02.01.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Verpuffung in der Silvesternacht: 50-Jährige außer Lebensgefahr

Die Tante (50) ist außer Lebensgefahr. Ihr Neffe (22), der durch die Stichflamme in der Silvesternacht ebenfalls schwerstverletzt wurde, befindet sich zur Behandlung in einem Nürnberger Klinikum. "Die meiste Zeit ist er ins Koma versetzt, wegen der starken Schmerzen", berichtet seine Cousine (27).

Vier Notärzte, zwei Rettungshubschrauber und mehr als zehn Rettungskräfte waren bei dem Einsatz in der Silvesternacht vor Ort. So konnten die beiden Schwerverletzten schnell nach München bzw. Nürnberg transportiert werden. Bild: Gustl Beer
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Die junge Frau lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern ein Stockwerk über ihrer Tante, bei der am Silvesterabend das gemütliche Fondue geplant war. Als die Tante (53) Brennspiritus nachfüllen wollte, kam es zu einer explosionsartigen Verpuffung, wodurch letztlich zwei Personen schwer, zwei weitere leicht verletzt wurden (wir berichteten). Dass das Feuer keinen größeren Schaden angerichtet hat, dürfte vor allem dem schnellen Eingreifen ihres Mannes zu verdanken sein.

"Drei Buscher"

"Wir haben gerade gegessen, da gab es drei Buscher", erzählt die 27-Jährige. "Mein Mann dachte erst, es sind Böllerschüsse. Da hat meine Cousine schon geschrien." Geistesgegenwärtig schnappte ihr Mann sich einen Eimer Wasser - "der stand da, weil das Wasser von unserem defekten Kondenstrockner da rein läuft" - rannte nach unten und löschte die brennende Sitzbank.

"Wir haben das Gesicht meiner Mutter gekühlt, die von den Flammen am Auge erwischt wurde." Ihr Cousin (22), der schwerste Verbrennungen vor allem am Oberkörper erlitten hatte, war geistesgegenwärtig unter die Dusche gesprungen, kam dann aber wieder raus. "Ich hab ihn wieder zurückgeschickt", erinnert sich der Ehemann (24) der Cousine.Die schwangere Tochter (22) der Gastgeberin wurde vorsorglich zur Untersuchung ins Weidener Klinikum eingeliefert. Sie hat nach Angaben ihrer Cousine nur eine leichte Verletzung am Fuß erlitten und ist längst wieder zu Hause. Ebenso wie die Gastgeberin selbst, die nach der Verpuffung durch die Glastüre der Küche gerannt war und dabei Schnittverletzungen erlitten hatte.

"Es war anscheinend ein reiner Anwendungsfehler", erklärt Polizeipressesprecher Mario Schieder am Dienstag zur Ursache der Verpuffung. "Die Gastgeberin dachte, alles wäre schon erloschen, als sie Brennspiritus in den Heizbehälter nachfüllen wollte." Dazu sei eine Verkettung von unglücklichen Umständen gekommen, wenn man bedenke, dass die Frau während der Verpuffung ganz nahe neben der Zimmertür mit Glaseinsatz gestanden sei.

Feuer war schon gelöscht

Für die Feuerwehr gab es dank der schnellen Reaktion des 24-jährigen nicht mehr viel zu tun, räumt Stadtbrandrat Richard Schieder ein. "Das Feuer war bereits aus, als wir ankamen. Wir haben nur noch die Wohnung belüftet und kontrolliert, ob es noch Glutnester gibt. Und wir haben den Landeplatz mit ausgeleuchtet, weil beide Hubschrauber zeitgleich gelandet sind."

Die Nichte der Gastgeberin ist außerdem froh, dass sie ihrem knapp vierjährigen Sohn nicht nachgegeben hat. "Der wollte eine halbe Stunde vor dem Unglück ins Erdgeschoss", erinnert sich die 27-Jährige. "Er hat immer gesagt: Meine Oma, meine Oma. Als hätte er's gerochen."

Rettungshubschrauber nutzen Behelfslandeplatz

Die zwei Rettungshubschrauber konnten glücklicherweise auf dem Behelfslandeplatz bei der SpVgg landen, nicht weit entfernt vom Wohnhaus der Gastgeberin. "Eine Dreiviertelstunde hat es gedauert, bis ein freies Bett gefunden war und der Hubschrauber endlich los ist", erzählt die Nichte (27). Wegen der Augenverletzung ihrer Mutter sei die Wahl auf die Klinik in München-Bogenhausen gefallen. Der zweite Rettungshubschrauber brachte ihren Cousin nach Nürnberg.

Was den Angehörigen wie eine kleine Ewigkeit vorkommt, ist für die Rettungskräfte sehr gut gelaufen. "Schon bei der ersten Meldung hieß es ,Explosion und Verbrennungen im Gesicht'. Da war absehbar, dass wir eine Spezialklinik brauchen", sagt Herbert Putzer, Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS). Die Rettungskräfte vor Ort hätten bestätigt, dass sogenannte Verbrennungsbetten nötig sind. Also habe die ILS alles Nötige in die Wege geleitet. In München und Nürnberg war jeweils ein Bett frei. Die Rettungshubschrauber, aus Nürnberg und Regensburg angedüst, machten sich auf den Weg.

Der in Latsch stationierte Rettungshubschrauber kam nicht in Frage, weil für ihn keine Nachtfluggenehmigung existiert. Das dürfte zum einen Kostengründe haben, vermutet Putzer. Zum anderen sei die Notwendigkeit nicht so gegeben, weil es in der Region nicht so viele nächtliche Einsätze gebe. Dazu komme: "Eine Primärrettung mit dem Hubschrauber ist nachts oft kompliziert wegen der schwierigen Landeverhältnisse."

Insofern sei die Situation in der Silvesternacht in Weiden optimal gewesen. "Der Behelfslandeplatz ist ganz nahe bei dem Haus." Mit dem Hubschrauber konnten die schwer verletzten Patienten wesentlich schneller und schonender transportiert werden. Putzer: "Da sind sie in einer Stunde in München und in 25 Minuten in Nürnberg." (ps)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Damit Ihr nichts Wichtiges verpasst, könnt ihr unsere Push-Nachrichten nun auch im Facebook Messenger empfangen. Ihr müsst nur im Widget oben auf "Facebook Messenger" klicken und den Anweisungen folgen.

Außerdem gibt es nun zusätzlich zu unseren normalen Push-Meldungen spezielle Nachrichten-Kategorien:

Amberg, Weiden, Kreis Neustadt a.d. WN , Vohenstrauß , Tirschenreuth, Nabburg/Schwandorf, Sport , Ratgeber (u.a. Kochrezepte, Glücksrezept, etc.)

Alles was Ihr tun müsst: Meldet euch an (sofern noch nicht geschehen), schickt uns per WhatsApp oder Facebook Messenger das Wort "Kategorie". Ihr bekommt dann einen Link, über den Ihr die einzelnen Kanäle hinzubuchen oder abwählen könnt.

Wenn Ihr später weitere Kategorien hinzubuchen oder andere abwählen wollt: Schickt uns einfach erneut das Wort "Kategorie". 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.