11.08.2017 - 20:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Vorfällen in Zeltlager: Zwei Jahre auf Bewährung Missbrauch: Höhere Strafe statt Freispruch

Ein Mann wehrt sich vor Gericht gegen seine Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs. Erfolg hat er mit seiner Berufung allerdings nicht. Im Gegenteil.

von Autor hczProfil

(rns) Mit zwei Jahren auf Bewährung kam der 29-Jährige noch vergleichsweise glimpflich davon, der gegen seine Verurteilung durch das Amtsgericht Berufung eingelegt hatte. Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Hans- Jürgen Schnappauf hatte eine Strafe "ohne" gefordert.

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und sexueller Nötigung hatte Jugendrichter Otmar Schmid den Weidener im April zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt (wir berichteten). Im Zeltlager einer Wasserrettungsorganisation hatte der Ledige, der als Jugendleiter fungiert hatte, im Juli letzten Jahres eine damals Elfjährige beim Tollen auf einer Badeinsel im Gaisweiher unsittlich angefasst. Später zog er das Mädchen gegen ihren Willen auf seinen Schoß. Tags darauf, obwohl sich das Mädchen schon über ihn bei einer Gruppenleiterin beschwert hatte, fasste der Mann sie noch einmal an.

Nach langwieriger und schwieriger Beweisaufnahme am Donnerstag und Freitag in der Berufung waren auch die Richter Reinhold Ströhle und Thomas Hys sowie die beiden Schöffen zur Überzeugung gekommen, dass keine "vernünftigen Zweifel" an der Wahrheit der Beschuldigungen durch die nun Zwölfjährige bestünden. Staatsanwalt Schnappauf verwies am Anfang seines Plädoyers darauf, dass der Schuldnachweis bei Sexualdelikten meist schwer zu führen sei, da "nur zwei Personen die Wahrheit" kennen würden. Auch würden Zeuginnen im Teenageralter gerne zum Aufbauschen neigen.

Bei diesem Verfahren sei man jedoch in der glücklichen Lage gewesen, dass objektive Beweise und Aussagen von Zeugen vorlägen. Letztere hätten von mehrfachem unangemessenen Verhalten des Angeklagten berichtet, von ähnlichen Vorfällen schon früher und von Behauptungen, die von schlechtem Gewissen zeugten, als er mit den Vorwürfen konfrontiert worden war. Das Anfassen des Kindes und das gewaltsame Ziehen auf den Schoß in eine Geschlechtsverkehr-ähnliche Stellung könnten nicht bagatellisiert werden, so Schnappauf. Er kreidete dem Angeklagten zudem eine Vorstrafe wegen Diebstahls an, und dass er versucht habe, zwei Zeuginnen vor ihren Aussagen zu beeinflussen.

Rechtsanwalt Dominic Kriegel wies auf Widersprüche und Unstimmigkeiten in den Aussagen der Hauptbelastungszeugin hin, die von Rechtsanwalt Tobias Konze begleitet wurde. Sie habe einen "banalen Sachverhalt dramatisiert". Manches sei ihr suggestiv in den Mund gelegt worden und manches habe sie einfach erfunden. Kriegel forderte, die Verurteilung durch das Jugendschöffengericht aufzuheben und seinen Mandanten freizusprechen.

Nach langer Beratung verkündete Vorsitzender Richter Ströhle das Urteil. Die drei in der ersten Instanz mit den Mindeststrafen belegten Taten müssten geringfügig höher geahndet werden. So ergab sich die ein halbes Jahr höhere Gesamtstrafe. Bei Bewährung könne man es aber belassen, da der Verurteilte sozial integriert sei und voraussichtlich nicht mehr straffällig werde.

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