21.07.2017 - 14:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schulleiter erwarten schultaugliche Kleidung: Nicht zu nackt!

Sommer, 30 Grad. Da ist Schwitzen angesagt. Konzentrieren ist oft unmöglich. Viele Schüler haben dafür eine Lösung: Shorts für die Jungs, Hotpants für die Mädchen.

Im Sommer ein alltägliches Bild: Mädchen sind in kurzen Hosen unterwegs. Allerdings geht es auch noch kürzer - bei manchen Mädchen sind die Pobacken am unteren Rand der Hose zu sehen. Da ist dann auch für Schulleiter Schluss mit lustig. Bild: Matthias Merz/dpa
von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

Weiden/Kemnath/Eschenbach. Je kürzer, desto besser: Das scheint momentan auf den Pausenhöfen in der Region absolut Trend zu sein - und bei dem Sommerwetter auch nicht abwegig. Die Leiter vieler Schulen drücken bei luftigen Klamotten gerne mal eine Auge zu - wenn die Kleidung trotzdem angemessen und schultauglich ist.

Die Kemnather Realschule soll Gerüchten zufolge ein Verbot für zu kurze Kleidung verhängt haben. Direktor German Helgert weiß davon aber nichts: "Das stimmt nicht. Bei uns gibt es lediglich eine Hausordnung." Die stellten Vertreter von SMV, Lehrerkonferenz und Elternbeirat zusammen auf. Und darin ist auch nur zu lesen, dass die Kleidung nicht zu freizügig sein solle, betonte Helgert. "Ich denke, das ist im Interesse der Schüler und der Eltern, dass es da keine Vorschrift gibt."

Gerüchte stimmen nicht

Bisher hatte er noch nie den Fall, dass er Schüler wegen zu knappen Klamotten zum Gespräch bitten musste. Die Gerüchte kann sich Helgert nicht erklären. Er glaubt auch nicht, dass ein Klassenlehrer eigenmächtig gehandelt hat. "Wenn es so wäre, hätten sich schon längst Klassensprecher oder Schüler bei mir beschwert." Außerdem hat der Direktor durchaus Verständnis: "Das Wetter momentan erfordert einfach luftige Kleidung, aber es gibt natürlich Grenzen." Einen Trend hin zur Freizügigkeit kann Helgert aber nicht feststellen. "Die Schüler werden nicht nackter. Das ist nicht anders, als vor 15 Jahren."

Das sieht auch die Susanne Genser, Schulleiterin der Sophie-Scholl-Realschule in Weiden so. An der Schule gibt es kein Verbot von Hotpants und Co., aber die Lehrer weisen durchaus mal auf Ausreißer hin. "Wir sagen dann: Hey, morgen vielleicht etwas anders ... ", sagt Genser. Die Schulleiterin erinnert sich an einen Fall - "der ist aber schon Jahre her": Damals schickte sie eine Schülerin heim zum Umziehen. "Das war in Zeiten von Hüftjeans und Arschgeweih." Die Lehrer würden allerdings schon Schülerinnen ansprechen, die unangemessen gekleidet sind. "Wir schauen da drauf, erklären das den Schülern und die verstehen das auch meistens." Absolutes No-Go ist für Genser, wenn der Ausschnitt viel zu tief ist. "Beach-Klamotten gehen gar nicht. Oder Hotpants, die mehr zeigen, als sie bedecken." 2003 gab es in der Mädchen-Realschule schon die Diskussion um zu viel nackte Haut. "Wir haben dann riesige pinke Shirts angeschafft. Die haben wir einmal benutzt und danach nie wieder."

Grenzen guten Geschmacks

Am Eschenbacher Gymnasium hat Schulleiter Knut Thielsen eine ganz klare Meinung zur Hotpants-Diskussion: "Es gibt Grenzen guten Geschmacks, darüber lässt sich natürlich streiten. Aber mit Verboten kann man das nicht regeln." In seiner Schule gebe es ein übergeordnetes Wertekonzept, das vor allem auf Respekt ausgelegt sei. "Dazu gehört auch: Den anderen nicht mit zu viel Haut auf die Pelle rücken." Der Schulleiter ist davon überzeugt, dass Regeln und Verbote das Problem nicht lösen. "Das muss von daheim kommen." Mal davon abgesehen: "Das Problem von zu viel nackter Haut gibt es bei uns nicht. Hier herrschen anständige Verhältnisse." Allerdings würde Thielsen bei zu viel Nacktheit durchaus eingreifen. "Aber einfach ansprechen, und nicht sofort mit Verboten drohen."

Die Schulleiterin des Weidener Kepler Gymnasiums, Sigrid Bloch, hat nichts anzumahnen. "Es gibt bei uns keine Notwendigkeit, ein Verbot von oben herab zu verhängen." Bloch bekomme auch keine Beschwerden von Kollegen über freizügige Schüler. "Die Schüler sollen natürlich nicht in Quasi-Badeklamotten oder zu kurzen Hosen dasitzen." Bloch erwarte durchaus ein gewisses Maß an Kleiderordnung in der Schule. Aber sie ist froh: "Zum Glück wissen die Schüler, wie man sich kleidet. Und zum Glück ist die Gesellschaft mittlerweile so leger, keine bestimmten Kleidermaße zu fordern."

 

 

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