23.07.2017 - 11:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nachbarn holten die Polizei, weil Maden durch die Decke kamen Wochenlang tot in der Wohnung in Weiden

Schock im Geierweg im Stadtteil Hammerweg: Ein Bewohner (45) eines Mehrfamilienhauses lag wochenlang tot in seiner Wohnung. Die Nachbarn holten am Dienstag die Polizei, weil Maden durch die Decke kamen und der Geruch unerträglich wurde.

Die Tür bleibt vorerst versiegelt. Die Kriminalpolizei Weiden hat die Ermittlungen übernommen. Bild: ca
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Polizeibeamte öffneten gegen 16.20 Uhr die Wohnung im Geierweg im Ortsteil Hammerweg und fanden „eine stark verweste Person“, wie Kriminaloberkommissar Dietmar Winterberg vom Polizeipräsidium Oberpfalz bestätigt. Inzwischen ist die Obduktion im Institut für Rechtsmedizin in Erlangen erfolgt. Die Person gilt als "nicht gänzlich identifiziert", auch wenn davon auszugehen ist, dass es sich um den Mieter (Jahrgang 1971) handelt. Der Verwesungszustand sei soweit fortgeschritten, dass auch die Todesursache nicht festgestellt werden kann.

Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer spricht von einer Liegezeit von "einigen wenigen Wochen". Der 30. Juni ist der letzte gesicherte Tag, an dem der alleinstehende Mann noch gelebt hat. Der Verstorbene war letzten Herbst eingezogen und lebte nach Auskunft seiner Nachbarn sehr zurückgezogen. Sein Postfach leerte er oft über viele Tage nicht aus. Den Nachbarn blieb damit auch nicht verborgen, dass der Mann in großer Zahl Bewerbungsunterlagen zurückbekam.

DNA-Abgleich

Die Staatsanwaltschaft Weiden hat weitere Untersuchungen angeordnet. Zum einen soll ein DNA-Abgleich die Identität zweifelsfrei klären. Zum Zweiten erfolgt eine chemisch-toxikologische Untersuchung von Feingewebe. Davon erwartet man sich Aufschlüsse über die Todesursache. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es laut Leitendem Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer bislang nicht.

Das Problem: Solange diese Fragen nicht geklärt sind, bleibt die Wohnung versiegelt. Das steht einer Reinigung und Desinfektion im Weg. Die Leiche war aufgrund der langen Liegezeit von Insekten befallen. Inzwischen bahnen sich diese ihren Weg durch das 50er-Jahre-Haus. Im Treppenhaus liegen tote Schmeißfliegen. Beim Mieter in der direkt darunter liegenden Wohnung „regnet“ es Maden auf Bett und Couch. Maik S. vermutet, dass sie durch Bohrlöcher der Lampen kommen. Er hat mit seiner Partnerin noch nachts gepackt und ist zu den Schwiegereltern gezogen.

Nachbarin Nicole S. wohnt ebenfalls im ersten Stock, schräg unter der Wohnung des Verstorbenen. Sie hatte eigentlich bleiben wollen, weil sie Katzen zu versorgen hat. Die 27-Jährige wohnt seit sieben Jahren hier. Die Erzieherin war am Mittwochabend schon auf dem Weg ins Bett, als sie darin kleine Würmer entdeckte: „Da waren diese Viecher drin. Da war’s vorbei.“ Die Erzieherin warf das Nötigste in eine Tasche und quartierte sich bei ihrem Vater ein. Sie sucht händeringend eine neue Wohnung. Von heute auf morgen. Zurück will sie nicht. Sie hat sich anwaltlichen Rat eingeholt und fristlos gekündigt.

Keine Hilfe vom Vermieter

Der Vermieter ist ein privater Investor aus dem Landkreis Schwandorf. Die Immobilien GbR hat das Fünf-Parteien-Haus 2015 von der Simultanen Hospitalstiftung, verwaltet durch die Stadt Weiden, gekauft. Die Mieter vermissen Unterstützung von Seiten des Vermieters, da ihre Wohnungen praktisch nicht mehr bewohnbar und sie ohne Obdach sind. Auf NT-Nachfrage heißt es aus dem Unternehmen, dass man sich nicht über Anweisungen der Staatsanwaltschaft hinwegsetzen könne: „Das liegt nicht in meinen Händen.“

Leitender Oberstaatsanwalt Schäfer bestätigte am Donnerstag, dass die Wohnung versperrt bleiben müsse, bis die Ergebnisse aus Erlangen vorliegen. „Stellen Sie sich vor, es ergäbe sich ein Fremdverschulden – und wir hätten den Tatort schon gereinigt.“ Schäfer geht aber davon aus, dass die Entsiegelung bald erfolgt.

Ein Vertreter des Gesundheitsamtes sah sich die Situation am Mittwoch vor Ort an. Eine Infektionsgefahr bestehe nicht, so Leiter Dr. Thomas Holtmeier. Es gäbe für solche Fälle Fachfirmen zur Schädlingsbekämpfung, die Bestattern bekannt sind.

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