Schlitterpartie in Weiden und Landkreis Neustadt/WN
Rettungsdienste wegen Blitzeis schwer gefordert

Symbolbild: dpa

Hüfte, Hinterkopf, Handgelenk, Nasenbein, Unterschenkel, Unterarm, Rücken. Wenn Jürgen Meyer von der Integrierten Rettungsleitstelle (ILS) die Brüche und Verletzungen der Nacht zum Freitag aufzählt, ist fast jedes Körperteil dabei. Die Ursache ist immer die gleiche: Blitzeis.

Weiden/Neustadt. Nachdem die Telefone in der Leitstelle ausgekühlt sind, liest sich die Bilanz gediegen. Die Ambulanz hat zwischen Mitternacht und 12 Uhr mittags 49 Fälle verarztet - 27 in Weiden, 16 im Kreis Neustadt, 6 im Kreis Tirschenreuth. Betroffen waren Männer und Frauen zwischen 18 und 88 Jahren.

Die gute Nachricht: Schwerere Verletzungen als Brüche waren nicht dabei. Waren Autofahrer betroffen, ging es mit Blechschäden ab. Zwischen Pleystein und Floß erwischte es einen Notarzt, der im Graben landete. Glück gehörte eben auch dazu. So entdeckte ein Autofahrer, der im Gewerbegebiet Westlich der Neustädter Straße darauf wartete, dass eine Waschstraße seinen Wagen säubert, im Straßengraben eine verletzte Passantin. Sie war ausgerutscht und kam nicht mehr auf die Beine.

Auch andere haben sich ein Kompliment verdient, sagt Weidens Bauhofchef Manfred Meßner: "Alle Verkehrsteilnehmer waren vorsichtig und vernünftig." Meßners Mannen waren seit 4.30 Uhr unterwegs. Ihr neuralgischer Punkt war die Fußgängerzone. "Das liegt einerseits am Belag. Zudem war schon gesalzen, dann hat es nochmal überfroren."

Problemfall Parkstein

Weder Firmen noch Schulen in der Stadt oder im Landkreis klagten am Morgen über verspätete Mitarbeiter. Mit einer Ausnahme: Die Busse über Parkstein hatten bei der spiegelglatten Steigung keine Chance. "Um 7.30 Uhr haben wir die Schulen angerufen, dass es nicht klappt", sagt Busunternehmer Wolfgang Wies. Die Gemeinde Parkstein habe ihr Möglichstes getan und bestens gestreut. Das Problem sei die Kreisstraße von Hütten über Parkstein, Buch, Meerbodenreuth nach Altenstadt und Neustadt gewesen. "Der staatliche Bauhof an der B 470 in Weiden hat vielleicht ein zu großes Gebiet zu betreuen", mutmaßt Wies.

Schulkinder und andere Fahrgäste hätten allerdings spätere Busse nehmen können. Bis dahin hatten einige findige Schüler aber schon per Whatsapp die Parole ausgegeben, dass die Schule leider, leider ausfällt.

Das war jedoch nur im Kreis Bayreuth und um Schwandorf der Fall. Wies fallen in der Region sonst nur drei verzögerungsträchtige Zonen ein. Der Berg zur Waldrastkirche, die Bundeswehrschießanlage in Weiden-West sowie Leuchtenberg.

ILS-Sprecher Meyer kann dagegen nicht klagen. Alle Einsätze hätten innerhalb der gesetzlichen 12-Minuten-Frist erledigt werden können. Neben Glatteis-Geschichten seien nach Mitternacht auffallend viele Herzinfarkte und Schlaganfälle dabei gewesen. Woran das liegt, kann Meyer nicht erklären. "Unser Tagesgeschäft ist aber vor Weihnachten immer extrem."

Dazu komme, dass viele keinen Respekt mehr vor dem Notruf zeigten. "Altkleider abzugeben", "Toter Vogel auf dem Pflaster beim Wöhrl", "Der Nachbar wäscht in der Einfahrt sein Auto" - wegen solcher Lappalien verstopfen Zeitgenossen die 112. Meyer ist deswegen an Heiligabend und den Feiertagen nicht wegen Glatteis bange. "Da rufen ganz viele Leute wegen psychosozialer Probleme an." Doch wer einsam, verlassen oder deprimiert ist, sei nur bei der Telefonseelsorge unter 0800/1110-111 oder - 222 richtig aufgehoben.

Zum Thema: Zu schnelle Fahrten bei "Blitzeis": Hoher Sachschaden und eine Verletzte bei Unfallserie auf A93
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