26.03.2017 - 15:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Reinhard Meier bleibt bis September Chef beim Schwimmverein Galgenfrist bis zur Liquidation

Findet sich kein neuer Vorstand, droht dem Schwimmverein die Liquidation. Diese verhinderte Vorsitzender Reinhard Meier vorerst: Obwohl völlig entnervt, führt er das Amt noch bis zum September weiter. Bis dahin muss eine neue Vereinsführung stehen.

Betretene Gesichter beim Weidener Schwimmverein, als Reinhard Meier (links) seine Entscheidung begründet, warum er nicht mehr für den Vorsitz kandidiert. Daneben seine Vorgängerin, die langjährige Vorsitzende Ulla Albert. Bild: Kunz
von Helmut KunzProfil

Reinhard Meier warf bei der Mitgliederversammlung am Freitagabend das Handtuch. Drei Minuten lang wartete er auf einen Nachfolger. Nichts geschah. Um den Verein nicht führungslos werden zu lassen, was das Liquidationsverfahren bedeutet hätte, erklärte er sich wie seine Vorstandskollegen bereit, bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung den Verein zu führen. Allerdings überlasse er alle Planungen (wie Öffnungszeiten) fortan der Stadt. Chef bleibe er nur, "damit das Kind einen Namen hat". Mit Meier hatten auch seine Stellvertreter Klaus Kunz und Petra Neulinger sowie alle weiteren Vorstandsmitglieder ihre Wiederwahl verweigert, sich dann aber mit ihm bereit erklärt, bis zum September weiter zu arbeiten.

Nur eine Galgenfrist: Hätte sich der bisherige Vorstand nicht erweichen lassen, wäre in spätestens vier Wochen der Verein von Amts wegen beerdigt worden. "Ich habe das Amt vor fünf Jahren nicht aus politischen Gründen übernommen, sondern aus sportlichen", verteidigte Meier seine damaligen Ambitionen. Alle Grußredner bescheinigten ihm, sein Amt mit "Herzblut" ausgefüllt zu haben.

Aufruf verebbt

Bereits im November habe er beschlossen, nicht mehr anzutreten. Wegen persönlicher Anfeindungen und der Verbreitung von Gerüchten. "In nichtöffentlichen Sitzungen des Finanzausschusses habe ich mitbekommen, wie es bei Vereinen läuft, deren Vorsitz nicht ein Reinhard Meier hat. Dies hat mir deutlich vor Augen geführt, dass es immer nur gegen meine Person ging."

Ihm seien Energie und Zeit zu schade, um sich mit diesen Attacken zu beschäftigen. "Solange es Personen gibt, die nicht zwischen Politik und Ehrenamt unterscheiden können, wird es Ärger geben." "Ich habe gedacht, dass heute meine Kritiker Schlange stehen und sich um meinen Posten reißen. Das ist aber leider nicht der Fall."

Im Gegenteil: Wahlleiter Herbert Tischlers Aufruf, sich für den Vorsitz zu bewerben, verebbte. Tischler stellte fest: "Diejenigen, die das Maul aufreißen, sollen sich vorne hinstellen und kandidieren." Sollte der Schwimmverein untergehen, dann verschwinde einer der zehn erfolgreichsten Wassersportvereine Bayerns. 280 Jugendliche könnten ihren Sport nicht mehr ausüben. Die Existenz des einen oder anderen Angestellten - der Schwimmverein beschäftigt elf sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer und fünf Mini-Jobber - stehe auf dem Spiel.

Schatzmeister Norbert Ziegler bezifferte die Investitions- und Instandhaltungskosten für das Schätzlerbad in den letzten fünf Jahren auf eine Million Euro. Meier beklagte, manche Meldungen und Gerüchte hätten den Verein richtig Geld gekostet. Nicht der Schwimmverein sei Nutznießer der Vereinbarungen, sondern die Stadt. "Sie spart durch uns pro Jahr 350 000 Euro für ein deutschlandweit einmaliges Freibad." Meier nannte die erwirtschafteten Eigenleistungen: "Rechnet man sie seit Vertragsbeginn im Jahr 1984 hoch, dann sind das 11,5 Millionen Euro."

Als "traurig, traurig, traurig", wertete Bürgermeister Jens Meyer die Situation. Er könne aber nicht für den Finanzausschuss sprechen. Zugleich verwies er auf die große Erfolgsgeschichte des Vereins. Keiner hätte sich bei der Gründung vor 96 Jahren träumen lassen, dass aus dem Verein ein Olympiateilnehmer hervorgehen würde. Meyer versicherte: "Die Stadt steht hinter ihrem Schätzlerbad."

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