18.08.2017 - 14:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadträte und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß besichtigen Rathaus-Baustelle Hoch hinaus

Ein kleiner Sprung über zwei Holzbalken, schon stehen sie auf dem Gerüst hoch über der Weidener Altstadt. "Das ist der schönste Dachstuhl, den ich je gesehen habe": Planer Anton Landgraf ist verzückt. Und die Stadträte samt OB Seggewiß sind es ebenfalls.

von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

Diese Begeisterung löste das Alte Rathaus aus. Ingenieur Anton Landgraf vom Amberger Ingenieurbüro "ALS" führte zusammen mit Tobias Dietl vom Hochbauamt der Stadt die Räte und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß über die Baustelle. Bei der Besichtigung ging es hinauf auf den Dachstuhl. Dort tauschen die Arbeiter morsche und falsch eingebaute Balken aus richten die Statik.

Der Dachstuhl ist als spätgotischer, liegender Dachstuhl gebaut. Ab der Mitte des Gebäudes wechselt die Bauweise in einen stehenden Renaissance-Dachstuhl. Die Ursache für den Wechsel vermutet Tobias Dietl im zweiten Stadtbrand 1540: "Damals gab es wohl eine zeitliche Bauunterbrechnung." Kurios ist: Die Reichsstadt Nürnberg verbot die verplatteten Verbindungen und ersetzte sie durch Verzapfungen. Für Planer Anton Landgraf ist das eine der ersten "unsinnigen DIN-Vorschriften" der Baugeschichte, denn: Die verplatteten Verbindungen sind stabiler.

Fehler in Barockzeit

Der Hauptgrund für die statischen Mängel sind Sanierungsfehler während der Barock-Zeit. Der statisch als Dreieck ausgebildete, fünfgeschossige Dachstuhl kragte ursprünglich aus und war mit Aufschieblingen versehen. Die statischen Kräfte waren also an den Fußpunkten gefasst. Im Barock wurden diese Überstände abgeschnitten und ein Gesims erstellt - laut Dietl eine typische Modeerscheinung damals. Auch durch den Umbau eines frei überspannten Saals im Obergeschoss wurde der Dachstuhl in seinem statischen Gefüge verändert. Auch von 1914 bis 1916 machten Arbeiter bei einem Umbau des Rathauses Fehler. Sie bauten Dachbalken falsch ein. Das hat zur Folge, dass der Dachstuhl nun langsam nach außen "schiebt".

Die vier Stockwerte des Dachstuhls in 360° zum selbst Erkunden:

Neue rote Ziegel

Bei den jetzigen Sanierungsarbeiten wird daher der Hauptaugenmerk auf die statische Wiederherstellung des Dachstuhls gelegt. Die Arbeiter tauschen morsche und falsch eingebaute Balken aus und stellen Verbindungen statisch richtig her. Im Anschluss decken sie das Dach neu ein. Anstatt der bisherigen eher dunklen Rundbiberschwanz-Ziegel bekommt das Dach wieder rote, gotische Spitzbiberschwanz-Ziegel.

Nach den Arbeiten am Dach soll die Fassade ausgebessert und neu gestrichen werden. Aber: Die Farbe ist noch unklar. Ein Restaurator fand bislang vier ältere Farbfassungen, über die das Landesamt für Denkmalpflege entscheiden muss. Die Fenster und die Buntglasscheiben sollen restauriert werden. Das Glockenspiel wird umgebaut. 2018 soll dann abschließend die Freitreppe saniert und der Sockelbereich des Rathauses abgedichtet werden. "Hier dürften eventuell noch einige historische Überraschungen warten", vermutet Tobias Dietl. Bei der Voruntersuchung fand ein Archäologe bereits die Fundamente des Vorgängerbaus ungefähr einen Meter unterhalb des jetzigen Geländes - auf dem Niveau des mittelalterlichen Markplatzes.

Der Umbau kostet nach derzeitigem Stand 1,5 Millionen Euro. Die Stadt rechnet mit einer Förderung durch den Bezirk Oberpfalz (2,5 Prozent), die bayerische Landesstiftung (7,4 Prozent), das Denkmal-Sonderprogramm des Bundes (14,2 Prozent) sowie durch den Entschädigungsfonds des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (27,4 Prozent).

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