Randalierer im "Alex"
Dynamo-Fans zerlegen Zug

Ein Loch in der Wand, die Schilder abgerissen, das Polster kaputt: So sah der "Alex" am Samstag aus, nachdem 325 Dynamo-Fans nach München gereist waren.
 
Bierdosen, Flaschen, ganze Kästen und anderes: So sah ein Waggon des Alex-Zugs von Hof nach München aus, nachdem ihn die Dynamo-Dresden-Anhänger verlassen hatten. Bilder: Bundespolizei München (3)

Herbert Schmid will mit dem Zug nach München fahren. Am Gleis trifft er auf gewalttätige Fußballfans von Dynamo Dresden, auf dem Weg zum Spiel gegen TSV 1860 München. "Es ist sicher erfreulich, dass die Münchner Löwen 1:0 gewonnen haben. Mir bleibt dieser Tag aus völlig anderen Gründen in Erinnerung."

Am Samstagmorgen wollte er mit einer Reisegruppe zu einem Seminar nach München fahren. 13 Personen: Mitglieder des Weidener Vereins Neue Zeiten, ihre Familien, zwei Kinder. Am Bahnsteig fuhr kurz vor 9 Uhr der "Alex 356" aus Hof ein. Darin saßen Fans des Zweitligisten Dynamo Dresden. "Als wir am Bahnsteig 2 ankamen, wurden wir mit Bier bespritzt, Bierflaschen flogen aus den geöffneten Zugfenstern, es folgten auch Sitzteile der Waggoneinrichtungen", erzählt Schmid, der in Weiden Geschäftsführer von "Arbeit und Leben Bayern" ist. "Das war für uns ein Schock", sagt Rosa Seifert. Die Gruppe versuchte trotzdem, in den Zug zu kommen. Doch der erste Waggon sei zwar leer, aber zugesperrt gewesen, so Schmid.

Aus Sicht von Schmid waren viel zu wenig Polizisten vor Ort. "Sie mussten hilflos zusehen, wie einige hundert betrunkene und randalierende Fans den Zug aus Hof zerlegten", berichtet der Weidener. "Die aggressive Stimmung verunsicherte nicht nur die Kinder, die verbalen Entgleisungen und Beschimpfungen will ich überhaupt nicht wiedergeben." Das Zugbegleitpersonal habe geraten, den Nahverkehrszug nach Regensburg zu nehmen und dort zu sehen, wie man nach München gelange.

Schaden: rund 20 000 Euro

In Regensburg war dieser Zug dann "völlig überfüllt", sagt Schmid. Und es entbrannten heftige Diskussionen. Die Reisenden hätten sich gefragt, "warum diese Randalierer überhaupt aus Sachsen nach Bayern reisen dürften, wieso niemand ihre Taten unterbinde". Schmid: "Auswärtsspiele ohne Publikum wären meines Erachtens schon geeignete Maßnahmen, um Sportvereine mit solch unzivilisierten Anhängern dazu zu bringen, wenigstens an Deeskalationsprogrammen teilzunehmen."

Bei der Bundespolizei laufen nun Ermittlungen gegen gewaltbereite Dynamo-Fans. Auf der ganzen Strecke quer durch Bayern gab es Ärger. Simon Hegewald, Sprecher der Bundespolizei München, nennt Fakten: 325 Dresden-Anhänger saßen in dem Zug, dazu 30 Löwen-Fans und einige Fahrgäste, die nichts mit Fußball am Hut hatten. Einen Waggon hätten Dynamo-Fans "komplett zugemüllt", sagt Hegewald. Außerdem: ein Loch in die Wand geschlagen, ein Fenster zerbrochen, Sitzpolster und Ablagen aus der Verankerung gerissen. Am Waggon entstand ein Schaden von 20 000 Euro.

Züge mit gewaltbereiten Fans werden oft von Beamten ab dem Startbahnhof begleitet, erklärt Johann Miesbeck von der Bundespolizeiinspektion Waidhaus. "Das war hier nicht der Fall", sagt er. "Es wird nicht jeder Zug pauschal begleitet, in dem Fußballfans sitzen", erklärt Hegewald. Polizisten seien zum Beispiel dabei, wenn die Anhänger Gewalt angekündigt haben oder sich unterwegs verfeindete Gruppen treffen. Der Zug der Dynamo-Fans habe in Schwandorf eine längere Pause wegen eines Lokschadens einlegen müssen. Als die Dresdner in München ankamen, standen dort Polizisten bereit, um die Sachsen zum Stadion zu begleiten. Bei der Rückfahrt fuhren am Samstag Polizisten mit. Bereits 2012 waren die Fans des Vereins wegen Ausschreitungen von einem Pokal-Spiel ausgeschlossen worden.

Die Reisegruppe um Schmid und Seifert kam gut und noch vor den Fans im Münchner Bahnhof an. Mit einer Stunde Verspätung schafften sie es zum Seminar - über Pegida in Dresden und Rechtspopulismus.
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