30.08.2017 - 16:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadt lässt Wasser im Mühlbach ab Krebse verenden im Bachbett

Evi Wiesend probiert es mit einer kleinen Schaufel, die Stengels haben eine Wanne mitgebracht. Gemeinsam versuchen sie, so viele Krebse und Fische wie möglich aus dem vertrockneten Bachbett zu retten. Seit fünf Tagen führt der Mühlbach kein Wasser mehr. Die Helfer geben der Stadt die Schuld.

Die Zeit drängt: Ruth Pohl, Evi Wiesend sowie Karl und Christine Stengel (von links) versuchen am Mittwoch, so viele Krebse und Fische wie möglich vom Mühlbach in den Weidingbach zu bringen. Bilder: mic (3)
von Michaela Lowak Kontakt Profil

"Warum ist der Bach abgelassen worden?", wundert sich Evi Wiesend. "Man hätte ihn doch erst abfischen können." Zufällig habe sie bemerkt, dass im trockenen Bachbett Tiere ums Überleben kämpfen. Sie kommt mit dem Zählen kaum mit: 50 tote Krebse zieht sie an zwei Tagen aus dem Schlamm. "Wahrscheinlich werden es noch mehr", vermutet sie. Ruth Pohl, die mit ihrem Hund hier oft Gassi geht, schüttelt ebenfalls den Kopf.

An manchen Stellen ist das Bachbett komplett trocken, an anderen sammeln sich noch kleine Pfützen. Wer genau hinschaut, kann im verbliebenen Wasser ein Blubbern beobachten. Es stammt von Fischen, die vergeblich versuchen, aus der nur noch zentimeterhohen Brühe die letzten Sauerstoffreserven zu ziehen.

Ganz unverhofft bekommen die Frauen Verstärkung. Karl und Christine Stengel haben sogar eine Wanne mitgebracht. Die beiden scheuen sich nicht, barfuß im Schlamm zu waten. "Meine Frau ist mit dem Fahrrad vorbeigefahren und hat das Dilemma gesehen", erzählt Karl Stengel. Sie habe ihn animiert, schnell zu helfen. Nun steht er im Bachbett und versucht mit der Hand, die Tierchen zu fangen. Sobald die Wanne voll ist, bringen die Helfer die Krebse und Fische ein paar 100 Meter weiter in den Weidingbach. Dann geht's zurück ins trockene Bachbett. "Wenigstens ein paar konnten wir retten", sagt Evi Wiesend. "Wenn sich die Stadt entschließen könnte, wieder ein bisschen Wasser in den Bach zu leiten, könnten wir alle Tiere rausholen."

Wiesend bringt ihr Bitte schließlich beim Tiefbauamt vor und findet Gehör. Am Mittwoch gegen 16 Uhr fließt wieder ein wenig Wasser durch den Mühlbach. "Doch für viele Krebse kommt jede Hilfe zu spät", bedauert sie. Auch am Donnerstag ist die Tierschützerin immer noch ganz aufgewühlt. "Ich konnte heute Nacht nicht schlafen, sah immer die vielen toten Tiere vor mir." Sie erwägt, die Stadt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz anzuzeigen.

Das Umweltamt der Stadt will das so nicht stehen lassen. Es sei höchster Wert darauf gelegt worden, die Maßnahme so schonend wie möglich zu vollziehen und so viele Fische, Kleintiere und Krebse wie möglich vorher zu retten, heißt es in einer Presseerklärung. Außerdem sei bekannt, dass Krebse im feuchten Schlamm geraume Zeit problemlos überleben könnten.

Das Wasser sei abgelasssen worden, um den Wittgarten-Durchstich vorzubereiten. Die Stadtwerke müssen Leitungen umlegen, die unter dem Bach verlaufen. Es sei geplant, den Bach soll schnell wie möglich wieder aufzumachen.

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