04.10.2017 - 21:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nur kleine Sanierungshäppchen für die Realschulen 19:19-Patt versenkt Realschul-Neubau

Mit einem mutig geänderten Beschlussvorschlag wäre es Oberbürgermeister Kurt Seggewiß um ein Haar gelungen, doch noch den Neubau der Realschul-Gebäude durchzudrücken. Doch dann reicht es nur zu einem Patt - und die wirtschaftlichste Lösung ist im Stadtrat vom Tisch.

Einen steinigen Weg geht der Stadtrat. Es gibt keinen Neubau und auch keine große Generalsanierung für die Realschulgebäude. Bild: Schönberger
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

In ihrer Sondersitzung bewiesen sich Stadträte am Mittwoch ebenso viel Sitzfleisch wie Diskussionsfreude. Um 15 Uhr eröffnete der Oberbürgermeister das Treffen, in dem es ausschließlich um die Zukunft der Realschulgebäude gehen sollte. Um 19.28 Uhr konnte er es endlich schließen. Kurz zuvor hatte er noch eine denkbar knappe Abstimmungsniederlage hinnehmen müssen: Mit 19:19 Stimmen lehnten die Stadträte seinen Beschlussvorschlag ab, dass der Neubau der Realschulen weiter zu betreiben sei.

Mit dem in einer kurzen Sitzungspause umformulierten Beschlussvorschlag, dass der Neubau auf dem bisherigen Schulgelände zu errichten und der Sportplatz zu erhalten seien, hatte Seggewiß nahezu in letzter Minute die beiden Grünen-Stadträte Gisela Helgath und Karl Bärnklau ins Lager der SPD geholt. Obwohl Rechtsdezernent Hermann Hubmann die Rechtsmäßigkeit des geänderten Beschlussvorschlages (in der ursprünglichen Fassung sollte der Neubau auf dem Sportplatz errichtet werden) bestätigte, kritisierten der "im Innern tief enttäuschte" Wolfgang Pausch (CSU) und Christian Deglmann (Bürgerliste) die Überrumpelungstaktik. Beide drohten sogar, eine Abstimmung zu verweigern und den Saal zu verlassen.

Eineinhalb Dutzend Lehrer der Realschulen sowie ein halbes Dutzend Gutachter waren von der Entscheidung der Stadträte überrascht. Schließlich schienen die Vorteile eines Neubaus der Schulgebäude auf der Hand zu liegen. Eine Generalsanierung wird nämlich auf etwa 48 Millionen Euro geschätzt. Bei einem Neubau werden Kosten von etwa 32 Millionen Euro erwartet. Dies ergab das Gutachten von Matthias Reichle (Rheform ImmobilienManagement GmbH). Das Gegengutachten von Jürgen Trauntner (TÜV Rheinland), das Überprüfungsgutachten von Alexander Wege (PD-Berater der öffentlichen Hand GmbH) sowie das Plausibilitätsgutachten von Schüßler-Plan zeigten auf, dass Abweichungen von mehr als fünf Prozent nicht zu erwarten seien.

Alexander Wege wies jedoch auf einen entscheidenden Unterschied hin: Die Realschulen verfügten derzeit über 18 544 Quadratmeter. Nach den Vorgaben des mit der Regierung erstellen Raumprogramms, das sich an den Schulbaurichtlinien zu orientieren hat, würden für den Neubau nur 14 005 Quadratmeter ausgewiesen. Und: Die bisher vierzügigen Realschulen würden zudem zu dreizügigen Schulen verkleinert.

Stadtkämmerin Cornelia Taubmann bezifferte den Eigenanteil der Stadt bei der Generalsanierung auf 12 Millionen Euro, beim Neubau auf 7 Millionen Euro. Letzten Endes durchgesetzt haben sich CSU und Bürgerliste, die den Masterplan Schulsanierung in den Vordergrund stellen. Schon für die Haushaltsberatungen in den nächsten Woche kündigte Wolfgang Pausch Anträge für Schulsanierungen und entsprechende Deckungsvorschläge an.

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