01.03.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Rauschgifthund mit feinem Näschen Bewährung für minder schweren Fall

Der 37-Jährige kommt relativ glimpflich davon: Er ist voll geständig, nicht vorbestraft, hat sechs Monate in U-Haft gesessen und seine Drogenabhängigkeit hat ihn zur Tat verführt.

Symbolbild: Volker Hartmann/dpa
von Autor RNSProfil

Deshalb verhängte das Schöffengericht eine Bewährungsstrafe gegen den 37-Jährigen. Er hatte zusammen mit einem Anderen im August letzten Jahres 20 Gramm Methamphetamin - angeblich zum Eigenverbrauch - aus Tschechien nach Deutschland geschmuggelt. Bei einer Routinekontrolle entdeckten die Schleierfahnder, unterstützt von einem Rauschgifthund, das Druckverschluss-Tütchen mit den beigen Kristallen im Ärmelfutter seiner schwarzen Lederjacke. Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und die beiden Schöffen ahndeten das Verbrechen mit 21 Monaten, die jedoch angesichts der Milderungsgründe zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Der in Montenegro geborene Albaner kam als Neunjähriger infolge des Jugoslawienkriegs nach Österreich. Nachdem er die österreichische Staatsbürgerschaft erlangt hatte, bekam er auch Arbeit, zuerst als Metallarbeiter, später auf dem Bau und schließlich am Fließband eines Autoherstellers. Wegen einer Erkrankung wurde er dort entlassen und war in der Folge lange arbeitslos. Zu dieser Zeit kam er erstmals mit Drogen in Kontakt. Er konsumierte Kokain und später Crystal. Ein Schuldenberg türmte sich auf. Die Privatinsolvenz drohte. Um seine Sucht trotzdem befriedigen zu können, tat er sich mit einem Komplizen zusammen. Für 960 Euro kauften die beiden das Rauschgift auf dem Asia-Markt in Eger und brachten es über den Grenzübergang Waldsassen in die Bundesrepublik.

Über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Matthias Haberl, legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Er zeigte dabei Reue und versicherte, dass er dem Rauschgift abschwören will. Staatsanwältin Carina Särve erkannte auf einen minder schweren Fall der unerlaubten Drogeneinfuhr. Sie plädierte auf zwei Jahre auf Bewährung. Haberl schloss sich ihren Argumenten an.

Richter Heindl war noch gnädiger. Auf eine Unterbringung zur Drogentherapie, wie sie Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder empfohlen hatte, verzichtete er. Die Maßnahme hätte in Österreich durchgeführt werden müssen. Darauf hätte man keinen Einfluss gehabt. Es hätte auch keine Möglichkeit gegeben, sie zu kontrollieren. Außerdem riet Heindl dem Verurteilten: "Sie müssen selbst so gescheit sein, dass sie sich künftig von Drogen fern halten!"

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