09.11.2017 - 18:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Professor Anton Scharl erklärt, warum Frauen länger leben Frauen sind bessere Lebenskünstler

Nein, die Biologie ist es in erster Linie nicht, die den Frauen eine höhere Lebenserwartung beschert als den Männern. Was vielmehr entscheidend ist, darüber klärt Professor Anton Scharl in seinem Vortrag auf.

Lebensführung und Verhalten sind dafür entscheidend, dass Frauen länger leben als Männer, sagt Professor Anton Scharl. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

"Ich bin Frauenarzt und freue mich darüber, dass Frauen länger leben als Männer." Mit diesen Worten stellte sich Professor Anton Scharl, Leitender Chefarzt der Frauenklinik Amberg-Weiden, den Zuhörern in der Klinikum-Cafeteria vor. Nicht nur mit dieser Feststellung löste der Mediziner in seinem unterhaltsamen Vortrag Schmunzeln aus. Auch zum Beispiel mit der Bemerkung: "Wenn du gesund lebst, kannst du eigentlich nicht sterben."

"Warum leben Frauen länger als Männer - Biologie oder Lebensführung?" Dieser Frage ging Scharl in seinem Vortrag auf den Grund. Anhand von Zahlen belegte er die nach wie vor deutlich höhere Lebenserwartung der Frauen, wobei er betonte: "Auch die ärmsten Frauen werden im Durchschnitt noch immer älter als die reichsten Männer." Anhand der sogenannten Klosterstudie belegte Scharl, dass "die Ursachen für Unterschiede in der Lebenserwartung vor allem im geschlechterspezifischen Verhalten liegen". In dieser Studie wurden über Jahrzehnte systematisch Nonnen und Mönche beobachtet und ihre Gesundheitsdaten ausgewertet. Sie leben unter ähnlichen Bedingungen, und es konnte nachgewiesen werden, dass biologisch-genetische Ursachen für die unterschiedlichen Lebenserwartungen weitgehend ausgeschlossen werden können. "Biologie spielt also die kleinere Rolle", so das Fazit von Scharf. Zu den verhaltensbedingten Ursachen zählte er bei den Männern statistische Durchschnittswerte wie das häufiger vorkommende Übergewicht, die seltenere Gesundheitsprävention durch Vorsorgeuntersuchungen, den stärkeren Konsum von Tabak, Alkohol und Drogen, die häufigeren Fälle von Suizid, die Risikobereitschaft im Straßenverkehr und der häufigere Konsum von rohem Fleisch.

Vor allem wegen der stärkeren Beteiligung an der Vorsorge würden Frauen stärker vom medizinischen Fortschritt profitieren. Durchaus wirksame biologisch-genetische Einflüsse sieht Scharl allerdings im Schutzeffekt weiblicher Hormone vor den Wechseljahren und in einer "günstigeren Fettverteilung am Körper der Frauen". Auch müssten Männer ständig neue Spermien produzieren und bräuchten deshalb "mehr Energie für die Fortpflanzung". Zudem sei die Sterblichkeit bei männlichen Neugeborenen größer. Nachteilig seien auch die Androgene der Männer ("Kastrierte leben länger").

Diese Aussagen differenzierte der Referent in seinem Vortrag mit zahlreichen Details. Männer haben das deutlich höhere Sterberisiko bei Krebs, Frauen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Trotzdem entfallen 42 Prozent aller Krebserkrankungen von Frauen auf weibliche Geschlechtsmerkmale wie Brust, Eierstöcke und Gebärmutterhals. Geht man von 40-Jährigen aus, kostet starkes Rauchen (10 Zigaretten und mehr) bei Männern im Durchschnitt 9,4 Lebensjahre, bei Frauen 7,3.

Stirbt ein Partner ist das Sterberisiko für den überlebenden Mann doppelt so hoch wie für eine überlebende Frau. "Männer profitieren stark von einer stabilen Partnerschaft", stellte Scharl fest. In seiner Empfehlungsliste ganz oben stand das Wort Bewegung. Dazu gezeigt wurde ein Schaubild, wonach intensive Bewegung bei Männern und Frauen die Sterbewahrscheinlichkeit um rund ein Drittel vermindert im Vergleich mit Menschen, die sich nicht bewegen. Am vorteilhaftesten sei Schwimmen und Laufen.

Scharl empfahl "zwei bis drei Mal pro Woche ein bis zwei Stunden Sport". Allerdings räumte er ein: "Alle wissen es, aber lang ist der Weg das Wissen in die Tat umzusetzen." Die Reihe "Chefärzte informieren aus erster Hand" wird am Dienstag, 12. Dezember, fortgesetzt.

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