Perchten starten wilden Lauf durch Weidener Christkindlmarkt
Schaurig und schön

A wengerl gruselig war's, vor allem wenn die Schiachperchten ihr böses Gesicht zeigten. Dank der Schönperchten hat auch diese Besucherin des Christkindlmarkts den wilden Auftrieb recht gelassen überstanden. Bilder: Kunz (2)

So richtig weh tat er nicht, der Hieb mit der Pferdehaar-Peitsche. Aber angenehm war's auch nicht, dem greißlichen Kerl ins Gesicht sehen zu müssen, wenn er zuschlug.

A wengerl schaurig vielleicht. Der Gruselfaktor machte am Samstagabend den großen Reiz, beim Perchtenlauf der "Wuiden Dragn" durch den Christkindlmarkt.

Mit lautem Glockengeläute hüpften sie wieder durch die Budenstadt und "belästigten" Passanten. Zottige Spukgestalten, wie aus einem Hollywood-Monsterfilm. Aber auch der Heilige Nikolaus mit seinen Engeln war dabei. Die verteilten Mandarinen an die Kinder. Wie in jedem Jahr verkörperten die Perchten auch heuer wieder das Gute und das Böse. Auf der einen Seite die Schönperchten, auf der anderen die Schiachperchten. Das alles hatte einen historischen Hintergrund. Es geht um den christlichen Jahreskreislauf. Aber auch um den ruppigen Percht, den Knecht Rupprecht, dem Vorreiter und späteren Begleiter des Heiligen Nikolaus. Die Schiarch-Perchten erschreckten Kinder und Erwachsene. Seit dem 17. Jahrhundert traten sie langsam aus dem religiösen Kirchen- und Stubenspiel heraus und formierten sich zu einem neuen Genre. Bis in unser Jahrhundert treten sie noch mit dem Heiligen Nikolaus auf.

Hüpfender "Hanswurst"

Und zwar zwischen 30. November und 6. Januar. Wichtigstes Utensil, wie bereits vernommen: Die Glocken, die an den Gürteln bimmelten, jedes Mal dann, wenn "Glöckler", "Habergeiß" oder "Hanswurst" hüpften. Ein Riesenlärm war das, der die Weihnachtsmusik übertönte. Manchmal zeigten die selbstgeschnitzten Masken vorne Fratzen und am Hinterkopf recht nette Gesichter: Die zwei Gesichter des Menschen oder aber auch die Zweigeschlechtlichkeit. Erstmals erwähnt worden seien Perchtenläufe 1814 im Ammersee-Gebiet, heißt es. Später sei der Brauch nach Österreich abgewandert. Die Perchten zeigen sich recht gerne in den Raunächten. Die "Wuiden Dragn" erklären das so: "Wir versuchen, mit den alten Geschichten und mit dem, was wir darstellen, eben nicht effekthascherisch oder blutspritzend und feuerspeiend, sondern ganz profan und so wie es überliefert ist, die Leit wieder auf den rechten Weg zu bringen."
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