlich zu machen, weil sie berufliche Benachteiligungen oder Mobbing befürchten müssen. Der Smiley diene als Repräsentant für die anderen, hieß es.

Die "Mut-Tour" gibt es seit 2012. Die Gruppe, die durch Weiden radelte, setzt sich aus Claudia Richter (Heidelberg), Sarina Krebs (Leipzig), Lukas König (Marburg), Markus Schmidt (Memmingen), Nora Berger (Konstanz) und Christopher Strauß (Hamburg) zusammen.

Bis 2016 haben 126 Menschen mit und ohne Depressionen mehr als 22 000 Kilometer zurückgelegt. Die 45 neuen und alten Teilnehmer der diesjährigen "Mut-Tour" sollen erleben, wie Sport ohne Leistungsdruck in Kombination mit Struktur, Natur und Gemeinschaft die Stimmung heben kann. Die Teilnehmer nehmen das Wort Depression offen in den Mund und wollen ihren unverkrampften Umgang mit der Erkrankung nach außen tragen. Damit möchten sie Ängste und auch Vorurteile abbauen.

Und: Der Name ist Programm. Mutige Teilnehmer möchten anderen Menschen Mut machen. Die Perspektive, so hieß es, sei, einmal in einer Gesellschaft zu leben, in der sowohl betroffene als auch nicht betroffene Personen angst- und schamfrei mit psychischen Erkrankungen umgehen können.

Hilfe bei DepressionErste Anlaufstellen bei Depressionserkrankungen sind Hausarzt, Psychiater oder Psychotherapeut. Vor allem aber auch psychologische Beratungsstellen sowie sozialpsychiatrische Dienste und Lebensberatungsstellen. Bei akuter Suizidgefährdung sollte die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses oder die zuständige psychiatrische Klinik aufgesucht werden. Eine Einweisung ist nicht zwingend erforderlich. In Weiden gibt es die Beratungsstelle für seelische Gesundheit in der Bismarckstraße 21 (Telefon 0961/389050) und die "Oase - Tagesstätte für psychisch kranke und psychisch behinderte Menschen" in der Hochstraße 5 a (Telefon 0961/4161352). (zpe)
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