11.01.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Staatsanwaltschaft stellt nur Teil der Ermittlungen ein Keine Absolution für Pfarrer

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen einen Pfarrer wegen des Besitzes jugendpornografischer Schriften eingestellt. Dies bestätigt Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer. Ganz aus dem Schneider ist der beurlaubte Priester damit aber nicht.

Das Strafgesetzbuch liegt im Gerichtssaal.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Nach wie vor werde gegen den Geistlichen in anderer Sache ermittelt: wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug. Laut Schäfer geht es dabei um "kirchliches Vermögen und Eigentum". Das Kommissariat 2 (Eigentumsdelikte) der Weidener Kriminalpolizei führt diese Ermittlungen. Das Bistum Regensburg hatte im Juli 2017 eine Anzeige nachgereicht, weil in der Finanzkammer Unregelmäßigkeiten in den Fahrtenbüchern aufgefallen waren. Zudem prüft die Staatsanwaltschaft den Verdacht, dass kirchliche Gegenstände zu Unrecht veräußert wurden.

Die Teileinstellung in Sachen Jugendpornografie erfolgte auf Basis von Paragraf 154. Sprich: Weil die zu erwartende Strafe im Fall einer anderweitigen Verurteilung nicht beträchtlich ins Gewicht fallen würde. Eine Wiederaufnahme ist möglich. Die Staatsanwaltschaft hat nicht nach Paragraf 170 eingestellt, was dann passiert, wenn ein hinreichender Tatverdacht fehlt.

Im März beurlaubt worden

Der Geistliche war im März 2017 von einem Tag auf den anderen beurlaubt worden. Die Pfarrhaushälterin hatte in seiner Abwesenheit eine Aktentasche mit einschlägigen Fotos in einem Schrank im Pfarrhaus gefunden. Laut Schäfer fanden sich darunter "einige wenige" strafrechtlich relevante Exemplare von Jugendpornografie im "untersten Bereich".

Die Angestellte hatte den Schrank nach eigenen Angaben im Auftrag des Pfarrers aufräumen sollen. Im Nachhall kam es im Mai 2017 zu einem Termin vor dem Arbeitsgericht Weiden, bei dem die Haushälterin gegen die fristlose Kündigung durch den Pfarrer klagte. Diese wurde in eine ordentliche umgewandelt.

Enorme Auswirkungen

Aufgrund der neuen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz hatte der Zufallsfund enorme Auswirkungen. Die Handlungsanweisungen greifen bei sämtlichen Verdachtsfällen, die unter Abschnitt 13 des Strafgesetzbuches fallen (Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung). Dazu zählt auch der Besitz jugendpornografischer Schriften. Dementsprechend wurde der Missbrauchsbeauftragte hinzugezogen. Der Ordinarius kann bis zur Aufklärung des Falls den Priester vom Dienst freistellen, was in diesem Fall erfolgte.

Für das Bistum ändert sich damit zunächst nichts: Der Geistliche bleibt beurlaubt. "Am Status des Herrn Pfarrers ändert sich zurzeit nichts", informiert Pressesprecher Clemens Neck auf NT-Anfrage. Ob ein kirchenrechtliches Verfahren eröffnet wird, werde entschieden, wenn das ganze Verfahren abgeschlossen ist. "Das Bistum hat volles Vertrauen in die Arbeit der Justiz. Wir gehen davon aus, dass das Verfahren zu einem angemessenen Ergebnis geführt werden wird", so Neck.

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