06.11.2017 - 18:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Professor Theodor Klotz schreibt mit an Buch über "Sexualität von Männern": Zwei Mal Sex Pro Woche: "So ein Schmarrn"

So etwas war europaweit noch nicht da, sagt Professor Theodor Klotz und hält den dritten Männergesundheitsbericht in die Kamera. Er beschäftigt sich auf 450 Seiten mit der "Sexualität von Männern". "Und die ist mindestens so kompliziert wie die der Frauen", weiß der Männerarzt - Mitautor und Mitherausgeber.

"Das war eine reine Lustarbeit",betont Professor Theodor Klotz und schlägt den dritten Männergesundheitsbericht auf. Er hat ihn mitverfasst. Bild: Schönberger
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

"Zwei Mal Sex pro Woche." Das war die Liebesformel Martin Luthers, weiß Professor Theodor Klotz, Chefarzt für Urologie am Klinikum Weiden. Allerdings habe der Reformator damit genauso daneben gelegen wie mit jeder anderen Empfehlung, die er für Männer zu diesem Thema hätte aussprechen können. Klotz sagt: "Für Sex gibt es keine Regel, keine Norm, keine Zielvereinbarung wie im Büro. Zwei Mal Sex pro Woche: Das ist deshalb alles Schmarrn" - und nur ein Fazit des nunmehr dritten Männergesundheitsberichts mit dem Titel "Sexualität von Männern".

Veröffentlicht hat ihn heuer die Stiftung Männergesundheit, die sich seit ihrer Gründung 2006 bemüht, das Gesundheits- und Vorsorgebewusstsein von Männern zu schärfen. "Der Männergesundheitsbericht ist geschrieben für Entscheider, für Familien-, Gesundheits- oder Sozialminister", sagt Klotz. Als wissenschaftlicher Vorstand der bundesweiten Stiftung ist der Männerarzt Mitherausgeber und einer der Autoren, die zusammengetragen haben, was über die männliche Sexualität bekannt ist. "Dieses Wissen kann etwa bei Fragen weiterhelfen, die sich damit beschäftigen, wie Sexualerziehung in Schulen aussehen kann oder wie die Sexualität von Migranten zu sehen ist."

Das Wissen über die männliche Sexualität scheint dabei groß zu sein. Immerhin 450 Seiten umfasst das europaweit einmalige Werk zu diesem Thema, das eine über ein Jahr währende "reine Lustarbeit" gewesen sei. Alle Autoren - es finden sich 32 Beiträge von 41 Verfassern - schrieben unentgeltlich, betont Klotz. Es gibt etwa Kapitel über männliche Sexualität von 1933 bis 2016, über Sexualität im Digitalzeitalter oder im mittleren Alter, über diverse Sextoys sowie über die Sexualität von Flüchtlingen, Sträflingen oder Menschen mit Behinderung. Unterm Strich wird nach jedem Kapitel vor allem eines deutlich: "Wir wissen zu wenig über die männliche Sexualität. Eine Primärforschung, sprich Studien zu all den Themen, fehlt", sagt Klotz.

Besonders weit klaffe die Wissenslücke beim Thema Sex im Alter auf. "Ist das mehr Kuscheln, Geschlechtsverkehr oder wieder etwas anderes? Wir wissen nichts darüber", meint Klotz. Das muss sich ändern, findet der Männerarzt und hat da schon so seine Themenvorstellung für den nächsten, den vierten Männergesundheitsbericht: "Männer und der Rentenübergang" könnte er heißen. "Denn Männer sind sehr stark fixiert auf ihre Berufsrolle." Was dann kurz vor dem Ruhestand geschehe? Wenig - und die Folge: Der Eintritt in den Ruhestand passiere zu abrupt. "Heute stehen die Männer im Beruf und sind der Held - und morgen gehen sie in Rente." Die Folge: Das starke Geschlecht bekommt nicht selten die Krise. Deshalb ist für Klotz der richtige Weg, sich bereits mit 50 Jahren zu überlegen, was geregelt werden muss, um mit 65 oder 70 entspannt in die Rente gleiten zu können.

Für Überlegungen zu Klotz' persönlichem reibungslosen Übergang wird's eng, gibt der Chefarzt zu. Er müsste sich nach der eigenen Theorie schon seit gut fünf Jahren Gedanken machen. Aktuell ist er Mitte 50.

Luthers Liebesformel

Seine Meinung zu Sex soll Martin Luther wie folgt kundgetan haben: "In der Woche zwier, schaden weder ihm noch ihr, macht im Jahre hundertvier." Das antwortete der Augustinermönch einst auf die Frage, wie oft man den ehelichen Pflichten nachkommen solle. (mte)

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