05.04.2018 - 16:22 Uhr
Oberpfalz

Ökologe und Gärtner gründen Soldiarische Landwirtschaft "SoLaWi Stoapfalz" 100 Leute finanzieren einen Hof

Zwei junge Männer wollen ein neues ökonomisches Konzept für Landwirte ausprobieren. Doch erst einmal werden Andreas Gmeiner und Simon Rauch aus dem Konzept gebracht. Denn der Andrang zur Infoveranstaltung zur "SoLaWi Stoapflaz" ist riesig.

Vor vollem Haus erklären und Ökologe Andreas Gmeiner und Gärtner Simon Rauch (stehend, von links) ihr landwirtschaftliches Konzept. Bild: Luber
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Etwa 70 Leute kommen in das Café Mitte. Weit mehr als die Organisatoren erwarteten. Doch das ist genau das, was die beiden brauchen: viele Menschen. Denn nur so können Agrarökologe Andreas Gmeiner aus Weiden und Gärtner Simon Rauch aus Leugas bei Wiesau (Kreis Tirschenreuth) ihre Solidarische Landwirtschaft ("SoLaWi") verwirklichen. Das Modell setzt sich europaweit immer mehr durch, in der Oberpfalz ist es jedoch einzigartig.

Der 32-jährige Gmeiner erklärt das Konzept: Die "SoLaWi" ist eine Form der Vertragslandwirtschaft. Die Verbraucher finanzieren den landwirtschaftlichen Betrieb für ein ganzes Jahr vor und bekommen als Gegenleistung alles, was er auf dem Hof produziert. Gärtner Simon Rauch will diesen Weg gehen. Auf seinem Hof in Leugas bewirtschaftet er zwei Hektar Gemüse im Feldbau, 1400 Quadratmeter Gewächshäuser, hat 100 Obstbäume und 80 Hühner.

Wöchentlich Gemüse

100 Anteilseigner müssen ein Jahr lang wöchentlich eine Gemüsekiste abnehmen, um den Hof zu finanzieren, stellt Gmeiner klar. Die Ausgaben macht er transparent: 90 000 Euro Investitionskosten vertilgt der Hof in einem Jahr. Besonders erstaunt waren die Zuhörer darüber, wie viel die Bio-Zertifizierung kostet. Etwa 3000 Euro zahlt der 33-jährige Rauch im Jahr, um das Siegel zu bekommen. Die Mitglieder der "SoLaWi" erhalten nicht nur finanzielle Transparenz, sondern können auch den Hof besuchen und mithelfen. Dadurch erhöhe sich die Qualität der Produkte, erklärt Gmeiner. "Das Essen schmeckt anders, weil ich eine engere Beziehung dazu habe."

Auch auf die Umweltfolgen ging der Agrarökologe ausführlich ein: "Die Landwirtschaft erzeugt 30 Prozent der Treibhausgase. Doch nicht die Bauern sind die Schuldigen. Der Fehler liegt im System." Die Landwirte, die er kenne, würden gerne ökologischer produzieren. Doch das rechne sich nicht. "Sie verteidigen nicht die konventionelle Landwirtschaft, sondern ihre Existenz." Er sei fest davon überzeugt, dass eine klimaneutrale Landwirtschaft möglich sei. "Doch der politische Wille fehlt."

Bauern bleiben auf Feld

Um eine gesicherte Finanzierung für Landwirte zu erreichen, die andere Wege gehen wollen, gebe es oft zwei Möglichkeiten: Direktvermarktung, wie etwa durch einen Hofladen, oder die Erschließung von Nischenmärkten (Zucht einer besonderen Tierart oder Hofcafé). "Doch wann sollen die Leute dann aufs Feld gehen und das produzieren, was sie verkaufen?"

Bei der Solidarischen Landwirtschaft könne der Landwirt ungestört seiner Arbeit nachgehen und seine Finanzierung sei trotzdem gesichert.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.