10.12.2016 - 02:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

OTH-Studenten spielen Verhandlung nach Waffenhändler tot, Polizisten im Hörsaal

"Ich bin verwirrt über die Anzahl der Kugeln. Können Sie mir sagen, wie viele insgesamt gefunden wurden?", fragt Rechtsanwältin Kelsey Miller. Der Sachverständige Martin Schütte im Zeugenstand nennt ihr die Zahlen: "30 Kugeln wurden im Gebäude gefunden. 28 in den Wänden, zwei in der Schulter des Zeugen."

Die Grafenwöhrer Rechtsanwältin Jutta Carrington-Conerly (Dritte von links) erklärt den Übungs-Verteidigerinnen den Verlauf eines amerikanischen Prozesses. Bild: Schönberger
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Die Studenten der OTH spielen eine fiktive Gerichtsverhandlung nach. Zwei Polizisten haben zwei Freunde beim Waffenhandel erwischt. Weil die Beamten das Haus stürmten, während einer der beiden die Waffe präsentierte, erschossen sie diesen reflexartig. Den anderen trafen zwei Kugeln in der Schulter. Jetzt müssen sich die Beamten vor Gericht verantworten. Die Studenten lachen. Schütte hat in seiner Aufzählung die Kugeln vergessen, die das Opfer töteten. "Ich will einen neuen Sachverständigen!", fordert Miller.

Organisiert hat die Veranstaltung Elisabeth Häusler-Loffler von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen und die Rechtsanwältin Jutta Carrington-Conerly. Die Verhandlung ist auf Englisch und folgt den Regeln der US-Amerikanischen Justiz. Carrington-Conerly war selbst einige Zeit in den Vereinigten Staaten und vertritt regelmäßig Soldaten vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Zu Beginn erklärt sie den 30 Anwesenden das Rechtssystem der USA. Dann beginnt der Prozess. Es gibt Zeugen, Experten und Geschworene. Den Richter platziert Carrington-Conerly hinter dem Pult, darum herum die angeklagten Polizisten, das überlebende Opfer, die Staatsanwältin und die beiden Verteidigerinnen.

Nach eineinhalb Stunden fällt das Urteil der Geschworenen: Die Polizisten werden zu einer Geldstrafe verurteilt und verlieren ihre Anstellung. Das Ergebnis ist typisch für die USA. Carrington-Conerly hatte in ihrem Vortrag bereits angemerkt, dass Polizisten dort meist auf Milde hoffen können.

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