14.09.2017 - 20:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neue Bodenrichtwertkarte für Weiden Liebhaberpreise für Immobilien

Wer in Weiden bauen will, muss tief in die Tasche greifen. Baugrund ist so teuer wie noch nie zuvor. Und glücklich ist der, der sich ein begehrtes unbebautes Grundstück sichern kann. Auch wenn er dafür inzwischen "Liebhaberpreise", und zwar 30 Prozent mehr als 2010, auf den Tisch legen muss.

Reihenmittelhäuser sind in Weiden derzeit die werthaltigsten Investitionen im Immobilienbereich. Bild: Schönberger
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

"Vielleicht waren ja auch die Lagen besonders attraktiv", mutmaßt Erhard Neudecker, als er die neue Bodenrichtwertekarte der Stadt Weiden vorstellt. Im Jahr 2011 gab's bereits ein Hoch bei den Preisen. Im Vergleich dazu stiegen die Preise wiederum nur um 20 Prozent.

Grundsätzlich beobachtet Neudecker, der als Vorsitzender des Gutachterausschusses auf eine 25-jährige Erfahrung zurückblickt, dass sich die Immobilienpreise in einer etwa siebenjährigen Wellenbewegung - mit den entsprechenden Hoch und Tiefs befinden. Insgesamt zeigt die langjährige Preistendenz natürlich nach oben. Die Anzahl der verkauften "unbebauten Grundstücke" sank in den Jahren 2015/2016 deutlich. Das Geschehen auf dem Immobilienmarkt dominieren dabei die Geschäfte mit Eigentumswohnungen.

Die neue Bodenrichtwertkarte korrigiert landläufige Meinungen über die Werthaltigkeit von Immobilien, stellt Neudecker fest. Nicht etwa frei stehende Einfamilienhäuser oder die begehrten Reiheneckhäuser weisen beim Besitzerwechsel den geringsten Wertverlust auf, sondern gut gepflegte Reihenmittelhäuser. Auch versprechen nicht nagelneue Eigentumswohnungen, die in den vergangenen Jahren oft vom Plan weg gekauft werden, die höchste langfristige Rendite, sondern die Einheiten in einer etwa vierjährigen Wohnanlage. "Die sind dann nicht mehr so teuer wie ein absoluter Neubau. Aber sie verfügen über einen gut vermietbaren Neubaustandard."

Grenzenloses Vertrauen

Immobilien stehen seit einigen Jahren im besondern Fokus von Anlegern. Dennoch sei es "mitunter überraschend", wie wenig sich "Investoren" mit ihrer Neuerwerbung auseinander gesetzt haben: So konnten einige Neueigentümer bei den detaillierten Nachfragen der Geschäftsstelle kaum belastbare Angaben machen. So war manchen weder die Etage, in der ihre Neuanschaffung liegt, noch die Ausstattung (zum Beispiel Aufzug) oder Art der Heizung bekannt.

"Bei der Anschaffung einer Waschmaschine oder eines Fernsehers prüft man drei, vier Angebote, um festzustellen, welche Qualität man für welchen Preis bekommt. Beim Kauf einer Immobilie gibt es offenbar ein tiefes Vertrauen in die Makler und Verkäufer", folgert Manuela Zenger, Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses. Den Experten fällt eine Häufung bei den 20 Jahre alten Eigentumswohnungen auf, bei denen grundlegende Reparaturen (Heizung, Fenster, Bäder) absehbar sind. Die Alteigentümer, die es sich leisten können, wollen sich verbessern, erwerben Reihenhäuser oder größere Eigentumswohnungen. Dies ist wiederum die Chance für "Aufsteiger", die sich aus der Miete heraus den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen und selbst renovieren wollen.

Zu Tode geliebt

Erstaunlich ist auch, dass sich relativ wenig über 50-jährige Eigentumswohnungen auf dem Markt finden. "Sie werden zu Tode geliebt", meint Neudecker. Oft gebe es hier einen Sanierungsstau. Die Eigentümer, inzwischen Rentner, hätten nicht mehr die Mittel für die fälligen Investitionen. Generell sind in Weiden gebrauchte Häuser um 14 Prozent, Doppel- und Reihenendhäuser sieben Prozent günstiger als im Bundesschnitt. Aber Reihenmittelhäuser liegen um zehn Prozent über dem Vergleichsindex der Normalherstellungskosten 2010.

Bei den bis vierjährigen Eigentumswohnungen mit mittlerer Ausstattung ist der Zenit von durchschnittlich 2440 Euro pro Quadratmeter (2013) offenbar überschritten: Der Quadratmeterpreis pendelte sich 2016 auf 2267 Euro ein. Aufgrund der Nachfrage steigen die Preise bei den 5- bis 15 Jährigen Wohnungen auf 2157 Euro pro Quadratmeter (zum Vergleich: 2006 kostete diese Art Wohnung noch 918 Euro pro Quadratmeter).

Wertvolle Daten gegen Bares

Die Geschäftsstelle des Gutachterausschuss hat fast 2000 Immobiliengeschäfte der Jahre 2015 und 2016 ausgewertet und die Daten für die Bodenrichtwertkarte aufbereitet. Das Zahlenwerk mit vielen Erläuterungen und Tabellen gibt Käufern und Verkäufern Hinweise auf den Marktwert einer Immobilie - vom unbebauten Grundstück bis hin zur Einfamilien- und Reihenhausbebauung sowie Eigentumswohnungen - auch abhängig von der "Restnutzungsdauer".

Der Bodenrichtwert lasse zwar Rückschlüsse zu. Er entspreche aber nicht unbedingt dem Verkehrswert einer speziellen Immobilie. "Der Verkehrswert ist der Preis, den der vernünftig handelnde Marktteilnehmer an einem bestimmten Tag bezahlt", formuliert Erhard Neudecker, der Vorsitzende des unabhängigen Gutachterausschusses bei der Stadt Weiden.

Das umfangreiche Datenmaterial ist im Internet unter www.boris-bayern.de sowie über www.weiden.de/verwaltung/stadtplanung, bestellbar. Die Grunddaten kosten dabei 25 Euro. Weitere Datenpakete 20 Euro. (wd)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp