07.07.2017 - 18:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Polizeiinspektion Weiden kontrolliert Autofahrer per Laserpistole Ausreden hat doch jeder

Die Dame hat es wirklich eilig. Beim Friseur in Weiden hat es schon zu lange gedauert. Jetzt muss sie schnell nach Hause und in die Arbeit. Doch dazwischen liegt ein Zwischenstopp. Unfreiwillig. Auf Höhe Frauenricht gerät sie ins Visier einer "Laserpistole". Mit finanziellen Folgen.

Polizeihauptkommissar Johann Wurm hat den Verkehr auf der Autobahn-Ausfahrt bei Frauenricht im Visier seiner Laserpistole. Bild: Schönberger
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Polizeihauptkommissar Johann Wurm blickt selbst durch die Optik des Lasergeräts Riegl FG21-P, das die Polizeiinspektion Weiden bei ihren Geschwindigkeitskontrollen verwendet. "268 Meter Entfernung, schwarzer SUV, Grand Cherokee, 21 zu schnell", meldet er per Funk hoch auf den Parkplatz vor Neunkirchen an die Kollegen Laura K. und Daniel D. Den beiden fällt die Aufgabe zu, die soeben Ertappten aus dem Verkehr zu ziehen, sie aufzuklären und - falls die passende Summe bar vorhanden ist - auch zu kassieren. Das alles bitte stets sehr, sehr freundlich.

Für Polizeiobermeister Daniel D. hat diese Kontrolle an der Staatsstraße von Weiden nach Mantel am Freitag eine besondere Bedeutung: Kaum 24 Stunden zuvor hat er hier an der Autobahn-Ausfahrt Frauenricht einen Unfall aufnehmen müssen. Wieder einmal. Denn Anschlussstellen sind Unfallschwerpunkte, betont Wurm, Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Weiden, die übrigens 19 "Messbeamte" zählt. Wer "lasert", muss eine umfangreiche theoretische und praktische Ausbildung sowie die Prüfung absolviert haben. Die "Radarpistole" der Polizeiinspektion ist jährlich über 120 Stunden im Einsatz. Sie soll Raser verunsichern. "Wir messen nicht verdeckt, sondern offen, für jeden sichtbar. Das dient auch der Prävention. Die Leute sollen wissen, dass wir da sind."

Physik kennt keine Gnade

Die "Zielgruppe" seien dabei nicht die Autofahrer, die ein paar Sachen zu schnell fahren, sondern die Raser, etwa der Autofahrer, der am 4. Februar mit 87 km/h durch die Bahnhofstraße preschte. "Verantwortungslos", sagt Wurm. "Schon bei einem Aufprall bei 50 km/h hat ein Fußgänger kaum eine Chance zu überleben. Die Physik ist bei einem Unfall einfach brutal. Sie kennt keine Gnade."

Die Frauenrichter Straße ist an der Messstelle breit ausgebaut, der Verkehr weithin einzusehen. Und trotzdem Unfallschwerpunkt? Die Geschwindigkeit ist nicht ohne Grund auf 60 km/h beschränkt, erläutert Wurm. Die bevorrechtigten Fahrer auf der Staatsstraße sind zu oft und zu schnell unterwegs, wie etwa ein Autofahrer, der am 30. Mai mit 108 km/h an Frauenricht vorbeibretterte. Gerade die Linksabbieger aus dem Autobahnabfahrten unterschätzen das Tempo der Vorfahrtsberechtigten und rollen los, weil sie glauben, sie kommen locker über die Straße.

Ein weiterer Grund ist als Unfallursache nachgewiesen: Die Fahrer konzentrieren sich an der Einfahrt auf Autos, die noch 200 oder 300 Meter entfernt sind und übersehen prompt den Wagen, der schon dicht herangekommen ist." "Wenn nur einer am Steuer einen Fehler macht, wird das meist noch durch den aufmerksamen anderen kompensiert. Machen beide einen Fehler, dann kracht's", erklärt der Verkehrssachverständige. "Wer den Unfall verursacht hat, ist dann nicht mehr zu klären. Und: Ausreden hat doch jeder."

Im ersten Halbjahr 2017 ermittelten die Beamten der PI Weiden per Riegl FG21-P über 80 Raser. Der Schnellste war am Freitagvormittag übrigens ein Autofahrer, der mit 98 km/h seine Visitenkarte abgab.

Die Fahrerin des Grand Cherokee war lediglich 18 km/h (21 km/h minus 3 km/H "Rabatt") zu schnell. Aber da nicht nur Zeit, sondern auch ihr Kleingeld beim Friseur geblieben war und sie nicht zahlen konnte, bekommt sie Post vom Polizeiverwaltungsamt Viechtach. Sie muss 30 Euro für die Verwarnung überweisen. Dazu kommen 25 Euro Bearbeitungsgebühr und 3,50 Euro für Auslagen. Damit wird's teuer. Allerdings bleibt ihr ein Punkt in der Verkehrssünderdatei erspart. Den gibt es außerorts ab einer Überschreitung von 21 km/h. Also noch Glück gehabt.

Vier Tests nötig

Bei jedem Standortwechsel der Messbeamten sind bei der Laser-Pistole Riegl FG21, die der Wiener Hersteller bereits 1998 präsentierte, vier Test zwingend vorgeschrieben. Nur dann gilt die einwandfreie Funktion als gewährleistet und das Messergebnis als amtlich. Nur wenige Minuten dauern der Geräteselbsttest, der Displaytest, die Überprüfung der Visiereinrichtung an den Kanten eines reflektierenden Objekts sowie der "Nulltest". (wd)

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