13.12.2017 - 19:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schulamtsdirektorin gibt Auskunft Übertritt schwere Phase für Eltern

Wenn in der vierten Klasse der Übertritt des Kindes ansteht, sind manche Eltern ratlos. Was ist für mein Kind das Beste? Schulamtsdirektorin Christine Söllner vom Staatlichen Schulamt Weiden/Neustadt beantwortet die wichtigsten Fragen zum Übertritt:

Schulamtsdirektorin Christine Söllner. Bild: Götz
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Wie können sich Eltern über das Thema informieren?

Christine Söllner: Wir bieten Elternabende mit unseren Beratungslehrkräften an den Schulen. Wichtig ist die persönliche Beratung durch die Lehrkraft, und es gibt eine Vielzahl an Broschüren. Zusätzlich gibt es Grundschullehrkräfte, die sogenannten Lotsen, die an weiterführende Schulen wie Realschulen und Gymnasien für einige Stunden abgeordnet werden. Sie sind Brückenbauer zwischen den Schularten und auch für die Beratung der Eltern zuständig. Das Kultusministerium stellt außerdem Informationen zum Übertritt und den Schularten auf seiner Homepage zur Verfügung.

Was ist für mein Kind das Beste?

Da würde ich mir wünschen, dass es keine einsame Entscheidung ist, sondern dass sich alle, die zum Wohle des Kindes wirken, an einen Tisch setzen. Das sind etwa Lehrkräfte, der Schulleiter, Eltern, auch das Kind selbst. Und wir haben ja unsere Beratungskräfte bis hin zu den Schulpsychologen, die immer auch befragt werden können. Die Eltern werden nicht alleine gelassen. Für Sonderfälle, die vor Ort nicht geklärt werden können, gibt es noch die staatliche Schulberatungsstelle in Regensburg.

Welche Regeln gelten für den Übertritt?

Die Eltern können sich sehr gut auf der Homepage des Kultusministeriums informieren: Anfang Mai erhalten alle Schüler der Jahrgangsstufe 4 ein Übertrittszeugnis. In diesem wird die Eignung für den weiteren Bildungsweg festgestellt. Die Schullaufbahnempfehlung stützt sich auf den Gesamtnotendurchschnitt der drei Fächer Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht. Bei einem Gesamtnotendurchschnitt in diesen Fächern bis einschließlich 2,33 erhält die Schülerin bzw. der Schüler eine Empfehlung für dass Gymnasium. Bei einem Schnitt bis einschließlich 2,66 erhält die Schülerin bzw. der Schüler eine Empfehlung für die Realschule, bei einem Schnitt ab 3,00 eine Empfehlung für den Besuch einer Mittelschule.

Was ist, wenn mein Kind den Schnitt nicht schafft?

Dann gilt es zu klären, welcher Schultyp für das jeweilige Kind passend ist. Natürlich ist hier die Expertise der Lehrkraft wichtig und sollte bei der Entscheidung gehört werden. Auch ein Probeunterricht ist möglich. Er wird an den weiterführenden Schulen abgehalten (Gymnasium, Realschule, Wirtschaftsschule) und dauert drei Tage. An den Gymnasien und Realschulen sind unsere Lotsen eingebunden. Sie leisten eine Verquickung zwischen Grund- und weiterführender Schule und beraten die Eltern. Für die Aufnahme in den Mittlere-Reife-Zug der Mittelschule ist eine Aufnahmeprüfung nötig, falls der Schnitt nicht erreicht wird.

Gibt es noch andere Möglichkeiten, mein Kind auf eine weiterführende Schule zu schicken?

Das bayerische Schulsystem bietet eine große Bandbreite an hochwertigen, begabungsgerechten Bildungswegen. Sie werden den Eltern auch auf den Übertrittsabenden vorgestellt. Das bayerische Schulsystem ist komplett durchlässig. Nach jedem Abschluss gibt es weitere Anschlussmöglichkeiten.

Im ländlichen Raum gibt es oft den Vorwurf, Schulen benoteten bewusst schlechter, um die Klassenstärke zu halten.

Das Gerücht hält sich komischerweise hartnäckig. Das ist eine reine Unterstellung, das muss ich von uns weisen. In jeder Schule werden die gleichen überprüfbaren Standards eingehalten.

Was ist von diesem Credo zu halten: "Am Ende entscheiden eigentlich immer die Eltern"?

Die Eltern sind schon in einer schwierigen Phase der Entscheidungsfindung. Ich würde allen Eltern raten, sich mit allen an der Erziehung Beteiligten zusammenzusetzen. Je mehr Personen die Entscheidung tragen, desto besser für das Kind.

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