24.11.2017 - 16:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Realschülerinnen sammeln Spenden für Hilfsprojekte: "Straßenkind für einen Tag"

Mit Tüchern und Schuhcreme ausgestattet sitzen die Achtklässlerinnen Lena und Martina vor dem Brunnen am Oberen Markt und warten auf Kunden. Andere Realschülerinnen putzen Autoscheiben auf dem Naabwiesenparkplatz  und verteilen den "Neuen Tag" gegen Spende. Sie schlüpfen für einen Tag in die Rollen von Straßenkindern, und sammeln Spenden für Hilfsprojekte.

Mit gespendeten Zeitungen, Putzeimern und Tüchern schlüpfen Realschülerinnen in die Rolle von Straßenkindern. Sie sammeln Spenden für Millionen Kinder, die täglich auf der Straße leben und arbeiten müssen.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Am Freitagvormittag steigt die Kinderarbeit in der Stadt rapide an. Doch alles für den guten Zweck, und freiwillig. 21 Schülerinnen der Sophie-Scholl-Realschule putzen Schuhe in der Innenstadt, reinigen Autos auf Parkplätzen, verkaufen gespendete Zeitungen, machen Musik – und das bei unter zehn Grad. „Da merkt man erst, wie kalt es ist. Nach 30 Minuten mussten wir uns das erste Mal aufwärmen“, erzählt Nikol (14). Mit vier Mädchen bietet sie auf dem Naabwiesenparkplatz Passanten an, Autoscheiben zu reinigen und verkauft gegen eine Spende den „Neuen Tag“.

Die ganze Klasse 8 d macht mit beim Aktionstag „Straßenkind für einen Tag“ des Kinderhilfswerks „terre des hommes“. Die Organisation will auf die erschütternde Anzahl der Kinder und Jugendlichen hinweisen, die auf der Straße leben müssen: etwa 100 Millionen. Das Geld geht an Projekte auf der ganzen Welt, nach Indien, Afrika, und Deutschland. „Auch in Berlin gibt es viele Straßenkinder“, sagt Lehrer Bernhard Kneidl, der das Projekt mit Kollegin Sandra Kühner organisiert.

Lena und Martina (beide 13) putzen Schuhe am Oberen Markt. „Manche Leute schütteln nur den Kopf, wenn wir sie ansprechen. Andere geben einfach eine Spende, und gehen schnell weiter“, erzählt Lena. Doch viele setzen sich und stellen ihren Fuß auf den Schemel. „Unsere Lehrerin Frau Kühner hat uns vorher gezeigt, wie wir putzen sollen. Damit wir die Schuhe auch nicht kaputt machen“, erklärt Martina.

„Die Mädchen besuchen den sozialen Zweig der Schule. Ethik steht im Lehrplan. Wir finden es gut, wenn sie soziales Verhalten auch praktisch ausüben“, sagt Kneidl,  „Jeden Tag würde ich das nicht machen wollen. Aber so find ich’s okay“, sagt Martina, während sie in der Kälte konzentriert die Schuhe eines Passanten poliert.  „Das Schwierigste ist nicht das Arbeiten, sondern die Leute anzusprechen, ihr Interesse zu wecken“, erzählt Nikol. „Aber wir haben schon voll viel verdient.“

 

 

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