29.09.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schreibwerkstatt mit dem Kulturpreisträger

Die Liste der Literatur- und Kulturpreise, die der Lyriker Nevfel Cumart bekommen hat, ist sehr lang. Zuletzt kam noch das Bundesverdienstkreuz am Bande dazu. Berufsschulleiter Josef Weilhammer ist es gelungen, den Dichter zu einer kreativen Schreibwerkstatt mit den Studierenden der Arabisch-Dolmetscher-Akademie zu gewinnen.

Schriftsteller Nevfel Cumart (rechts) mit den Teilnehmern der Schreibwerkstatt. Nur kurzfristig durften die beiden Lehrerinnen (stehend von links) Andrea Hielscher und Katharina Kiener im Raum sein. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Zwei Tage arbeitete Cumart mit der Klasse. Die Teilnehmer sollten "jenseits des Schulgeschehens" Gelegenheit haben, sich mit Themen ihres eigenen Lebens zu beschäftigen. "Schreiben dient als Mittel zur Selbstfindung", beschreibt Cumart Inhalt und Ziel der Schreibwerkstatt. Da die Studierenden überwiegend einen Fluchthintergrund aufweisen, war es naheliegend, über Themen zu schreiben wie "Leben in der Fremde" oder "Woher ich komme". Geschrieben wurde auch über die Frage "Was finde ich schlimm in meinem Leben?" und "Was bereitet mir Freude?". Für Cumart, der schon öfter solche Schreibwerkstätten organisiert hat, geht es dabei auch darum, das eigene Können zu stärken und sich auf anderem Wege als üblicherweise durch Sprache mitzuteilen.

Mit großer Begeisterung machten sich die Teilnehmer an die Arbeit. Zwischen den Themenblöcken bestand Gelegenheit, die Texte vorzulesen. "Die Teilnehmer müssen sich wohlfühlen, deshalb versuche ich, jeden störenden Einfluss fernzuhalten." So wurden zum Beispiel Lehrer nicht geduldet. Und literarische Meisterwerke würden ohnehin nicht erwartet. Am Ende der zwei Tage zog Cumart Bilanz: "Es waren sehr bewegende Texte." Die Autoren beschrieben, wie sie die Hände ihrer Mutter küssen oder wie es ist, alleine aufzustehen unter Fremden "und viertausend Kilometer entfernt von meiner Familie". Überhaupt hätte das Thema Familie in den Texten eine sehr große Rolle gespielt. Dies sei auch sehr verständlich, meint Cumart: "Wer verlässt schon freiwillig seine Heimat?".

Der Schriftsteller ist in Deutschland geboren, seine Eltern stammen aus Syrien. Für Klassenleiterin Katharina Kiener sollte mit diesem Projekt "ein anderer Zugang zur deutschen Sprache geschaffen werden". Die Texte sollen im Jahresbericht der Fachakademie veröffentlicht werden.

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