01.02.2018 - 21:22 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Neues Problem für Zollfahnder Fernbusse als Transportmittel für Drogen

Die Oberpfalz kämpft weiter mit der Drogenproblematik. Weil die Schmuggler ständig andere Transportwege finden, stehen die Zollfahnder zudem vor neuen Herausforderungen.

Der Zoll auf Busreisen? Nein, bei der Arbeit. Für die Beamten sind Fernbusse eine neue Herausforderung. Darin wird viel geschmuggelt, aber die Kontrollen sind "organisatorisch und logistisch" ein Problem. Bild: Uli Deck/dpa
von Julian Trager Kontakt Profil

Drogenschmuggler und Dealer haben die Vorteile der Fernbusse entdeckt - und stellen damit den Zoll vor neue Probleme. Das sagte Christine Seibert vom Zollfahndungsamt München bei einem Vortrag der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) und des Verbands der Reservisten der Bundeswehr in der Weidener Ostmark-Kaserne. Die 50-Jährige referierte über die Struktur und Aufgaben der Zollfahndung, speziell wie in ihrer Dienststelle Weiden gegen die Rauschgiftkriminalität gekämpft wird. Harald Puckschamel von der GSP hatte eingeladen.

Kontrollen ein Problem

Die "Kunden" - so bezeichnet Seibert die Täter - lernen ständig dazu. "Da ist permanentes Reagieren erforderlich." Mittlerweile ein großes Problem: die Fernbusse. Diese bedienen viele Linien, sind billig und fahren im In- sowie Ausland. Und: "Man kann sich relativ anonym ein Ticket besorgen." Die Buskontrollen selbst stellen ebenfalls eine Herausforderung dar, bei einem Bus mit 40 Insassen sei ein hoher Personalaufwand nötig. "Solche Kontrollen sind organisatorisch und logistisch ein Problem." Genau wie bei der Kontrolle einer Halle müssten alle Fahrgäste erst mal raus.

Und dann wären da noch die Probleme mit dem vielen Gepäck. "Kann man nicht immer zuordnen." Manchmal bleibt halt ein Rucksack übrig, der niemand gehören möchte. Auch auf dem Postweg werde "relativ viel" geschmuggelt. Vor allem die Postverteilzentren würden Sorgen bereiten. "Die haben Wahnsinns-Kapazitäten, da gehen 10 000 Päckchen und Briefe pro Stunde durch." Könnte der Zoll dort kontrollieren, würde das Drogenversendern wie -empfängern einen Strich durch die Rechnung machen. Problem seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die Weidener Dienststelle der Zollfahndung besteht seit 2016 und ist eine von drei in Bayern. Sie gehört zum Zollfahndungsamt München und beschäftigt sich mit der Drogenkriminalität. "Weidens geografische Lage ist strategisch gut", erklärt Seibert.

Crystal im Kofferraum

18 Rauschgiftermittler seien mit dem Schwerpunkt Oberpfalz und Oberfranken unterwegs. Hintergrund: Seit Jahren ist die Drogenproblematik in der Region sehr präsent, vor allem Crystal. "Es gibt jede Menge zu tun." Mitunter geht es dabei zu wie in Fernsehserien oder Kinofilmen. Erst vor kurzem entdeckten Weidener Zollfahnder eine Frau auf der A 93 mit 2,2 Kilo Crystal im Kofferraum ihres Autos. Durch abgehörte Telefonate und Observationen habe man auch Hintermänner erwischt. Anderes Beispiel: Über eine Vertrauensperson hat der Zoll Kontakt zu Dealer aufgenommen, die zwei Kilo Crystal übergaben. In Weiden griffen die Beamten mit SEK und Polizei zu. Seibert sagt: "Die zwei Kilo wären mindestens 80 000 Konsumeinheiten geworden, mit einem Marktwert von 200 000 Euro." Für mehr Gewinn werde das Zeug aber noch gestreckt. "Man weiß nie, was da drin ist. Vielleicht Reinigungsmittel, WC-Reiniger oder Glasscherben."

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