06.09.2017 - 20:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Norbert Freundorfer gründet Hilfsverein für malawisches Dorf Das warme Herz Afrikas

Bei einem Urlaub in Malawi lernen Norbert und Ursula Freundorfer ein Hilfsprojekt für Waisenkinder kennen. Jetzt wollen sie in Weiden einen Verein gründen.

Ursula und Norbert Freundorfer bei den Kindern in Ulongwe. Die Weidener versuchen auch, Patenschaften für die Kleinen zu vermitteln. Repro: Kunz
von Autor UZProfil

Auf Google-Maps kann man Ulongwe gar nicht finden. Wer den Ort eingibt, stößt auf Lilongwe, die Hauptstadt von Malawi. Ulongwe liegt im Süden des Landes, ein kleines Kaff in der Nähe des Nationalparks. Genau dort unterstützen Norbert Freundorfer und seine Frau Ursula seit zwei Jahren ein Hilfsprojekt für Waisenkinder.

2013 waren die Weidener erstmals in Afrika. Safari in Kenia. "Einen Kilometer neben unserem Hotel wurde ein Al-Shabaad-Prediger erschossen." Bei der Planung für den nächsten Urlaub war Kenia vom Tisch. Auf der Suche nach einem neuen Ziel stieß Freundorfer auf Malawi, "das warme Herz Afrikas". Am Ende der Rundreise 2015 machte das Paar eine private Tour in den Liwonde-Nationalpark.

Freundorfer sagt: "Unser Guide hieß Danger Chipino. Mit ihm waren wir fünf Tage unterwegs." Danger erzählte den Weidenern von seinem Hilfsprojekt "MTendere", was in der Chichewa-Sprache so viel bedeutet wie "Frieden". Mit Freunden betreibt er eine Ernährungshilfe für Waisenkinder in Ulongwe. Mittlerweile betreut das Projekt 130 Kinder.

Zwei Lehrer finanziert

Ohne das Dorf oder die Einrichtung gesehen zu haben, versprach Freundorfer seinem neuen Freund, dass er dessen humanitäre Arbeit unterstützen werde. Anfangs überwies er monatlich 30 Dollar ins Land, was mit hohen Gebühren verbunden war. Das steigerte sich nach und nach. "Inzwischen finanziere ich zwei Lehrer und einen Teil der Lebensmittel." Der Weidener erklärt: "In Malawi beträgt die Arbeitslosigkeit 80 Prozent. Und das Tagesmindesteinkommen liegt bei 75 US-Cent." Und trotzdem: "Die Ärmsten der Armen sind freundlich, hilfsbereit und teilen."

Im August dieses Jahres reisten die Freundorfers erneut nach Malawi. Auf eigene Faust. Zwei Wochen mit dem Mietwagen umherreisen. Dann eine Woche Liwonde, jeden Tag Ulongwe besuchen. "Wir wollten uns vergewissern, was mit dem Geld gemacht wird, das wir nach Malawi schicken. Denn bis dato hatten wir das Projekt noch gar nicht gesehen."

80 Prozent der Bevölkerung seien Christen, 13 Prozent Muslime und der Rest hänge Naturreligionen nach. Deshalb schere sich die Einrichtung auch nichts um Religionen oder die politische Einstellung der Eltern. Aufgenommen werde jedes Waisenkind, aber auch andere Kinder. Einzige Voraussetzung: "Deren Eltern müssen mittellos sein und einen Schulbesuch ihrer Kinder nicht finanzieren können." Verwaltet werde das Projekt von einem Exekutivrat, der jedes Jahr von den Dorfbewohnern neu gewählt und von der Dorfgemeinschaft überwacht werde. Zielsetzung sei eine ausgewogene tägliche Mahlzeit, Unterstützung bei der Beschaffung von Schuluniformen und Hilfeleistung bei der Beschaffung von Schulgeld - sollten die Kinder in eine höhere Schulform wechseln. Die "Primary School", die achtjährige Schule, sei eigentlich verpflichtend in Malawi. "Wer aber nicht hingeht, geht halt nicht hin."

Aus ärmsten Verhältnissen

Projektleiter Danger stammt aus ärmsten Verhältnissen. Sein Vater war Arbeiter auf einer Teeplantage. Er selbst hat jetzt erst das Gymnasium abgeschlossen und will nebenberuflich studieren. Mit seinem "stattlichen" Monatseinkommen von 60 US-Dollar als Guide fühle er sich verpflichtet, einen Teil seines Glückes an Kinder weiterzugeben. Sein Traum sei ein kleiner Naturpark für die Kinder von Malawi. "Er ist eine Seele von einem Menschen", sagt Freundorfer. Der will seine Privatinitiative auf breitere Beine stellen. "Ich versuche, Patenschaften für Kinder zu vermitteln und werde im Oktober einen Verein gründen." Mit einem einzigen Euro könne man ein Kind einen Monat lang ernähren. "Ich finde, das ist echte Entwicklungshilfe, weil es den Menschen vor Ort hilft." Als erste größere Hilfsmaßnahme will Freundorfer einen Brunnen bauen lassen.

Wer will helfen?

Norbert Freundorfer sucht Mitstreiter. "Malawi ist das freundlichste, hilfsbereiteste und ungefährlichste Land, das man sich vorstellen kann." Als erster Kandidat hat sich Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch bereit erklärt, den Verein durch seine Mitgliedschaft mit zwei Euro pro Monat zu unterstützen. Wer sich fürs Projekt interessiert, kann unter norbert-freundorfer[at]yahoo[dot]com Kontakt aufnehmen. (uz)

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