Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern
48-Jähriger zu sechs Jahren verurteilt

Sechs Jahre muss ein 48-Jähriger wegen Missbrauchs von Kindern hinter Gitter. "Trotz der schwerwiegenden Verbrechen noch vertretbar", sagt Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle. "Viel zu wenig", sagen die Mutter des hauptgeschädigten Kindes, Verwandte und Freundinnen der Familie.

(rns) Für neun Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs und sieben Fälle des einfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie mindestens viermaliger Abgabe von Rauschgift an Minderjährige verurteilte die 3. Jugendkammer des Landgerichts den Mann am Donnerstag zu sechs Jahren Freiheitsstrafe.

Der Arbeiter hatte von 2009 bis 2016 häufig am Wochenende Besuch von jüngeren Mädchen in seiner Wohnung nahe des Weidener Bahnhofs. Mit der Tochter seiner früheren Lebensgefährtin kam es zu ersten sexuellen Handlungen, als diese 8 Jahre alt war. Als etwa Neunjährige musste das Kind den Mann manuell und oral befriedigen. Mit zwölf Jahren kam es erstmals zum Geschlechtsverkehr. Der Übergriff wurde dann zur Regel.

Mit Nacktbild erpresst

Auch die zwei Jahre jüngere Schwester - beim ersten Mal 7 Jahre alt - und weitere 12 bis 16 Jahre alte Mädchen bedrängte der Weidener massiv. Durch die Drohung, ein von ihm gefertigtes Handy-Nacktbild den Eltern zu senden, brachte er schließlich eine Neunjährige dazu, ihm weitere Bilder zu schicken.

Dr. Johannes Schwerdner, der Leiter der forensischen Psychiatrie Mainkofen, bescheinigte dem Angeklagten Alkoholabhängigkeit, jedoch nicht derart, dass er sich nicht mehr beherrschen hätte können. Vielmehr habe sich in den vergangenen Jahren eine Pädophilie entwickelt. Allgemeingefährlich sei der Mann nicht. Eine Sozialtherapie in einem geeigneten Gefängnis reduziere die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholungstat erheblich.

Der Geschiedene lockte die Kinder immer wieder mit Haschisch und Alkohol in seine Wohnung. Diese Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige floss ebenfalls in die Anklage von Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Hans-Jürgen Schnappauf ein. Dieser plädierte schließlich auf sechseinviertel Jahre, die Obergrenze einer im Vorfeld gegen ein Geständnis ausgehandelten Verständigung.

Leichtes Spiel für Täter

Schnappauf hielt die gesellschaftlichen Veränderungen für mitverantwortlich für derartige Geschehnisse. Heute fehlten vielfach stabile Familienverhältnisse. Mit "Belohnungen", wie Alkohol, Drogen und vor allem Zuwendung, sei es für Täter leicht, ihr Tun zu verschleiern. "Es ist erschreckend, was hier mitten in der Stadt abging", so Schnappauf.

Nebenklagevertreter Christoph Scharf meinte, es seien zu viele Fragen ungeklärt geblieben. In der Folge müsse die Absprache nicht eingehalten werden. Er forderte acht Jahre. Nicht die Gesellschaft sei schuld an den vorliegenden Verbrechen, sondern allein der Täter. Verteidiger Tobias Konze hielt fünf Jahre und neun Monate für ausreichend. Er verwies auf das frühzeitige Geständnis seines Mandanten und betonte, dass die betroffenen Mädchen schon drogenerfahren gewesen waren.

In der Urteilsbegründung der Richter Ströhle und Peter Werner sowie der Schöffen führten diese aus, dass ein Geständnis bei Sexualstraftätern "gut berücksichtigt" werden müsse. Es erspare den Opfern den wiederholten Auftritt vor Ermittlungsrichter, Glaubwürdigkeitsgutachter und vor dem Gericht.
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Angelika Oetken aus Regensburg | 18.05.2017 | 22:09  
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