09.03.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Brand in Schirmitz: Almesbach-Chef erklärt, was in einem Haufen vor sich geht Mist mit Potenzial

In Schirmitz hat sich ein Misthaufen wohl selbst entzündet. So kurios das klingen mag, es ist nicht der erste Fall in der Region - und ein Grund, sich solche Haufen einmal näher anzusehen. Denn auch in etwas scheinbar Stinknormalem wie Mist steckt viel Potenzial.

von Franz Kurz Kontakt Profil

Gut, der Geruch mag nicht zu seinen Stärken gehören. Aber simpler Mist hat durchaus einige Vorzüge, wie sie in Almesbach wissen. Das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung hat nicht nur 150 Kühe, sondern auch eine Biogasanlage. Dort landen die Hinterlassenschaften der Tiere, vermengt mit Stroh. Die gewonnene Energie daraus entspricht 600 Litern Heizöl. Pro Tag, wohlgemerkt.

Zentrumsleiter Helmut Konrad nennt diese Zahl, wenn er erklären soll, welch Potenzial in einem Misthaufen steckt. Dass dieses Potenzial auch zerstörerisch sein kann, hat sich am Montag in Schirmitz gezeigt (wir berichteten). Dort brannte der Misthaufen hinter einem Gartenhäuschen, in dem Vögel untergebracht waren. Wahrscheinliche Ursache laut Polizei: Selbstentzündung.

Das Ganze mag kurios klingen, ein Einzelfall ist es aber nicht. Der Neustädter Kreisbrandrat Richard Meier kann sich an einen weiteren selbst entzündeten Misthaufen vor ein paar Jahren in Hagendorf erinnern. Häufig kommt so etwas aber nicht vor. Jedenfalls sind weder ihm noch Landwirtschaftsdirektor Konrad weitere Fälle bekannt.

Dafür kann Konrad die Ursachen solcher Brände erklären. Sie liegen im Innenleben eines Haufens: Feuer braucht zunächst etwas Brennbares, wovon es dort genug gibt. Ist es obendrein nicht zu feucht und kommt Sauerstoff hinzu, fehlt nur noch Wärme. Für die sorgen Mikroben: Sie zersetzen organisches Material und setzen dabei Hitze frei. Kann die nicht entweichen, steigt die Temperatur im ungünstigen Fall irgendwann bis zu dem Punkt, an dem es zu brennen beginnt.

Die Mikrobe freut's

Wärme durch die Zersetzung kann umgekehrt auch gute Seiten haben. Gartler zum Beispiel machen aus dem Kot eine Tugend. Konrad verweist auf das Mistbeet, dank dessen erhöhter Temperaturen sich schon früh im Jahr Gemüse anbauen lässt. Hier wird gern frischer Pferdemist unter die Erde gelegt. Der habe den Vorteil, dass Pferde - anders als beispielsweise Kühe - keine Wiederkäuer sind, wie Konrad erläutert. Pferde verdauten weniger effizient, weshalb mehr Nährstoffe in ihren Hinterlassenschaften bleiben. Die Mikrobe freut's: Es gibt mehr zu zersetzen und damit mehr Wärme. Pferdemist sei also "die bessere Heizung".

Wobei die Zersetzung natürlich nicht das alleinige Privileg des Mists ist. "Jedes Naturprodukt, das eingelagert ist, fermentiert nach", erklärt Konrad. Deshalb ist ja Kompost mitunter wärmer als die Umgebung. Theoretisch, sagt Konrad, könnte daher auch ein Komposthaufen sogar große Hitze entwickeln. Praktisch ist das Risiko aber gering. Denn die Mengen, die hier nachgeschüttet werden, seien schlicht zu klein, und die Wärme verschwindet über die vergleichsweise große Oberfläche. Allenfalls eine große Fuhre Laub oder Ähnliches hätte das Potenzial, mehr zu bewirken. Oder die Zugabe anderer Stoffe: Kreisbrandrat Meier berichtet, ab und zu brennt durchaus ein Kompost, meistens nachdem jemand ungelöschten Kalk darauf geschüttet hat.

Ein gewisses Risiko bestehe auch bei größeren und nicht ausreichend getrockneten Heuhaufen, erklärt Konrad. Bakterien fänden darin ein ideales Milieu und begännen munter mit der Zersetzung. Wenn Bauern Heu einlagern, seien sie deshalb ja auch verpflichtet, in den ersten 14 Tagen nach der Ernte die Temperatur innerhalb des Haufens zu kontrollieren. Dass ein Heuhaufen brennt, sei aber nur "sehr selten der Fall" - und vor allem seltener als früher.

Denn zum einen bevorzugten Landwirte heute die Silage. Zum anderen brauche es zur Heuernte drei trockene Tage hintereinander. Die gebe es heute recht häufig, sagt Konrad. Früher seien dagegen seltener drei trockene Tage aufeinander gefolgt. Obendrein werde Heu heute häufig zu Ballen gepresst, bei denen eine Selbstentzündung ausgeschlossen sei.

"Auf der Roten Liste"

Neuere Entwicklungen sind auch der Grund, warum zu den - ohnehin sehr seltenen - Misthaufenbränden nicht allzu viele hinzukommen dürften: Statt auf Haufen zu landen, werde landwirtschaftlicher Mist inzwischen fast ausschließlich als Gülle gelagert oder komme eben in Biogasanlagen, sagt Konrad. Der klassische Misthaufen, schiebt der Landwirtschaftsdirektor lachend nach, stehe deshalb eh schon "auf der Roten Liste". Eine Nachricht, die zumindest die Schirmitzer Feuerwehr freuen wird.

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