Nordkorea durch die Linse
Amnesty International zeigt beeindruckenden Film

"Die Welt soll wissen, welche Ungeheuerlichkeiten hinter den Grenzen dieses Landes geschehen." Mitglieder von Amnesty International um Hugo Braun-Meierhöfer und Veit Wagner (von rechts) setzen sich dafür ein, die Zustände im Reich von Kim Jong einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Bild: Kunz

Manches an der nordkoreanischen Diktatur wirkt so abstrus, dass es im Westen fast zum Schmunzeln ist. Für die Bürger ist es allerdings nur bitter und angsteinflößend. Das belegt ein Film.

Zu einer Diskussionsrunde über Nordkorea unter dem Motto "Menschliches und Abgründiges" hatten Mitglieder der Weidener Gruppe von Amnesty International ins Neue-Welt-Kino eingeladen. Sie arbeiten seit über zwei Jahren zum Thema Menschenrechte in Nordkorea.

Der Film "Meine Brüder und Schwestern im Norden" nähert sich diesem abgeschotteten Land mit den Augen der freundlichen und unvoreingenommenen Betrachterin. Die Südkoreanerin mit deutschem Pass Sung Hjung Cho hatte die Erlaubnis, Land und Menschen zu porträtieren. Sie porträtiert sehr persönlich den Alltag. Natürlich waren die Themen und Drehorte vorbesprochen, das Team war wohl keinen Moment ohne Aufpasser unterwegs. Dennoch gelang immer wieder ein einfühlsamer Blick mit Respekt und Achtung für die Menschen. Erstaunlich war, dass viele den Wunsch nach Wiedervereinigung mit Südkorea formulierten. Wenig überraschte, dass fast in jeder Äußerung der drei großen Führer des Volkes gedacht wurde. Nach dem Film entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Den Mitarbeitern von Amnesty geht es um ein differenziertes Bild des Landes. Sie haben die schrecklichen Informationen im Kopf, die sie von Berichten ihrer Organisation und Untersuchungen der UN erhalten haben.

Viele Nordkoreaner, denen die Flucht ins Ausland gelungen ist, haben aus ihrem erbärmlichen Leben erzählt und von der Existenz der zahlreichen Straflager berichtet, in denen über 200 000 Menschen festgehalten werden, Zwangsarbeit leisten müssen, hungern, misshandelt und gefoltert werden.

Manche Familienmitglieder sind in der dritten Generation inhaftiert und büßen für vermeintliche Vergehen der Großväter. Nordkorea leugnet sogar die Existenz dieser Lager, obwohl Satellitenbilder eine deutliche Sprache sprechen. Die Besucher des Films wurden gebeten, Petitionen zu unterzeichnen, die die Schließung des Lagers Yodok fordern. Die Bittschreiben sollen über die koreanische Botschaft in Berlin weitergeleitet werden.
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Rainer Loewert aus Altenstadt an der Waldnaab | 13.01.2017 | 19:22  
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