29.11.2017 - 18:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neues Buch für Pflegekinder- und Eltern Leo und die Pflegemama

Marion Klara Mazzaglia ist Pflegemama und Tagesmutter. Die gebürtige Weidenerin hat ein Kinderbuch geschrieben: Es soll Pflegekindern und -eltern helfen, besser mit der anspruchsvollen Situation umzugehen.

Marion Klara Mazzaglia mit ihren drei Tageskindern: Zusammen lesen sie ihr Buch "Ich, Pflegekind Leo". Bild: exb
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Weiden/Regensburg. 17 Jahre ist es her, dass Marion Klara Mazzaglia das erste Mal zur Tagesmama wurde. "Meine erste Tochter kam im Jahr 2000. Ich habe parallel dazu ein Mädchen zur Tagespflege aufgenommen", erinnert sich die gebürtige Weidenerin. Als ihr zweites Kind auf die Welt kam, nahm sie wieder ein Tageskind auf. Bis vor zwei Jahren betreute die Sozialpädagogin noch fünf Kinder am Tag, aktuell kommen drei Kinder von Montag bis Donnerstag zu ihr in die Tageskindergruppe Hollerbusch in Regensburg.

Zwischen Vollzeit- und Tagespflege bestehe ein großer Unterschied, erklärt Mazzaglia. Oft käme es hier zu Missverständnissen. "Die Tageskinder haben intakte Familien. Vergleichbar ist die Betreuung mit einer Kinderkrippe, nur eben in einem familiären Rahmen." Zur Pflegemama wurde sie erst, als ihr drittes Kind ungefähr zwei Jahre alt war. "Ich war mit ihr beim Spielen in einer Krabbelgruppe." Dort sprach sie eine Mitarbeiterin des Jugendamts an: Würde sie möglicherweise ein Vollzeitpflegekind aufnehmen?

"Wir haben uns schließlich als Familie beworben und nahmen dann für ein Dreivierteljahr unser erstes Vollzeitpflegekind auf." Dieses hatte zuvor schon über zwei Jahre bei seiner leiblichen Mutter gelebt und hat die Pflegeeltern deshalb nicht mit Mama und Papa angesprochen, sondern sie beim Vornamen genannt. "Unsere eigenen Kinder riefen uns weiterhin Mama und Papa - das verwirrte das Pflegekind. Letztendlich war es wirklich schwierig, den Unterschied aufzuzeigen", bemerkt sie. "Ich bin Praktiker: Wenn es etwas nicht gibt, bastle ich es selbst." Vor neun Jahren habe sie deshalb begonnen, ihr Buch "Ich, Pflegekind Leo" zu schreiben. Bis letztes Jahr dauerte die Suche nach einem Verlag, im Oktober erschien das Buch schließlich.

Mazzaglias aktuelles Pflegekind kam gleich nach der Geburt in die Familie, die Pflegemama erinnert sich: "Abends um halb zehn bekamen mein Mann und ich einen Anruf, und am nächsten Morgen hatten wir ein Pflegebaby." Weder der Name noch ein Bild ihres inzwischen neunjährigen Vollzeitpflegekindes dürfen in der Zeitung erscheinen: Zum Schutz des Jungen. "Hier stellte sich uns die Herausforderung, dass wir ihm erklären mussten, wieso er nicht im Bauch von der Mama war." Die Pflegemama erinnert sich. "Mit Hilfe meiner Aufzeichnungen, einem lose zusammengebundenem Heft, haben wir die Situation erklärt." Und er habe das Heft immer und immer wieder lesen wollen. "Natürlich versteht ein Kind die komplexe Situation nicht von heute auf morgen." Der Prozess dauere ein, zwei Jahre, in denen immer wieder Gespräche darüber geführt werden müssten.

Auch die Vollzeitpflege unterteile sich in Lang- und Kurzzeitpflege. Je nach Bedarf könne das Kind in den Langzeitpflegefamilien auch länger bleiben. In Kurzzeitpflege komme ein Kind aus einer Notsituation heraus, die sogenannte "Bereitschaftspflege-Familie" solle nur eine Übergangsheimat sein. Gericht und Jugendamt entschieden in beiden Fällen über das Wohlergehen des Kindes. "Wir Pflegeeltern arbeiten lediglich ,an der Basis' mit und am Kind." Für viele Eltern sei der Gedanke, das Pflegekind irgendwann wieder abgeben zu müssen, unerträglich. "So darf man das aber nicht sehen. Ich selbst möchte den Kindern eine möglichst schöne Zeit ermöglichen, ihnen viel mitgeben auf ihrem Weg."

"Alle, die mich kennen, wissen: Ich habe immer Zettel und Stift dabei. Die Ideen und das Schreiben selbst sind kein Problem für mich", sagt sie. Die eigentliche Arbeit finge erst später an, wenn es um Bilder oder das Marketing gehe. Fünf Projekte liegen schon fertig geschrieben auf ihrem Schreibtisch. Zunächst erscheint im Februar aber ihr Kinderbuch über die Geburt einer Königslibelle. "Das ist in unserem Garten tatsächlich passiert und hat sowohl meine Kinder als auch mich verzaubert."

Informationen zum Buch

"Ich, Pflegekind Leo" (14,50 Euro, Best-Off-Verlag) ist ein erzählendes Bilderbuch für Kinder ab drei Jahren. Geeignet ist es nicht nur für Pflege- und Adoptivkinder, sondern auch für neugierige Jungen und Mädchen, die wissen wollen, was der Unterschied zwischen Bauchmama und Pflegemama ist. Oder, was ein Pflegekind ist. "Ich habe den Jungen in meiner Geschichte Leo genannt, weil Leo Löwe bedeutet. Ein Löwe ist groß und stark - und so soll auch das Pflegekind werden", erklärt die Autorin Marion Klara Mazzaglia. Das Buch sei in der dritten Person geschrieben, in einfachen Worten und leicht verständlichen Sätzen. "Das Kinderbuch ersetzt nicht die persönlichen Gespräche mit dem Kind, kann aber als Werkzeug sehr nützlich sein." (olr)

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