Rekordbeteiligung bei Wintervogelzählung 2018
Immer weniger Vögel in Gärten

Die Kohlmeise ist wieder da. Nachdem sie sich im letzten Jahr rar machte, belegt sie bei der diesjährigen Wintervogelzählung wieder den ersten Platz vor dem Haussperling. Bild: Frank Derer

In den Gärten zwitschert es, sehr zur Freude der Vogelschützer, auch im Winter. Bayernweit zählen 32 000 Teilnehmer über 670 000 Vögel und sorgen bei der diesjährigen Winterzählung zunächst für Rekorde.

Weiden/Neustadt. Eine Stunde lang legten sich Anfang Januar Bürger in Gärten, auf dem Balkon oder in Stadtparks auf die Lauer und zählten Vögel. Die "Stunde der Wintervögel", eine deutschlandweite Initiative des Landesbund für Vogelschutz (LBV) und NABU, gibt es seit nunmehr 13 Jahren und sie erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

"Wir hatten so viele Teilnehmer wie noch nie", sagt Markus Erlwein von der LBV-Landesgeschäftsstelle in Hilpoltstein. Die Freude werde jedoch getrübt: "Zwar wurden mehr Vögel gezählt, im Durchschnitt 34 pro Garten. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es insgesamt leider immer weniger werden. 2011 wurden noch 42 Vögel gezählt."

Aber jetzt erst einmal zu den Ergebnissen 2018: Am häufigsten gesichtet wurde in Bayern die Kohlmeise, vor dem Haussperling (Spatz) und dem Feldsperling. Die Plätze vier und fünf belegen die Blaumeise und die Amsel. Das deckt sich im wesentlichen mit den Sichtungen in der Region. In Weiden meldeten 100 Teilnehmer 2035 Vögel in 70 Gärten. Spitzenreiter ist auch hier die Kohlmeise, vor Amsel und Haussperling. Im Landkreis Neustadt/WN zählten 270 Teilnehmer 6602 Vögel in über 200 Gärten - allen voran die Kohlmeise vor Feld- und Haussperling. Viele der Meisenarten (Blau-, Tannen- und Haubenmeisen) hatten im letzten Jahr gefehlt, sagt Erlwein, seien aber in diesem Jahr wieder zurückgekehrt. Auch der Amselbestand, 2017 noch das Sorgenkind, scheint sich wieder zu erholen.

Aus der Fläche vertrieben

Dass es den Feldsperling vermehrt in die Stadt zieht, sei eine Entwicklung der heutigen Zeit. "Als klassischer Feldvogel findet er immer weniger Hecken und Gehölze, dafür aber landwirtschaftliche Monokulturen vor und wandert in die Gärten ab", sagt der LBV-Sprecher. "Ihm geht es eigentlich nicht gut. Sein Verwandter, der Haussperling, steht sogar auf der Vorwarnliste für bedrohte Tierarten."

Auch die Elster sei als Feldvogel immer mehr in Siedlungsgebieten anzutreffen. Weil sie groß, auffällig und meist laut ist, werde sie von den Menschen rein subjektiv mehr wahrgenommen, ihre Gesamtzahl sei aber nicht gestiegen. "Richtig Sorgen bereitet uns hingegen die Goldammer. Hier gibt es bei den Zählungen einen Einbruch um 38 Prozent", sagt Erlwein. Auch dieser Feldvogel werde langfristig aus der Fläche vertrieben.

Stare ziehen weniger

Milde Winter und ein ausreichendes Futterangebot lassen so manchen Zugvogel in heimischen Gefilden bleiben. So fühlte sich zum Beispiel der "Vogel des Jahres 2018", der Star, besonders im nördlichen Bayern wohl. "Mit 6500 Exemplaren wurde eine Rekordzahl an Überwinterern gezählt", so der Experte. Ebenfalls häufig traten Zilpzalp, Hausrotschwanz und Bachstelze auf. Rekordverdächtig sind auch die Meldungen von Spechten. So fiel der Buntspecht am häufigsten auf und schaffte es immerhin auf Platz 11.

Was hat den Vogelexperten bei der diesjährigen Aktion besonders gefreut? "Es wurden tatsächlich zwei Steinkäuze gesichtet und vier Kraniche. Ob es Winterflüchtlinge waren oder bereits Rückkehrer, wissen wir aber nicht", sagt Erlwein. Übrigens: Mit im Schnitt nur 21 Vögeln pro Garten ist München die vogelfeindlichste Stadt Deutschlands.

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Alle Ergebnisse gibt es unter:

www.stunde-der-wintervoegel.de

"Vögel zu füttern rettet keine Art, aber unterstützt sie. Außerdem macht es Spaß, sie dabei zu beobachten."Markus Erlwein, LBV-Pressesprecher
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