26.02.2018 - 15:20 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Sechsstündiger nächtlicher Einsatz vor der Ostmark-Kaserne Frost knackt Hauptleitung

Die Soldaten, von der Wochenend-Heimfahrt zurückgekehrt, schlafen. Kaum einer merkt, dass der Druck in den Wasserleitungen sinkt - und vor der Kaserne eine Baustelle entsteht: Stadtwerke, Bauhof, Baufirma und Feuerwehren müssen die Hauptleitung reparieren.

Wasser flutet die Frauenrichter-Straße und gefriert. Nach sechsstündigem Einsatz ist der Rohrbruch in der Wasserleitung repariert. Bild: Stadtwerke
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Es ist bitterkalt in der Nacht zum Montag. Kurz vor Mitternacht knackt der Frost die Hauptleitung des Wasserrohrnetzes in der Frauenrichter Straße. Die Bruchstelle lässt sich auf Höhe des Anwesens Frauenrichter Straße 157 relativ schnell ausfindig machen: Wasser sickert aus dem Boden, flutet die Fahrbahn und gefriert. Die Mitarbeiter des Bauhofes streuen kräftig, sorgen damit auf der stark mit Eis überzogenen Fahrbahn für Sicherheit.

Der Notdienst der beauftragten Baufirma Tretter aus Immenreuth schickt kurz vor Mitternacht das Team los. Auch die Feuerwehr Frauenricht rückt aus. Die Teerdecke wird auf einer Fläche von 1,6 auf 1,6 Metern aufgeschnitten, berichtet am Montagvormittag Stadtwerke-Vorstand Christine Melischko. Bis in eine Tiefe von gut 1,5 Metern wird ausgekoffert, um an die dort liegende Hauptleitung zu gelangen. Zwei Fachhandwerker der Stadtwerke "flicken" die Leitung: Da ein gerader Bruch der aus dem Jahr 1935 stammenden Graugussleitung vorliegt, können sie mit einer breiten Schelle das Rohr reparieren. Danach wird die Baugrube wieder sorgfältig verfüllt und mit Kaltasphalt verdichtet.

Sechs Stunden später packen die Bauhandwerker zusammen. "Die dürfen jetzt ausschlafen", meint Melischko. Die Leitung ist dicht, der Wasserdruck hält. Vom Nacht-Einsatz unter erschwerten Bedingungen, merkt kaum einer der Autofahrer etwas, der im beginnenden Berufsverkehr die Baustelle passiert.

"Sobald die Wetterverhältnisse es zulassen, wird dieser Bereich geöffnet und regulär mit Asphalt verschlossen", kündigt die derzeitige Leiterin der Stadtwerke an. Sie bestätigt, dass sich in den vergangenen, "meist vergleichsweise milden" Wintern die Anzahl der Rohrbrüche auf einem niedrigen Niveau von 10 bis 15 eingependelt habe. Insgesamt, so Christine Melischko, gab es im letzten Jahr nur elf Wasserrohrbrüche an Hauptversorgungsleitungen. Für einen "durchschnittlichen Wasserrohrbruch (ohne größere Schäden zum Beispiel an Fußgängerwegen oder ähnlichem) fallen Kosten in Höhe von 3000 Euro an.

Zugleich verteidigt Melischko die Qualität der uralten Graugussleitungen. Diese seien als Wasserleitung absolut korrosionsbeständig - "und unverwüstlich, wenn das Material im Rohrgraben stabil bleibe. Dann können sie gut 100 Jahre alt werden." Gift sei allerdings der Frost, der - wie in der Nacht zum Montag - die Erde bewegt.

238,8 Kilometer Wasserleitungen in der Stadt Weiden

"Graugussrohre dulden keine Verformungen", betont Christine Melischko, Vorstand der Stadtwerke Weiden. Die Leitung in der Frauenrichter Straße, die in der Nacht zum Montag aufgrund der Frosteinwirkungen auf den Rohrgraben barst, habe einen Durchmesser von 125 Millimeter und stamme aus dem Jahr 1935. Zu Rohrbrüchen komme es nicht, weil die Rohre zu alt seien, sondern weil sich durch die Frosteinwirkung das Material im Rohrgraben bewege.

Graugussrohre sind, so Melischko, im Trinkwasserbereich nach wie vor auf der Höhe der Zeit. Mit Millionenaufwand hätten die Stadtwerke jedoch die Graugussrohre aus dem Gasnetz entfernt. "Wir fuhren damals sogar ein Sonderinvestitionsprogramm", erinnert Melischko an die starken Anstrengungen, um das Gasnetz sicherer zu machen.

Das Wasserverteilnetz der Stadtwerke in Weiden weist eine Länge von 238,8 Kilometern auf, betont Melischko. Der Anteil der Graugussrohre liege im Wassernetz bei rund 60 Prozent. Hier bestehe aufgrund der starken Korrosionsbeständigkeit der Rohre kein Handlungsbedarf. "Sie sind absolut unbedenklich." Aufgrund der "Tausch-Offensive", die schon vor Jahren abgeschlossen werden konnte, gebe es im Gasnetz heute keine Graugussrohre mehr.

Die Stadtwerke betreuen 150,5 Kilometer Hausanschlussleitungen sowie 10 366 Hausanschlüsse. Die Wasserförderung erreiche jährlich etwa 2,8 Millionen Kubikmeter.

Obwohl durch den Rohrbruch die stadtauswärtsführende Fahrbahn der Frauenrichter-Straße mit einer dicken Eisschicht überzogen war, hielt sich der Wasserverlust in Grenzen. "Die Statistiken des Wasserwerkes lagen im Normalbereich. Damit handelt es sich nicht um eine größere Verlustmenge", gibt Melischko Entwarnung. (wd)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.