10.08.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sexueller Missbrauch im Zeltlager: Ehemaliger Jugendleiter legt Berufung ein "Das darf ein Erwachsener nicht"

Ferienzeit, ein Zeltlager: Im Sommer 2016 missbraucht ein Jugendleiter ein Mädchen. Davon ist jedenfalls das Jugendschöffengericht überzeugt und verhängt eine Bewährungsstrafe. Dagegen wehrt sich der Verurteilte. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen.

von Autor RNSProfil

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und sexueller Nötigung hatte Jugendrichter Otmar Schmid im April einen 29-Jährigen zu eineinhalb Jahren verurteilt. Die Strafe war zur Bewährung ausgesetzt worden (wir berichteten). Gegen diese Verurteilung legte der Arbeitslose mit Hilfe von Rechtsanwalt Dominic Kriegel Berufung zur 3. Jugendkammer des Landgerichts ein. Da Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf zwei Jahre "ohne" gefordert hatte, könnte die Sache für den Mann böse ausgehen. Auch die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein.

Richter Schmid und die Schöffen hatten den Beschuldigungen einer damals Elfjährigen und deren Freundinnen geglaubt, wonach es Vorkommnisse im Zeltlager einer Wasserrettungsorganisation im Juli/August 2016 gab. Die Kinder hatten überzeugend geschildert, dass der Mann, der als Jugendleiter fungierte, das damals elfjährige Mädchen beim spielerischen "Ins-Wasser-Werfen" mit beiden Händen an den Brüsten berührt habe. Auch habe der Weidener das Kind mit Gewalt auf seinen Schoß gezogen. Sie habe damals sein erigiertes Glied gespürt, berichtete die jetzt Zwölfjährige im Zeugenstand. Am Tag darauf habe ihr der Mann auf dem Weg zum Versorgungszelt mit der flachen Hand zwischen die Beine gefasst.

Alles neu Aufgerollt

Gegen den Rat des Vorsitzenden Richters Reinhold Ströhle bestand der Verurteilte darauf, dass alles neu aufgerollt wird, sämtliche jungen Zeuginnen - etwa 15 - noch einmal gehört werden. Ein gänzlicher Freispruch werde nicht herauskommen, machte ihm Richter Ströhle klar. Dass er die mit einem Bikini Bekleidete auf seinen Schoß gezogen hatte und ihre Beine hinter seinem Rücken verschränkt hatte, habe er in erster Instanz selbst zugegeben. "Dass ein erwachsener Mann so etwas auf keinen Fall tun darf, weiß jeder", so Richter Ströhle.

Brüche in der Aussage?

Verteidiger Kriegel rügte in seiner Berufungsbegründung, dass das Erstgericht "Brüche in der Aussagekontinuität" der Hauptbelastungszeugin nicht gewürdigt habe. In jeder Vernehmung - bei der Polizei, beim Untersuchungsrichter, in der Verhandlung - habe die Zwölfjährige etwas anderes berichtet. Der Vorwurf des An-die-Brust-Greifens sei im Prozess vor dem Jugendschöffengericht erstmals aufgetaucht.

Kriegel und sein Mandant, der sich weiterhin nicht äußert, ließen sich nicht zur Berufungsrücknahme bewegen. Während der Befragung der jungen Zeuginnen am Donnerstag wurden die Öffentlichkeit und weitgehend auch der Angeklagte ausgeschlossen. Der Prozess wird diesen Freitag mit der Vernehmung der Geschädigten fortgesetzt. Sie kommt in Begleitung von Rechtsanwalt Tobias Konze als Zeugenbeistand.

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