Sanft, natürlich und angstfrei: Wie Entspannungspädagogin Lydia Schell die Geburt zu einem schönen Erlebnis werden lässt
Ganz entspannt ins Leben

(Foto: Norbert Eimer)
 
(Foto: Norbert Eimer)
(Norbert Eimer)

Man sagt: Wenn die Mutter ihr neugeborenes zum ersten Mal in den Händen hält, dann sind alle Schmerzen der Geburt vergessen. Der erste Blick ins Gesicht, die erste Berührung – so schlimm die Wehen und vorangegangenen Stunden auch gewesen sein mögen, was zählt, ist einzig und allein das jetzige unbeschreibliche Mutterglück. „Der Weg zum Mutterglück führt nicht zwangsläufig über Schmerzen und Leiden“, sagt Lydia Schell. Die Entspannungspädagogin zeigt Schwangeren und deren Partnern Möglichkeiten auf, die Geburt zu einem rundum schönen Erlebnis werden zu lassen. Mehr noch: „HypnoBirthing ist eine natürliche Methode, Geburtsschmerzen ganz oder teilweise zu vermeiden sowie die Geburt entspannt und bewusst zu erleben oder gar zu genießen.“

Es scheint, als sei dies eine der ältesten Formeln der Menschheit, dass „ein Kind nur unter Schmerzen geboren werden kann“ – ein von Frauengeneration zu Frauengeneration weitergegebener vermeintlicher Grundsatz. Dabei ist eine sanfte Entbindung so wünschenswert wie seit jeher auf vielfältige Weise angestrebt. Die Idee einer schmerzfreien Geburt in Verbindung mit Entspannung ist nicht neu. HypnoBirthing führt diese Idee allerdings weiter, als dies in oftmals herkömmlichen Geburtsvorbereitungskursen der Fall ist. Die Philosophie beginnt bereits mit der Sprache. „Wir sprechen nicht von Wehen, sondern von Wellen. Von Wellen, die kommen und gehen wie am Meer.“ Gerade für Erstgebärende seien solche Bilder wichtig, denn wenn zum ersten Mal eine Wehe, also eine Welle auf die Frau zukomme, sei die Verunsicherung groß: Was passiert jetzt? Halte ich den Schmerz aus? „Zu wissen, dass eine Welle garantiert wieder abebbt, bietet psychische Sicherheit und Stabilität.“

HypnoBirthing ist in erster Linie ein Partnerkurs, bei dem die Entspannung im Mittelpunkt steht. Beide Seiten lernen, sich ganz bewusst und gezielt zu entspannen, mit einer Art Selbsthypnose wie dem bewährten Autogenen Training. „Durch das Wiederholen bestimmter Schlüsselsätze werden Körper und Geist in einen tiefen Entspannungszustand versetzt – Schmerzen und äußere Einflüsse spielen dann eine untergeordnete Rolle.“ Je öfter diese Selbsthypnose vor der Geburt trainiert werde, desto besser gelinge diese während der Geburt. „Ein entspannter Körper bedeutet eine entspannte Gebärmutter, diese wiederum begünstigt, dass auch das Baby entspannter rausschlüpfen kann“, so Entspannungspädagogin Lydia Schell.

„In den Selbsthypnoseeinheiten hat jeder Teilnehmer weiterhin die volle Kontrolle über sich, seinen Körper und die Situation. Es geht darum, den Trancezustand für sich positiv zu nutzen, vor allem dann, wenn der Körper in einer Extremsituation wie einer Geburt sich befindet.“ Im Idealfall beginnen die Frauen und deren Partner in der 20. Schwangerschaftswoche mit dem Kurs, um ausreichend Zeit zur intensiven Vorbereitung zu gewährleisten. Vorbereitung darauf, dass der weitere Verlauf der Schwangerschaft und die Entbindung am Tag X zu einem schönen Erlebnis wird.

Zurück zur Sprache: Aus Wehen werden Wellen – und aus Pressen wird Drücken sowie Schubsen. „Wir versuchen weniger das Pressen zu forcieren, als vielmehr die Atmung gezielt einzusetzen. Wenn Frauen die Luft anhalten und dabei die Zähne zusammenpressen, fördert das keine sanfte Geburt. Wer hingegen mit richtiger Atmung den Druck nach unten unterstützt, regt die natürliche Geburt an.“ Für Lydia Schell ist von entscheidender Bedeutung, dass sich die Entspannung auf einer individuell optimalen Basis entfalten kann. Und dazu sei es notwendig, eventuelle Ängste aufzuspüren und aufzulösen. „Wer tief entspannt wird mitunter konfrontiert mit tief sitzenden Ängsten. Auch und gerade, was das noch ungeborene Kind betrifft: Werde ich den Ansprüchen des Kindes genügen? Bewältige ich die vielen Herausforderungen? Emotional? Finanziell?“ Um die Voraussetzungen für eine sanfte Geburt zu schaffen, sei es wichtig, alle diese Fragen ehrlich zu betrachten.

Dem Partner kommt vor und während der Geburt eine wichtige Rolle zu: Ist das Licht angenehm? Soll Musik im Hintergrund laufen? Eine Massage nimmt der Frau den Druck – viele vermeintliche Kleinigkeiten obliegen dem Partner, das Umfeld und die einzelnen Phasen der Geburt optimal zu gestalten. Lydia Schell selbst ist bei den Geburten nicht dabei, die zertifizierte Kursleiterin von HypnoBirthing stellt klar: „Ich bin keine Hebamme und kein Arzt.“ Ihre Aufgabe sieht die zweifache Mutter darin, jeder Schwangeren ihren ganz persönlichen Weg aufzuzeigen: Schmerzfrei und voller Freude zum Mutterglück.

HypnoBirthingDer englische Geburtshelfer Dr. Grantly Dick-Read (1890 – 1959) beobachtete, wie manche Frauen ihre Kinder ohne viel Aufhebens natürlich und sicher zur Welt brachten – und andere unter äußerst schmerzhaften Geburten litten. Seine These: Der Körper von Frauen, die Schmerzen erwarten und Angst davor haben, kann sich nicht entspannen. Eine Art Teufelskreis entsteht – das Angst-Spannung-Schmerz-Syndrom. Die Anspannung hemmt den natürlichen Geburtsvorgang und verursacht so zusätzliche Schmerzen und oft sogar Komplikationen.

Die HypnoBirthing Gesellschaft Europa (HBGE) setzt sich ein für sanfte Geburtsmethoden, insbesondere für HypnoBirthing und für einen ethisch verantwortungsvollen Umgang damit. Kursleiterinnen werden sorgfältig geschult, müssen sich zu Einhaltung der entsprechenden Qualitäts-Anforderungen verpflichten und werden regelmäßig zertifiziert – Lydia Schell ist eine von ihnen. Die Weidenerin vermittelt das HypnoBirthing-Programm in Gruppen- und Einzelkursen. Krankenkassen übernehmen teilweise die Kosten. Infos unter www.lydiaschell.de
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