05.10.2017 - 20:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neubau der Realschulen aus politischem Kalkül abgelehnt? Stadtrat geht ins Risiko Sanierung

Die wirtschaftlichste Lösung, nämlich ein Neubau der Realschulen, ist vom Tisch. Es kommt zur Minimallösung. CSU und Bürgerliste setzen sich mit ihrer Sanierung in Klein-Klein durch.

Begeisterung sieht anders aus: Lehrer der Realschulen verfolgen die Diskussion um den Neubau. Michael Meier, Leiter der Hans-Scholl-Realschule (hinten, Zweiter von rechts), mag gar nicht mehr hinsehen. Bild: Wieder
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Vergeblich sind in der Sondersitzung des Stadtrats am Mittwochabend die Warnungen der Gutachter, dass bei Sanierungen immer wieder kostenintensive Zusatzarbeiten anfallen. Die Stadt wäre auf Jahre durch ein Schulprojekt finanziell gebunden, befürchtet die CSU. Wo blieben dann Albert-Schweitzer-, Berufsschule oder Pestalozzi-Schule? Auch neu bauen? Womit? Fraktionschef Wolfgang Pausch, Markus Bäumler und Karlheinz Beer beklagen zudem, dass die Gutachter viele Fragen unbeantwortet ließen. Und sie erinnern an den Masterplan Schulsanierung, der - bisher nur Worthülse - darauf wartet, endlich umgesetzt zu werden.

CSU pro Instandhaltung

Die Gebäude der Realschulen brechen keineswegs zusammen. Die Gutachten bestätigen die langfristige Standfestigkeit. Für die nächsten 15 Jahre müsse man mit einer "hochwertigen Instandhaltung" über die Runde kommen. "Bisher haben wir es uns zu leicht gemacht, uns um die Realschulen herumgemogelt", gesteht Pausch. Karlheinz Beer vermisst die Nachhaltigkeit: Mache es Sinn, eine sanierungsfähige, taugliche Schule abzureißen und damit "graue Energie" zu vernichten, nur um sie dann mit gleicher Funktion wieder aufzubauen? In den Naabwiesen stecke "gigantisches Entwicklungspotenzial". Allein, es fehle ein Gesamtkonzept. Anstelle der nutzlosen Gutachten hätte man planen und in der Schule einiges verbessern können.

Mit ihrem Antrag zur Sanierung der Realschulen habe die CSU einst den Stein ins Rollen gebracht, betont zunächst OB Kurt Seggewiß. "Aber jetzt kommen wir zu anderen Ergebnissen. Die Kostenkalkulation zeigt, dass ein Neubau deutlich günstiger ist." Der "Zwischenweg" der CSU über einen "hochwertigen Bauunterhalt" werde nicht gefördert. Eine Sanierung während des Schulbetriebs sei "die Hölle für Schüler und Lehrer", warnt Seggewiß.

Viele Schwächen in den "Gutachten aus der Ferne" entdeckt Christian Deglmann, Fraktionssprecher der Bürgerliste. Drei der fünf Gutachter seien nie vor Ort gewesen. Nicht nachvollziehbar sei, warum der Sporttrakt saniert, die Schule aber neu gebaut werde. "Niemand saniert seine Garage, wenn er das Haus neu bauen will." Die Realschulen könnte wesentlich günstiger für die nächsten 25 Jahre fit gemacht werden. Kollege Rainer Sindersberger verweist auf die vielen Schulen, die ebenfalls zu sanieren sind. "Da rollt was auf uns zu. Wir müssen alle bedienen."

Die angegebenen Sanierungskosten gingen von einem "Totalschaden" aus, resümiert Stefan Rank, ebenfalls Bürgerliste. Die Diskussion habe sich immer mehr ausgewachsen. Eine Sanierung sei nötig. Es ließen sich Bauabschnitte bilden. Ein Neubau jedenfalls sei nicht wirtschaftlicher, stellt er klar.

