27.03.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Plattformen wie Facebook spielen bei den Parteien in der Oberpfalz kaum eine Rolle - Viele ... Wahlkampf oft nur analog

Oberpfälzer Wahlkampf auf Facebook
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Viele junge Leute sind an Politik nicht interessiert und die Parteien fanden bisher kaum einen Zugang zu deren Lebenswelt. Dialog-Plattformen, die massiv an Bedeutung gewonnen haben, bieten hier eine große Chance. Ein schneller Check unserer Online-Redaktion, wie CSU, SPD, die Grünen, die Freien Wähler und die FDP das reichweitenstarke Facebook nutzen, ist aber ernüchternd.

Wurde spätestens im Präsidentschafts-Rennen in den Vereinigten Staaten die Bedeutung der digitalen Kanäle für die (Wahl-)Entscheidung junger Bürger deutlich, bewegt sich in der Oberpfalz im Wahlkampf auf den Facebook-Plattformen kaum etwas. Die "Gefällt mir"-Bekundungen sind spärlich und wirken eher wie ein einmaliges Bekenntnis zur Partei, als die Intention, die Geschehnisse auf der Seite weiter zu verfolgen. Oberpfalzweit sind es bei den beiden "Großen" gerade mal 350 (CSU) und 150 Nutzer (SPD). Die Grünen und die FDP sind hier gar nicht vertreten. Den Lichtblick bildet die Präsenz der Freien Wähler mit 300 Unterstützern.

Dezentrale Entwicklung

"Die Freien Wähler sind von unten nach oben gewachsen und können nicht den Weg der klassischen Parteien gehen, um die Menschen zu informieren", erläutert Regina Weidinger. "Daher müssen wir alle Mittel nutzen und waren so auch früh auf Facebook vertreten." Die Leiterin der Bezirksgeschäftsstelle, die mit zwei Mitarbeitern die Seite betreut, hat dabei aus der Not eine Tugend gemacht: „Wir posten nur Informationen, die den ganzen Bezirk interessieren. Wichtig ist, dass es vielfältig ist und die User sich wohlfühlen.“ Aktuell bestimme die Kommunalwahl die Beiträge, aber auch danach wird die Plattform weiter kontinuierlich betreut: „Nach der Wahl wird es wieder mehr um Sachthemen gehen.“
Verglichen mit Bezirksvertretungen erzeugen die Kreisverbände naturgemäß eine größere Bindung der Menschen an eine Partei. Doch selbst Regensburg kann mit im Schnitt 200 Fans quer über die Parteien keinen besonderen Effekt erzeugen. Seiten wie die der Freien Wähler Cham(206 Fans), der Weidener SPD (180) oder der Schwandorfer Grünen (130) sind in Relation zu ihrer Größe rühmliche Ausnahmen.

„Uns ist vor allem die Nachhaltigkeit wichtig“, betont Gerald Bolleininger. „Anfangs haben wir den Auftritt nur für die Wahlen eingerichtet, wir wollen damit die Jungwähler erreichen“, gibt der Vorsitzende der Weidener SPD zu, der auch die Internetseite des Ortsvereins ins Netz gebracht hat. Doch mittlerweile hat ein Umdenken stattgefunden, der die Social-Media-Seite nicht nur als reines Wahlkampfinstrument sieht. „Es ist auch eine Möglichkeit, uns an unseren Versprechen zu messen und nachzuvollziehen, was erreicht wurde“, so Bolleininger. Außerdem soll der Facebookauftritt, der aktuell von fünf SPD-Mitgliedern befüllt wird, auch nach den Wahlen regelmäßiger aktualisiert werden. „Es ist geplant, für die Ausgestaltung die Jusos mit ins Boot zu holen. Dann kann sich die Jugend für die Jugend einbringen.“

Überall präsent

Zugegeben, die Fan-Zahlen stellen einen wenig validen Gradmesser für Effektivität der Seiten dar. Dennoch stehen sie für einen gefühlten Trend: Die Parteien wollen ihre Wähler auch auf Facebook abholen und "müssen" dort vertreten sein. Doch nicht jeder Versuch eines solchen "Pflichtprogramms" gelingt, das Schema ist oft gleich: Termine, die plastische Vorstellung der Kandidaten mit Wahlplakaten oder eingescannte Zeitungs-Artikel erzeugen kaum Interesse, geschweige denn Diskussionskultur. Herangehensweisen, die die Stärken des Mediums, wie eine persönlichere, interaktive Darstellung der Kandidaten nutzen, oder auf kreative Weise Themen ansprechen, sucht man vergebens. Doch gerade dies wäre ein Mittel, das Interesse der Jugend zu wecken und sie später vielleicht als Wähler zu gewinnen.

Ein Grund, warum der Social-Media-Gedanke in der Breite noch nicht Einzug in die Wahlkampfstrategien gehalten hat, ist sicher, dass Facebook und Co. auch für die Politiker und ihre Wahlkampfhelfer einen Umdenkprozess bedeuten, dem sie sich stellen müssen. Dazu gehören auch Experimentierfreude und der Mut, Fehler zu machen. Auf einem Großteil der Plakate eines ÖDP-Politikers überklebt beispielsweise der Hinweis „OB-Kandidat“ einen eigentlich löblichen QR-Code – der via Smartphone direkt auf dessen Seite führen sollte – und macht ihn so unbrauchbar.

Trotzdem ist der – im Oberpfälzer Wahlkampf seltene – Versuch, Online-Inhalte auf Wahlplakaten zu transportieren, positiv. Denn die parteiübergreifende Entscheidung einiger große Kreisverbände und –vereine, überhaupt nicht auf Facebook vertreten zu sein, könnte fahrlässig sein. Mit Infoabenden, Flyern oder Wahl-Kugelschreibern wird es auf jeden Fall schwierig, die nächste Wählergeneration für sich zu gewinnen.

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