09.05.2017 - 19:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Preise für landwirtschaftliche Pachtflächen gehen durch die Decke Landwirt sticht Almesbach aus

Die Pachtpreise für Wiesen und Äcker schießen durch die Decke. Selbst das Agrarzentrum Almesbach kann nicht mehr "mithalten". Es verliert die Pacht für annähernd 100 Hektar: Ein Landwirt aus dem Landkreis Tirschenreuth sichert sich die Flächen des ehemaligen Bezirksguts Wöllershof.

Landwirte überboten bei der Neuverpachtung von 100 Hektar des Bezirksgutes Wöllershof deutlich das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung Almesbach, das nun seine in der Biogas-Anlage (oben, Mitte) anfallenden Gärreste auf rund 40 Hektar von vieharmen Betrieben unterbringt. Heu und Stroh für 140 Rinder im neuen Stall (oben rechts) werden teilweise zugekauft. Almesbach selbst besitzt über 300 Hektar. Luftbild: Michael Ascherl
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Kaum ein Dorf ohne "Biogas-Anlage", ohne große Aussiedlerhöfe mit riesigen Stallungen. Die jungen Bauern werden zu Unternehmern erzogen, die versuchen, Einkommen dort zu erzielen, wo es sich erzielen lässt.

Die anderen geben die Landwirtschaft auf, verpachten Grund und Boden. Und die sind derzeit in der glücklichen Lage, dass ihre Flächen immer begehrter werden. Denn Biogasanlagen und Großställe haben einen unstillbaren Hunger nach Flächen - nicht nur für die Erzeugung von Futtermittel, sondern vor allem auch, um dort Gärreste und Gülle auszubringen. Die Gülleverordnung, die im Herbst in Kraft tritt, wird diese Entwicklung beschleunigen.

100 Hektar verloren

Seit zwölf Jahren hat das staatliche Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung Almesbach knapp 100 Hektar vom Bezirk Oberpfalz gepachtet. Davon sind rund 90 Hektar Acker und 10 Hektar Grünfläche, die zum ehemaligen Bezirksgut Wöllershof gehören. Vor sechs Jahren glichen Verpächter und Pächter - im besten Einvernehmen - den Pachtpreis an die damals aktuelle Entwicklung an. Der Vertrag endet zum 30. September 2017. Bereits im Dezember schrieb der Bezirk die Verpachtung neu aus.

Es schien zunächst nur eine Formsache zu sein, dass sich Almesbach die Flächen weiter sichern könnte, zumal das Agrarzentrum ein überzeugendes Konzept für eine nachhaltige Bewirtschaftung vorlegte. Allerdings setzten plötzlich ebenfalls interessierte Landwirte die Messlatte für die Pacht so hoch, dass sie selbst Almesbach nicht mehr überspringen konnte.

Zum vollen Wert

Angeblich verdoppelte sich die Pachtsumme. Rücksicht auf Almesbach konnte und wollte der Bezirk nicht nehmen. Es gab keinen Bonus für die Einrichtung, die sich zahlreiche Verdienste um die Ausbildung und Förderung des bäuerlichen Nachwuchses erworben hat. "Wie alle öffentlichen Gebietskörperschaften ist auch der Bezirk Oberpfalz aufgrund gesetzlicher Bestimmungen verpflichtet, wirtschaftlich zu handeln. Dies betrifft auch die Verpachtung von Grundstücksflächen, die nur zum vollen Wert und unter Wahrung des Gleichbehandlungsgrundsatzes erfolgen darf", erklärt die Pressestelle des Bezirks. Almesbach war plötzlich aus dem Rennen.

Der Leiter des Agrarzentrums bezieht eindeutig Stellung. "Wir müssen mit unseren staatlichen Mittel möglichst wirtschaftlich umgehen", betont Helmut Konrad. Die Summen, die offenbar Landwirte, vor allem die Betreiber von Biogas-Anlagen, zu zahlen bereit seien, lägen für eine staatliche Einrichtung "weit außerhalb aller Möglichkeiten". "Die Pachtpreise kennen seit Jahren nur eine Richtung: steil nach oben." "Ohne die Pachtflächen in Wöllershof beginnt für Almesbach eine neue Zeit. Aber wir hatten auch Zeit, um uns vorzubereiten. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die wesentlichen Fragen geklärt."

Obwohl das Agrarzentrum über rund 300 Hektar an Eigenfläche verfüge, gelte es mit einer Mutterkuhherde von 140 Rindern als "viehstark". Eine Herausforderung sei es deshalb, anfallende Gülle und Gärreste aus der großen Biogasanlage entsprechend den Verordnungen zu verwenden. Konrad fand in der Region die benötigten 40 Hektar bei vieharmen Betrieben, auf denen er den "Betriebs- und Wirtschaftsdünger" ausbringen kann. Heu und Stroh würden künftig eben auch zugekauft. "Uns bringt auch die neue Gülleverordnung nicht in Kalamitäten", versichert Helmut Konrad. (Angemerkt)

Ohne die Pachtflächen in Wöllershof beginnt für Almesbach eine neue Zeit. Aber wir hatten auch Zeit, um uns vorzubereiten.Helmut Konrad

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