"Kleckerles-Reparaturen"

Die CSU gehe "zurück ins Nichts", kritisiert SPD-Fraktionschef Roland Richter. "Mit 150 000 Euro pro Jahr lösen wir keine Probleme." Selbst wenn künftig jährlich eine Million Euro in die Sanierung fließe, werde damit zu wenig verbessert, jedoch jedes Jahr der Schulbetrieb gestört und der Haushalt belastet. "In zehn Jahren hätten wir zehn Millionen verbaut, aber immer noch eine alte Schule." Richter erwartet "ein Bekenntnis zum Neubau und damit zur Stadt und zur Schule". Matthias Holl (SPD) wirft der CSU vor, eine "Feigenblatt-Diskussion" zu führen. Der hohe Sanierungsbedarf sei unbestritten. "Kleckerles-Reparaturen" reichten nicht aus. Die CSU schreibe den Status quo fest. Mit einer Miniatur-Sanierung, wie von der CSU vorgesehen, sei es nicht getan, unterstreicht Alois Schinabeck (SPD). In der Schule bestehe "dringender Handlungsbedarf": Wobei die geforderte energetische Sanierung kaum zu bewerkstelligen sei. Die Realschulen verursachten jährlich 200 000 Euro Gaskosten. "Das Kepler kommt mit 70 000 Euro aus." Es fehlten Fachräume. Türen, Fenster, Toiletten seien zu erneuern. Josef Gebhardt (SPD) erinnert an die gute Erfahrung der Stadt mit dem Neubau von FOS/BOS.

Neubau umgehen

Für den Neubau wirbt Bürgermeister Jens Meyer (SPD). Alles andere sei ein "Abschieben der Verantwortung in die Zukunft". Auf zig Millionen Euro an Baukosten kommt Karl-Heinz Schell (SPD), als er die absehbar notwendigen Sanierungsmaßnahmen in den Realschulen taxiert. Hildegard Ziegler wirft den Kritikern vor, sie wollten - entgegen aller eindeutiger Argumente - einen Neubau "umgehen". Ziegler bringt eine neue "Süd-Erschließung" des Realschulareals ins Gespräch.

Für den Erhalt des Sportplatzes und die Sanierung spricht sich zunächst Karl Bärnklau (Grüne) aus, der eine Entscheidung auf die Stadtratssitzung am Montag vertagen möchte. Stadtentwicklung bestehe nicht aus "Zubauen, Betonieren". Mit seinem überraschend geänderten Beschlussvorschlag trägt OB Seggewiß Stunden später dieser Wortmeldung Rechnung: Der Neubau soll auf dem bisherigen Areal entstehen und der Sportplatz unangetastet bleiben. Doch auch in dieser abgeänderte Form findet der Realschulneubau mit 19:19 Stimmen keine Mehrheit.

Wer will was

SPD: Neubau für 32 Millionen Euro (7 Millionen Euro Eigenanteil der Stadt), da deutlich billiger als Generalsanierung mit 48 Millionen Euro Kosten und 12 Millionen Euro Eigenanteil der Stadt.

CSU: Weder Neubau noch Generalsanierung, sondern nur Instandsetzung mit erhöhtem Bauunterhalt. Auch die anderen Schulen sollen berücksichtigt und der Masterplan Schulsanierung endlich abgearbeitet werden.

Bürgerliste: Da die SPD den von der Bürgerliste geforderten Neubau von Schwimmhalle und Sporttrakt ablehnt, schwenkt sie auf den Kurs der CSU ein, votiert am Ende für eine Sanierung.

Grüne: Zunächst gegen einen Neubau, da Sportplatz und Grünzug beeinträchtigt werden. Nach dem Zugeständnis, dass Sportplatz und Grünzug erhalten bleiben, stimmen die Grünen mit der SPD für einen Neubau. (wd)

"Ein Politikum"

Die Entscheidung des Stadtrates, mit der ein Neubau der Realschulen abgelehnt wurde, ist für die SPD-Fraktion weiterhin nicht nachvollziehbar. "Die Ablehnung durch CSU und Bürgerliste war wohl ein Politikum", mutmaßt Fraktionschef Roland Richter am Donnerstagabend bei einem Pressegespräch. "Wir sind gespannt, wie es weitergeht." (wd) Bericht in der Samstagausgabe

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