Schüler der Integrationsvorklasse müssen Berg an Arbeit bewältigen
Elite vor dem Mount Everest

Büffeln für das große Ziel: Den Schülern der Integrationsvorklasse an der FOS/BOS Weiden wird nichts geschenkt. Ihren Lehrern - im Bild Michaela Reichenberger - allerdings auch nicht, weiß Schulleiterin Gabriele Dill. Archivbild: Götz

"Wir haben die Elite. Aber die hat den Mount Everest vor sich." So beschreibt FOS/BOS-Chefin Gabriele Dill den Berg an Arbeit, den die Schüler der Integrationsvorklasse zu bewältigen haben.

Im Integrationsbeirat informieren die Schulleiterin und ihr "Vize" Jürgen Gleixner über die Klasse, die im Februar neu ins Leben gerufen wurde. Damals als eines von drei Modellprojekten in ganz Bayern. In der Integrationsvorklasse werden junge Asylbewerber auf das Studium vorbereitet. "Sie ist aber auch für junge Aussiedler oder Migranten gedacht, bei denen noch Sprachprobleme bestehen", machte Gabriele Dill klar. Künftig startet der Unterricht immer im September. Für den nächsten Jahrgang findet am Dienstag, 17. Januar, um 17.30 Uhr ein Informationsnachmittag statt. Alle Interessenten müssen außerdem ein Aufnahmeverfahren bestehen.

Mindestens A 2-Niveau

Die Anforderungen sind insbesondere für junge Asylbewerber nicht leicht. Voraussetzungen sind ein mittlerer Schulabschluss und Deutschkenntnisse mindestens auf A 2-Niveau, "besser wäre B 2". Aber auch die Lehrer stehen laut Dill vor einer gewaltigen Herausforderung. "In der Klasse sind Jugendliche aus dem Iran, Irak, Syrien, Afghanistan, der Ukraine und verschiedenen afrikanischen Ländern." Um sie entsprechend fördern zu können, darf die Schülerzahl nicht zu hoch sein.

Von den Jugendlichen, die im Februar mit der Vorbereitung aufs Abitur begannen, hätten zwei aufgehört. "Die haben allerdings tolle Ausbildungsplätze bekommen." Einer bei BMW in München, der andere als Heizungsmonteur. Dill: "Das sind hochwertige Berufe." Berufswünsche der übrigen Schüler sind unter anderem Ingenieur oder Apotheker.

Als eine der ersten drei Modellschulen in Bayern, musste die FOS/BOS in Weiden dieses Projekt "aus dem Boden stampfen", berichtete Jürgen Gleixner. Die Unterstützung von Leonhard Dietrich (Volkshochschule) und Manfred Wichmann (Europaberufsschule) sei dabei Gold wert gewesen. Auch Gleixner bezeichnete die Integrationsvorklasse als "Elite-Angebot", das den Schülern viel abverlange. "Sie sind alle sehr schlau, können es aber manchmal nicht zum Ausdruck bringen." Denn die Vorkenntnisse in Deutsch, aber auch in Mathematik und Englisch seien sehr unterschiedlich.

Das syrische Schulsystem habe sich als sehr gut erwiesen. "Viele der Abiturzeugnisse werden in München anerkannt." Auch der Bildungsstand der Jugendlichen aus dem Iran, Irak und der Ukraine sei relativ gut. Das schulische Niveau in den anderen Ländern könne da in der Regel nicht mithalten. Wichtig sei deshalb die Potenzial-Analyse im Vorfeld, um die Jugendlichen entsprechend einzuordnen. "Es gibt da einen sehr effektiven Test."

Dass dieser Unterricht auch den Lehrern viel abverlangt, betonten Dill und Gleixner im Integrationsbeirat, geleitet von Stadtrat Veit Wagner, mehrfach. Aber - so Gleixner: "Das ist eine Investition in die Zukunft." Denn wenn die Jugendlichen in Deutschland bleiben, was sie sich wünschen, haben sie beste Chancen. "Egal, ob einer anschließend studiert oder eine gute Ausbildung macht." Der Aufwand lohnt sich also. Und davon betreiben die Lehrer nicht wenig. Sie haben bereits mehrere Fortbildungen absolviert. Und das sogar gerne, betonte Dill: "Unsere Lehrer sind begeistert dabei."
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