Professor Hamid Hossain über Antibiotika
Mit Vorsicht zu genießen

Mikrobiologe und Chefarzt Professor Hamid Hossain klärt über den richtigen Umgang mit Antibiotika auf. Bild: sbü

"Wirkung und Nebenwirkung liegen sehr nahe beieinander, weil Antibiotika nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden", gibt Professor Hamid Hossain bei seinem Vortrag am Weidener Klinikum zu bedenken. Er klärt auf über die Risiken des Medikaments.

"Bei bestimmten Erregern stehen wir mit dem Rücken zur Wand", gab der gemeinsame Chefarzt der Mikrobiologie der Kliniken Nordoberpfalz und des Klinikums St. Marien Amberg zu. "Fast ein Drittel aller Patienten leiden unter Durchfall, wenn sie Antibiotika einnehmen", erklärte der Hochschulprofessor für Krankenhaushygiene.

Je mehr Begleiterkrankungen ein Patient habe, desto wahrscheinlicher käme es zu Durchfall. "In der Regel verschwindet der Durchfall aber nach Absetzen des Medikaments", beruhigte der Chefarzt die Zuhörer. Er warnte vor einem eigenmächtigen Absetzen des Medikaments, denn das könne zur Rückkehr der eigentlich bekämpften Infektion führen.

"Antibiotika werden gegen etliche Infektionskrankheiten und Entzündungen eingesetzt, von der Lungenentzündung bis zur Borreliose." Sie wirken gegen Bakterien - gegen gute wie schlechte. "Gute Bakterien steuern das Immunsystem. Wenn diese durch das Medikament zerstört werden, kommt es zum Ungleichgewicht des Immunsystems. Ein besonders gefährliches Bakterium trage den Namen "Clostridium difficile" (C.-difficile) und greife vor allem dann an, wenn die "guten Darmbakterien" bereits durch Antibiotika zerstört wurden. "Die von diesem Bakterium ausgelöste Erkrankung gehört zu den häufigsten Durchfallerkrankungen, die im Krankenhaus entstehen können", warnte Professor Hossain.

"Rund fünf Prozent der gesunden Gesamtbevölkerung tragen C.-difficile unbemerkt im Darm, im Milieu des Krankenhauses sind es 16 bis 35 Prozent", rechnete Hossain vor. Sogar in abgepacktem Fleisch sei der Erreger gefunden worden, auch Hunde und Katzen würden die Sporen im Darm tragen. "Im Klinikalltag stellt uns dieses Bakterium vor große Herausforderungen", sagte der Chefarzt. Er sprach von einem "Super-Gau für die Hygiene". Patienten müssten isoliert werden und "normale" Hygienereiniger würden bei weitem nicht ausreichen. "Therapien müssten gezielt diesen Erreger treffen, der sich manchmal immer wieder neu bildet. In sehr schweren Fällen muss sogar der Darm entfernt werden", so Hossain.

Erprobt würde derzeit die "Stuhltransplantation", die Übertragung des eines gesunden Stuhls auf einen Kranken. Mit Ernährungsempfehlungen für eine gesunde Darmflora, unter anderem Präbiotika und Probiotika sowie "unverdaubare Lebensmittel", schloss Hossain den Vortrag.

Tipps zur HygieneVermeiden: Unnötige Antibiotika-Therapien müssen nicht sein.

"Schmalspurtherapien" , also gezielte Therapien nach Nachweis des Erregers, sind besser als ein breites Spektrum an Antibiotika.

So lange wie nötig, aber so kurz wie möglich: Wenn das Medikament nach drei bis fünf Tagen nicht wirkt, wird es auch nach zehn Tagen nicht wirken. Der Professor empfiehlt in diesem Fall eine Rückmeldung an den Arzt.

Händedesinfektion , und zwar 30 Sekunden lang vor und nach dem Besuch im Klinikum. (sbü)
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