23.02.2018 - 20:10 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Redakteure zeigen ihre Zeugnisse und erzählen die Geschichte dahinter "Er stört zu oft den Unterricht"

Wer sich noch heute über das Zwischenzeugnis seiner Kinder von gestern ärgert, der sollte mal flugs an vorgestern denken - und damit an die Bemerkungen, die die Lehrer einem einst ins Zeugnis geschrieben haben. Einige NT-Redakteure zeigen die Belege ihrer Schullaufbahn - und erzählen die Geschichte dahinter.

Zeigt her eure Zeugnisse: So sahen die aus, die Redakteure der Oberpfalz-Medien einst ausgestellt bekamen. Bild: gsb
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Ich war Pelikan-Schreiberin. Mein Banknachbar kratzte mit dem Geha-Füller in seinem Heft herum. Das konnte ja nicht harmonieren. Und tatsächlich: Der von Tinte blaue Mund meines Nachbarn, der regelmäßig die Patronen auszuzelte, schreckte mich immer irgendwie ab. Überhaupt erschließt sich mir bis heute nicht die Sinnhaftigkeit des Fachs Schönschrift. "Ihre bisher recht gute Leistung im Schreiben hat etwas nachgelassen", merkte dann auch Lehrerin Frau Schnupfhagn in meinem Erstklasszeugnis an. Da hatte ich vermutlich schon mächtig viele Zeitungsseiten mit Riesenbuchstaben in Wachsmalkreide vollgekritzelt. Gelernt habe ich trotzdem viel: Meine Tochter ließ ich aus ästhetischen Gründen kein Wort noch einmal schreiben. (ise)

(ise) steht für die Redakteurin Iris Eckert. Sie besuchte die Volksschule in Schirmitz. Nach ihrem Abitur am "Elly" begann 1990 ihre Laufbahn in der Redaktion von Oberpfalz-Medien.

Jahrzehnte später stelle ich fest, die verbale Trickkiste der Pauker ist nicht zu unterschätzen. Beziehungsweise der Intellekt als Erst- oder Zweitklässlerin darf nicht überschätzt werden. Meinte ich doch als Grundschülerin am Tag der Zeugnisausgabe zu wissen, was ich Bahnbrechendes geleistet hatte. Schließlich zahlen doch die Großeltern nicht für nichts fünf ganze, majestätisch in Silber glänzende D-Mark für dieses Dokument. Und was las sich das, was da stand, gut: "Simone ist eine aufgeschlossene, heitere Schülerin. Sie hat guten Kontakt zu ihren Mitschülern." Oder: "Auch in den musischen Fächern setzt sie sich voll ein." Mit der Weisheit des Alters aber steht fest: Ich war eine Ratschkathl, die im Musikunterricht viel zu laut schräg gesungen hat. (mte)

(mte) alias Simone Baumgärtner besuchte die nur einen Steinwurf entfernte Volksschule Kohlberg. Vergessene Pausenbrote konnten also mit nur einem Schrei über den Schulhof nachgeordert werden. Die Lehrer haben's erlaubt. Denn wer isst, ist still. Heute dürften die Essenspausen ein Genuss für die Redaktionskollegen sein.

Danke, liebe Frau Mall! Das ist die Lehrerin mit der schönen Schrift auf dem Zwischenzeugnis, die meine Mitarbeit im Unterricht so lobt. Auch wenn ich Ihren Vornamen längst vergessen habe, eines habe ich nicht vergessen: Sie haben mir in der vierten Klasse den Auftrag erteilt, meine Eltern in die Schule zu schicken. "Was hast du denn angestellt?", wollte meine Mutter wissen. Ich war mir keiner Schuld bewusst, insgeheim aber sicher, dass ich etwas ausgefressen haben musste. Aus dem Gespräch mit Frau Mall kamen meine Eltern mit einer überraschenden Nachricht zurück. Sie hatte dringend dazu geraten, mich aufs Gymnasium zu schicken statt auf die Realschule wie geplant. Wer weiß, ob ich sonst bei der schreibenden Zunft gelandet wäre. Übrigens: Bei uns schrieben alle Volksschüler mit Faber-Castell. Weil die Familie in unserer Gemeinde ein Schloss besaß und alle Abc-Schützen mit Füllfederhaltern ausgestattet hat.

(ps) alias Jutta Porsche hat die Volksschule in Schwarzenbruck (Kreis Nürnberger Land) besucht. Damals übrigens noch mit 53 Mitschülern in der ersten Klasse. Auf das Gymnasium in Neumarkt folgten Volontariat, Arbeit als Redakteurin in Forchheim, ein kurzer Ausflug ins Studium und 1984 schließlich der Start bei Oberpfalz-Medien.

Ich geb es ja zu: Schönschrift - ich gehörte zur Geha-Fraktion - war neben Kunsterziehung eines meiner Lieblingsfächer. Das konnten früher meine Mitschüler nicht verstehen, im Berufsleben durfte ich dafür manche Geburtstagskarte für Kollegen betexten. Meine Klassenlehrerin Frau Kellner sah das 1976 wohl genauso. "Steffi schreibt schön und kann zusammenlesen", steht im Zwischenzeugnis der 1. Klasse. Auch stand da: "Sie ist freundlich, rücksichtsvoll, arbeitet besonnen und verhält sich anständig." Mein Gott, das geht ja runter wie Öl, aber eins steht fest: Als Schülerin war ich eindeutig zu brav. Einen Eintrag, wie ihn mein Banknachbar Thomas im Zeugnis stehen hatte "Er stört zu oft den Unterricht", konnte ich leider nie vorweisen. (shl)

(shl) alias Stephanie Hladik besuchte ab 1976 die Pestalozzi-Schule in Weiden. Hausschuhe waren damals Pflicht. In den Pausen war "Gummihüpfen" angesagt. Nach dem Kepler-Gymnasium ging's zu den Oberpfälzer Nachrichten, danach in den Schwarzwald. Seit Januar 2018 ist sie Redakteurin bei Oberpfalz-Medien.

Der Spott der Kollegen war mir sicher. Und ich habe es auch provoziert, als ich den einen Satz in der Morgenbesprechung vorgelesen habe: "Er muss noch lernen, schriftliche Arbeiten genauer und sorgfältiger zu tätigen." Augen auf bei der Berufswahl! Schriftliche Arbeiten spielen bisweilen ja eine tragende Rolle im Journalismus. Und schon meine Lehrerin der ersten Klasse erkannte, dass sie nichts erkannte - nämlich beim Blick auf meine Klaue. Ich müsse mich "vor allem um eine klare und deutliche Schrift bemühen". "Schrift" blieb in allen Grundschuljahren das Fach mit den schlechtesten Noten. Und erst am Freitag stellte mir unser Praktikant ein vernichtendes Zeugnis aus: Zu zweit habe man gerätselt, welche Notiz ich ihm da auf einem Zettel hinterlassen habe ... (za)

(za) wie Zaruba, Stefan, war in der Schule meist der Letzte. Also in der Reihenfolge. So in der Grundschule Luhe ab 1979. Am Kepler-Gymnasium folgte zumindest zeitweise noch Zitzmann. Dort bewunderte er auch die Redakteure der Schülerzeitung "Moskito". Anklopfen um mitzumachen, traute er sich aber nicht.

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