18.08.2017 - 18:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Pilzberater erklärt: Heißer Juli wirkt im Wald nach Trotz Regen keine Schwammer-Schwemme

"Gibt's Schwammer?" Das ist die Frage bei Pilzliebhabern. Denn nach Regen und bei warmen Temperaturen sollten Steinpilz & Co. nur so aus dem Boden schießen. Tun sie aber nicht. Pilzexperte Norbert Griesbacher sagt, warum.

Steinpilze sind Mangelware. Aber Pilzexperte Norbert Griesbacher freut sich auch über diesen Netzstieligen Hexenröhrling, der sich nach dem Anschneiden verfärbt. Bei der sicheren Unterscheidung zu ähnlichen Arten hilft sogenannte Melzers Reagenz. Die Stellen, auf die die Chemikalie geträufelt wird, werden blau. Bild: Schönberger
von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Der Weidener (76) ist Sachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und ehrenamtlicher Pilzberater der Stadt. Er selbst findet meistens etwas, auch weil er nicht so wählerisch sein muss wie Gelegenheitssammler.

Eigentlich wäre Saison, aber Steinpilze tauchen nur vereinzelt auf.

Norbert Griesbacher: Das Wetter hat das wahrscheinlich gewollte Wachstum der Steinpilze behindert. Bei 30 bis 35 Grad wie im Juli, wenn die Sonne auf den Boden brennt, trocknen die Myzelien aus. Wenn man Glück und feuchte Stellen hat, findet man Eierschwammerl, Täublinge, Perlpilze, einige Flockenstielige Hexenröhrlinge, hin und wieder einzelne Reifpilze sowie Milchbrätlinge, selten einen Maronenröhrling.

Wäre es jetzt nicht feucht genug für eine Steinpilz-Schwemme?

Man kann nicht einfach sagen: "Regen plus Wärme ist gleich Pilz." Die Myzelien sind beleidigt. Die wollen einfach nicht. Wann die Pilze wiederkommen, muss man ihnen überlassen. Übrigens sind auch Mondphasen für mich kein Thema.

Und wenn dann doch mal ein Steinpilz hervorschaut, ist er meistens sowieso wurmig ...

Wenn jemand behauptet, er hätte 10 bis 15 Steinpilze gefunden, die alle nicht wurmig waren, muss er zum Augenarzt gehen. Der größte Teil der Steinpilze ist verwurmt. Wenn ich natürlich Pilz- und Wurmeiweiß gleichermaßen schätze, ist das ja in Ordnung. (lacht)

Sie kennen ja genug Alternativen für die Pfanne. Wie ist das mit Gelegenheitssammlern? Kommen die zu Ihnen zur Beratung?

Momentan ist die Nachfrage mäßig, weil wenig wächst. Ich habe eine Anfrage wegen Gartenchampignons. In der Saison ist aber immer viel los. So etwas wie Flockenstielige Hexenröhrlinge sind dann ein Thema. Die Leute lesen: Den kann man essen. Aber dann trauen sie sich nicht wegen dem ungewöhnlichen roten "Futter" und dem beim Durchschneiden stark blauenden Fleisch. Umsonst hat dieser Pilz nicht den Namen "Hexenpilz". Man sollte wirklich nur die Pilze essen, die man kennt. Ansonsten sollte man zum Pilzberater gehen. Es kostet ja nichts.

Es kann im Zweifel Leben retten.

Die wichtigsten tödlich giftigen Pilze in unserer Region sind Grüner, Spitzkegeliger und Weißer Knollenblätterpilz, Spitzgebuckelter Raukopf, Pantherpilz, Frühjahrslorchel, Grünling, Kahler Krempling, kleine Schirmlinge und der Doppelgänger des Stockschwämmchens, der Gifthäubling. Auch Karbolegerlinge und Safranschirmlinge, die auf humusreichen Böden in Gärten und Parks wachsen, können Vergiftungen hervorrufen.

Im Bayerischen Wald sind neue Arten gefunden worden. Kann das auch bei uns passieren?

Selbstverständlich. Aber nur von jemandem, der in einer bestimmten Pilzart jahrzehntelange Erfahrung hat, insbesondere in der Mikroskopie. Und er muss das ganze Spektrum der Arten, Unterarten und Formen der jeweiligen Gattung kennen. Im übrigen: Es gibt zirka 6000 höhere Pilzarten in Bayern.

Von denen muss der Saison-Sammler nur die wenigsten im Kopf haben. Wie viele sind im Alltag relevant?

Ich arbeite an einem regionalen Pilzbuch, das fast fertig ist. Darin habe ich 160 Arten, die für Sammler interessant sind. Keine Helmlinge, keine Baumschwammer oder so etwas. Entscheidend für meine Auswahl war, dass sie bei uns wachsen und größenmäßig für den Speisepilzsammler in Frage kommen.

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Weitere Informationen und Videos:

www.onetz.de/48437

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