26.02.2018 - 20:28 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Nistkastenaktion des LBV als Start am Waldnaabufer Ökologische Funktionen wieder fördern

Früher war alles besser? Für Vegetation und Tierwelt am Ufer der Waldnaab gilt das sicherlich. Um die Uferböschungen wieder an ursprüngliche Verhältnisse zu nähern, starten mehrere Aktivitäten. Nach Jahrzehnten des Tier- und Pflanzenschwundes soll es mit Fauna und Flora am Waldnaabufer bei Weiden wieder bergauf gehen.

Bevor die Bauarbeiten für einen neuen Waldnaab-Düker starten, haben freiwillige Helfer bereits Nistkästen in der Nachbarschaft montiert. Vögel und Fledermäuse können quasi schon "umziehen". Bild: rdo
von Autor rdoProfil

Eine Infotafel am Klärwerk zeigt, wie es früher war: Rund 80 Pflanzen- und 40 Vogelarten tummelten sich in der ehemaligen Waldnaabaue mit Schwarzerlen, Weiden, Espen und Röhrichtgewächsen. Die Uferbereiche waren wichtiger Standort für seltene Pflanzen und zugleich ein Vogelbrutbiotop. Diese ökologische Funktion als grüne Lebensader wird jetzt gezielt gefördert.

Wasser für Fische zu warm

Am Samstag starteten der Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit Nicole Merbald und Fledermausexperte Markus Liebl, die Untere Naturschutzbehörde mit Martin Scheidler und das Wasserwirtschaftsamt Weiden, vertreten durch Familie Stangl, eine erste Aktion. Die Helfer befestigten Nist- und Fledermauskästen. Die Zieltierarten haben nun etwas Zeit, die neuen Quartiere zu finden und anzunehmen, bevor die Bauvorbereitungen beginnen. Tierarzt Dr. Franz Baumgartner aus Schirmitz hatte zehn Meisen-, sechs Fledermaus- und fünf Starenkobel angefertigt. Der LBV steuerte weitere Nistkästen bei.

Verschiedene Faktoren hatten den vielfältigen Vegetationsstreifen in den letzten Jahren dahinschwinden lassen. Derzeit trifft man häufig eine höchstens einzeilige, lichte Baumreihe auf einer schmal gewordenen Uferböschung an. Immer weiter reichen die Areale, in denen nicht einmal mehr diese vorzufinden sind. Teils wächst über lange Strecken nichts mehr außer Gras und das beidseits bis zur Wasserlinie. Es fehlen dadurch Brut- und Versteckmöglichkeiten für Vögel und andere Kleintiere. Auch die Wasserqualität der Waldnaab wird durch die ungehinderte Sonneneinstrahlung und die damit verbundene Erwärmung negativ beeinflusst. Heimische Fische und andere Flussbewohner bräuchten kühleres Wasser und mehr Sichtschutz.

Abschied von Pappeln

Dieser landschaftlichen Verarmung stellen sich das Wasserwirtschaftsamt, die Untere Naturschutzbehörde und der LBV nun entgegen. Geplant sind zunächst zwei konkrete Maßnahmen. Der Waldnaabdüker, der im Süden von Weiden die Waldnaab unter dem Flutkanal durchführt, soll demnächst saniert werden. Dafür muss vorübergehend ein Teil der Ufervegetation weichen. Der Eingriff in die Natur wird zwar entsprechend den Vorgaben eines landschaftspflegerischen Begleitplanes ausgeglichen. Darüber hinaus möchten die Beteiligten jedoch bereits im Vorfeld aktiv werden.

Außerdem werden im Frühling 2018 mehrere Bereiche mit stark verarmter Vegetation aufgewertet. Die nach dem Krieg gepflanzten Hybridpappeln gehen ihrem natürlichen Lebensende entgegen. Vorgesehen sind Pflanzaktionen mit typischen heimischen Gewächsen wie Weiden und Erlen, wie Martin Scheidler erläuterte. Diese sind an die örtlichen Verhältnisse mit recht nassem Wurzelbereich hervorragend angepasst und vertragen zum Teil sogar einen gelegentlichen "Rückbiss" durch die an der Waldnaab lebenden Biber.

Ein neuer Düker

Das Wasserwirtschaftsamt ersetzt den baufälligen Waldnaab-Düker aus den 1930er Jahren. Das Wasser der Waldnaab wird während der Bauzeit in den Flutkanal geleitet. Um ein Austrocknen der Biotope am alten Flussarm zu verhindern, wird während der Bauzeit etwa ein Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den östlichen Teil der Waldnaab gepumpt. Der Neubau des Dükers und der Bau des Niedrigwassergerinnes im Flutkanal erfolgen zum Teil parallel. Während der Bauzeit sind beidseitig des Flutkanals Behelfsbrücken für Fußgänger und Radfahrer vorgesehen. Zudem wird das untere Wehr im Zuge der Maßnahme laut Wasserwirtschaftsamt Weiden entfernt. Baubeginn ist nach den Rodungsarbeiten im Juni 2018, Dauer sechs bis acht Monate. Die Baukosten von rund vier Millionen Euro trägt der Freistaat Bayern. Die Stadt Weiden beteiligt sich am Unterhalt der Anlage. (rdo)

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