31.03.2017 - 08:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Revolution bei Krebsbekämpfung

Selten gab es in einem Vortrag über Krebsbekämpfung soviel Euphorie. Offensichtlich ist ein echter Durchbruch gelungen.

Prof. Dr. Wolfgang Herr vom Universitätsklinikum Regensburg (3. von links) stellte die Immuntherapie in der Krebsbekämpfung vor. Moderiert wurde die Fortbildungsveranstaltung durch (von links) Chefarzt Prof. Dr. Frank Kullmann, Dr. Thomas Schichtl und Robert Funk vom Medizinischen Versorgungszentrum Onkologie in Weiden Bild: SBÜ
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Schon das Thema versprach viel: "Von Antikörpern, T-Zellen und Stammzellen: Neue Medikamente revolutionieren die Tumortherapie". Der Direktor der Klinik- und Poliklinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Regensburg, Professor Dr. Wolfgang Herr, sprach dazu in Weiden in der Personalcafeteria bei einer Fortbildungsveranstaltung der Medizinischen Klinik I. Chefarzt Professor Dr. Frank Kullmann stellte den Kollegen als "absoluten Spezialisten" auf dem Gebiet neuerer Therapieansätze vor, wie der Immunhämatologie.

Hautkrebs und Leukämie

Gleich zu Beginn sprach Herr nochmals vom "revolutionären Charakter" der neuen Tumortherapie. "Wir haben es mit der wirksamsten Krebstherapie seit 30 Jahren zu tun." Später machte er deutlich, dass diese Immuntherapie mit T-Zellen vor allem bei Hautkrebs und bei Leukämie bereits hohe Erfolgsraten aufweise. Bei anderen Krebsarten sei noch Forschung und Entwicklung erforderlich, die der Mediziner allerdings ebenfalls sehr optimistisch beurteilt.

Nebenwirkungen wie Durchfälle oder Schilddrüsenprobleme seien zu beachten. T-Zellen oder auch T-Lymphozyten entwickelt der Körper unter anderem gegen Virusinfektionen. "Aber auch in der Abwehr von Tumoren haben sie Bedeutung", so Herr. Deshalb seien sie auch "effektive Tumortherapeutika". "Tumor-reaktive" T-Zellen können Tumorzellen erkennen und, "wenn der Rezeptor passt", zerstören. Impfungen mit T-Zellen seien noch nicht zugelassen.

T-Zellen müssten sich vermehren und zum Tumor gelangen. Diesen Prozess nannte der Professor noch "störanfällig". Bei der erfolgreicheren Methode würden Lymphozyten aus dem Tumor genommen, im Reagenzglas verändert und dann dem Patienten als Infusion gegeben. So könne man "Killerzellen" erzeugen. Bei 40 bis 50 Prozent der Patienten hätten sich Rückbildungen bei Hautkrebs und Nierenkarzinom ergeben. Das Verfahren sei besser als die Chemotherapie, die bei Hautkrebs lediglich circa 20 Prozent Erfolgsquote habe. Prof. Herr sprach in diesem Fall bereits von "klinischer Reife". Auch im Falle akuter Leukämie seien erhebliche Erfolge zu erzielt worden.

Vorgestellt wurde ein drittes Verfahren, das mit sogenannten CAR-T-Zellen arbeitet. Diese Kombination von Immun- und Gentherapie sei allerdings noch in "früher Studienphase". Aber die ersten Patienten würden in Deutschland bereits damit behandelt. Getestet würde auch der Einsatz der Immuntherapie bei weiteren Tumorarten. Unstrittig sei, "dass das Prinzip sehr effektiv ist".

Unterstützung dabei, den Widerstand des Tumors gegen die Immuntherapie zu brechen, kann ein neu entwickelter Wirkstoff namens "Checkpoint-Blockierer" leisten. Zusammen mit der Immuntherapie sei zu erwarten, dass "15 bis 60 Prozent aller Krebspatienten geholfen werden kann". Erste Medikamente der Immuntherapie sind bereits zugelassen, stellt Professor Herr fest. Viele Pharmafirmen seien am Start: "Ihre Aktienkurse gehen durch die Decke."

"Dramatische Erfolgen"

Nach wie vor wären konventionelle Therapien wie Operation, Chemo oder Bestrahlung auch weiter erforderlich. Verbesserungen durch die Immuntherapie werden vor allem in Bezug auf Nachhaltigkeit erwartet. Bisher hätte sich bei rund der Hälfte der Patienten ein Tumor erneut entwickelt, obwohl er komplett aus dem Körper entfernt war. Noch sei vieles nicht ausgereift und es gebe sehr unterschiedliche Ergebnisse je nach Krebsart. Trotzdem sprach Herr von "dramatischen Erfolgen" der Immuntherapie.

Ihre Aktienkurse gehen durch die Decke.Professor Wolfgang Herr über beteiligte Pharmafirmen
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