10.04.2018 - 13:22 Uhr
Oberpfalz

Prozessbeginn nach Überfall auf Uhren Heinz "Schülerbande" vor Gericht

Genau am Tag ihrer Inhaftierung im September 2017 hatten zwei der mutmaßlichen Räuber Geburtstag: Arnoldas M. wurde 17 Jahre alt, Liudas L. 18. Die beiden Schüler sollen mit dem ebenfalls 17-jährigen Paulius L. das Uhren-und Schmuckgeschäft Heinz in der Ringstraße überfallen haben. Die jungen Litauer waren dabei mit einem deutlich älteren Anführer unterwegs, Antanas O. (62). Er hat eine Alias-Identität, mit der sich als 50 Jahre ausgibt.

Inzwischen geschlossen: Am 2. September wurde das Uhren- und Schmuckgeschäft Heinz in der Ringstraße überfallen. Die Polizei war schnell vor Ort, weil sie an diesem Samstagvormittag Wahlkundgebungen in der Altstadt begleitete. Bild: Kunz
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Dieser Mann hatte nach Einschätzung der Weidener Staatsanwaltschaft die Aufgabe, die Jugendlichen anzuleiten und zu überwachen. Er kommt - wie die Schüler Paulius und Liudas - aus Kaunas, einer 300 000-Einwohner-Stadt mitten in Litauen. Im Prozess, der am Montag, 16. April, um 9 Uhr vor der Jugendkammer am Landgericht beginnt, wird man vielleicht erfahren, wie die Jungs angeworben wurden. Angeklagt sind versuchter schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung.

Die Anklage beinhaltet einige neue Details: So war der 62-Jährige zunächst mit fünf Begleitern unterwegs. Im Kleinbus war die Gruppe einige Tage vor dem Überfall von Litauen nach Tschechien in die Grenzregion nach Bayern gebracht worden. Zunächst soll auch ein Juwelier in Fürth ausgekundschaftet worden sein. Man entschied sich aber für Uhren Heinz in Weiden.

Erster Anlauf geht schief

Im Vorfeld ging einiges schief. Die Täter sollten in zwei Gruppen per Zug anreisen. Bei einem ersten Anlauf am 1. September verpassten sich die Beteiligten in Weiden und verschoben den Coup auf Samstag, 2. September. Kurz vor dem Überfall bekam ein Beteiligter kalte Füße und kehrte zum Bahnhof zurück. Er saß im Zug, als der Raub versucht wurde.

Die übrigen vier Jugendlichen und der Rädelsführer scheiterten an der Wehrhaftigkeit des Ladenbesitzers. Als dessen Frau an der Theke mit Reizgas attackiert wurde, soll der Inhaber aus der Werkstatt "gestürmt" sein, so die Anklage. Trotz eigener Augenverletzungen durch das Spray drängte er die Angreifer aus dem Geschäft. Die Vier flüchteten ohne Beute. Vor dem Laden hatte der 16-jährige Arnoldas auf einem Rad gewartet. Er sollte die Beute in einem Erdloch am Parkdeck Naabwiesen verstecken. Am gleichen Tag kam es in Weiden und in Zügen bei Selb zu vier Festnahmen, ein Mittäter ist flüchtig.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.